Bayern - Gladbach 1:0 : Bayern siegt, der Anhang schimpft

Bei Münchens 1:0 gegen Gladbach wettern die Fans gegen die Rettung von 1860. Die eigene Rettung vor der Blamage kommt erst in der 77. Minute mit dem 1:0 durch Arjen Robben.

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Schwerer Stand. Münchens Franck Ribéry wird von den Gladbachern Nordtveit (l.) und Jantschke umzingelt.
Schwerer Stand. Münchens Franck Ribéry wird von den Gladbachern Nordtveit (l.) und Jantschke umzingelt.Foto: dpa

Louis van Gaal hat sich viel vorgenommen für den Schlussspurt der Bundesliga. Mit einem Siegeszug will der Trainer des FC Bayern den Verein zumindest auf Platz drei und damit in die Qualifikation zur Champions League führen, um dann mit erhobenem Haupt seinen Zwangsabschied aus München zu begehen. Der erste Spieltag nach der Länderspielpause brachte einen großen Schritt in diese Richtung. Trotz kläglicher Leistung gewannen die Münchner das Heimspiel gegen den Tabellenletzten Borussia Mönchengladbach 1:0 (0:0).

Weil gleichzeitig Hannover in Dortmund verlor, stehen die Bayern nun auf Rang drei. „Damit haben wir unser Zwischenziel und Minimalziel erreicht“, sagte Sportdirektor Christian Nerlinger. Der Erfolg war aus Bayernsicht von unerfreulichen Nebengeräuschen begleitet. In der Südkurve – dort, wo einige der treuesten, aber auch die kritischsten Fans residieren – war das ganze Spiel über eine Kampagne zu beobachten, die einige Irritationen auslöste, auch wenn sich am Sonnabend noch kein Bayernvertreter dazu äußerte. Die örtlichen Zeitungen werden das Thema mit Wonne ausbreiten.

Dass die Partie schon lahm begann, störte die Fans in der Südkurve kaum. Voller Inbrunst arbeiteten sie sich am existenzbedrohten Lokalrivalen TSV 1860 ab und agitierten gegen die Hilfsabsichten der Bayernführung. Geht 1860 unter, würden den Bayern Millionen an Mieteinnahmen aus der Arena verloren gehen. Doch manche Fans würden auf dieses Geld gern verzichten, und so hatten sie zahlreiche Transparente vorbereitet. „Blaue Schweine schlachtet man und rettet sie nicht! Und Du willst Metzger sein, Uli?“, stand da zu lesen.

Eine Anspielung auf Uli Hoeneß’ Nebenjob als Wurstfabrikant. „Einst Topklub – heute Sozialamt für die Blauen“, hieß es wenig später. Auch nach einer halben Stunde Spielzeit hatte das Spiel kaum nennenswerte Szenen gebracht: einen Arjen-Robben-Schuss, den Logan Bailly nach vorn abklatschte, doch Stürmer Mario Gomez verpasste den Abstauber. Und einen Kopfball von Arjen Robben aus kurzer Distanz ging links am Tor vorbei. Der Rest war unansehnliches Ballgeschiebe. „Wir haben einfach viel zu langsam gespielt“, sagte Robben hinterher. „Und zu wenig miteinander“, ergänzte Toni Kroos.

Weil so wenig auf dem Spielfeld passierte, erzielten die Transparente umso mehr Aufmerksamkeit. Auch einen an Präsident Hoeneß gerichteten Kommentar zur Transferpolitik hatten die Fans parat: „Neuer im Tor ist für uns wie Trainer Daum und Manager Lemke für Dich.“ Eine laute Minderheit dominierte die Stimmung an diesem Nachmittag, auch weil ihre Botschaften unwidersprochen blieben.

„TSV und Uli H.: Restlaufzeit verkürzen“, hieß es zu Beginn der zweiten Halbzeit aus der Südkurve. Der Auftritt der Bayern blieb hilflos. Einmal mussten sie gar froh sein, dass Holger Badstuber während eines Konters der wackeren Gladbacher vor Marco Reus klärte. Erst in der 77. Minute fiel das erlösende Tor. Franck Ribéry legte auf für Robben, der kühl aus kurzer Distanz ins lange Eck traf. „Es sind noch sechs Spiele. Das wichtigste ist, dass wir jetzt aus eigener Kraft Platz drei schaffen können“, lautete Gomez’ Haupterkenntnis aus diesem mühseligen Arbeitstag.

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