Bayern - Hoffenheim : Brüder im Geiste

Zwischen dem FC Bayern und Hoffenheim gibt es trotz aller verbaler Spitzen vor dem Topspiel viel Verbindendes.

Sebastian Krass[München]
Klinsmann traut Hoffenheim viel zu Foto: dpa
Wie viel Klinsmann steckt in Hoffenheim? Vom Bayern-Trainer hat der Aufsteiger sich einiges abgeschaut.Foto: dpa

Die Intention hinter dem Satz war durchsichtig wie eine frisch geputzte Fensterscheibe. Uli Hoeneß, Manager des FC Bayern München, stiftet eben gerne Unruhe beim Gegner, kurz bevor seine Mannschaft gegen einen ernsthaften Konkurrenten antritt. Diesmal zollte Hoeneß dem Projekt TSG 1899 Hoffenheim erst einmal „hohen Respekt“, streute aber auch, dort werde „mehr Geld bezahlt, als sie überall rumerzählen. Trotz der Finanzkrise hat Herr Hopp schon noch ein paar Euro übrig.“

Dietmar Hopp, Hauptgeldgeber des derzeitigen Tabellenführers, reagierte betroffen. Er habe gedacht, ein gutes Verhältnis zu Hoeneß zu haben. „Doch da muss ich mich wohl getäuscht haben.“ Trainer Ralf Rangnick schob hinterher: „Wenn sie flotte Sprüche hören wollen, müssen sie nach München fahren. Wenn sie flotten Fußball sehen wollen, sind sie in Hoffenheim richtig.“ Er kennt eben die Rituale mit der Bundesliga-Folklore. Mittlerweile glaubt fast jeder, dass das Überraschungsteam der Saison sich in der Spitze etablieren wird. Und so könnte die Partie am Freitagabend der Beginn einer neuen Rivalität sein. Es wäre die Rivalität zweier Vereine, die mehr verbindet, als die Verbalspitzen der vergangenen Tage vermuten lassen.

Beide Teams stehen für Offensivfußball und Talentförderung

Es fängt schon an bei den sportlich Verantwortlichen: Ralf Rangnick und Jürgen Klinsmann – beide sind Schwaben – stehen nicht nur für Offensivfußball. Beide halten sich auch große Betreuerstäbe. Rangnick, im Moment in der Laune für kecke Sprüche, sagt gar: „Ich habe schon so gearbeitet, als Klinsmann noch am Anfang seiner Spielerkarriere stand.“ Beide legen auch besonderen Wert auf die Ausbildung junger Talente. Dietmar Hopp erzählte im Sommer: „Klinsmann hat sich bei Bernhard Peters, unserem Nachwuchs-Direktor, über unser Jugendkonzept informiert.“ Die Münchner „Abendzeitung“ fragte diese Woche: „Wie viel Hoffenheim steckt in Bayern?“ Man könnte genauso gut fragen: Wie viel Klinsmann steckt in Hoffenheim?

Denn Bernhard Peters kam ja erst durch Klinsmann zum Fußball. Als Bundestrainer wollte Klinsmann den ehemaligen Hockey-Nationalcoach zum Sportdirektor des Deutschen Fußball-Bundes machen, scheiterte aber am Widerstand der Gremien. Also nahm Peters die Ideen, die er mit Klinsmann ausgeheckt hatte, mit nach Hoffenheim.

Beckenbauer und Hopp sind Golf-Freunde

Noch ein Weggefährte des heutigen Bayerntrainers arbeitet für die Badener: der Psychologe Hans-Dieter Hermann, den Klinsmann einst beim DFB durchsetzte. Weil Klinsmann viel Wert darauf legt, seine Spieler geistig zu entwickeln, suchte er sich einen festangestellten Diplom-Psychologen: den früheren Bundesliga-Torwart Philipp Laux. Der arbeitete bis zum Sommer für – richtig! – Hoffenheim. Auch auf der Würdenträger-Ebene sind beide Vereine verbandelt. Bayern-Präsident Franz Beckenbauer und Hopp sind Golf-Freunde. Beide sitzen auch im Beirat der Orthopädie-Klinik von Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt, der 31 Jahre Vereinsarzt des FC Bayern war. Vor einem Monat gab er das Amt auf.

Es gibt aber auch Grenzen. Das stellt Hoffenheims Manager Jan Schindelmeiser klar: „Wir werden keinen Spieler an einen anderen Bundesligisten abgeben, das gilt auch für die Bayern.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben