Sport : Bayern - Kaiserslautern: Bayern feiert

Hartmut Scherzer

Dann kam Alexander Zickler. Eingewechselt in der 89. Minute, schoss er in der 90. Minute ein Tor, das schon am vorletzten Spieltag die deutsche Meisterschaft entschieden haben dürfte - für Bayern München. Denn mitten in den Jubel über das 2:1 gegen den 1. FC Kaiserslautern platzte die Nachricht vom Tor zum 1:0 des VfB Stuttgart in der Nachspielzeit gegen Schalke 04. "Da steckt Magie dahinter." Selbst der pragmatische Ottmar Hitzfeld konnte die doppelte Dramatik nicht fassen.

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Tipp-Spiel: Wer wird Deutscher Meister? Mit drei Punkten Vorsprung vor Schalke reist der Champions-League-Finalist nun auch als Tabellenführer der Bundesliga am Samstag zum letzten Spiel nach Hamburg. Die Bayern können aus eigener Kraft mit einem Unentschieden den dritten Titel in Folge erringen und sind nicht mehr - wie im letzten Jahr - von der Hilfe des kleinen Nachbarn Unterhaching abhängig, der auf Schalke spielt. Aber entschieden ist noch nichts, so verrückt wie die Saison bisher verlief. "Es gibt noch keinen Grund zur Gratulation", mahnte Hitzfeld. "Wir müssen auch in Hamburg die Nerven behalten."

Frisch und forsch hatten die Pfälzer, für die es schließlich noch um einen Uefa-Cup-Platz ging, die vom Mittwochspiel gegen Real Madrid noch müden Bayern überfallen. "Konzentrationsmängel" machte Franz Beckenbauer für den Rückstand verantwortlich. Harry Koch konnte ungehindert seine feine Flanke schlagen. Linke fehlte des rechte Timing, um Lokvencs Kopfball am Elfmeterpunkt - unhaltbar selbst für den weltbesten Torhüter Oliver Kahn - zu verhindern.

Kaum Chancen für Bayern. "Elber fehlt an allen Ecken und Enden", sagte Beckenbauer zur Halbzeit. Zusammen mit Scholl, Sagnol und dem gesperrten Jeremies fehlte der Brasilianer in der Startformation. Erstaunlich war, dass weder Ciriaco Sforza noch Stefan Effenberg, denen die Champions League doch nicht in den Knochen, allenfalls im Kopf stecken konnte, das Spiel der Bayern in Schwung bringen konnten. Da der junge Owen Hargreaves nur herumrannte, kam kein kreatives Aufbauspiel zustande. Als hätten es die Bayern nach ihrer Catenaccio-Phase verlernt, wie man das Spiel macht, den Gegner ausspielt und unter Druck setzt. "Zuviel Fußball nervt irgendwann", sagte der verletzte FCK-Kapitän Mario Basler nachsichtig über die Doppelbelastung seiner ehemaligen Mannschaft "Es sieht ein bisschen lustlos aus, wie die Bayern spielen."

Das änderte sich schlagartig in der zweiten Halbzeit. Die Bayern erhöhten das Tempo stürmten über die Flügel, wo vor allem Salihamidzic mächtig aufdrehte und nach einem Beinschuss gegen Strasser mit einem Pass in den Lauf Janckers den Ausgleich einleitete. FCK-Libero Komljenovic kam zu spät. Fortan herrschte Belagerungszustand im Pfälzer Strafraum. Jancker hatte vier weitere große Chancen, darunter ein spektakulärer Fallrückzieher, für sein zweites Tor. Dann kam Elber für Santa Cruz, und das Getümmel vor dem FCK-Tor wurde immer turbulenter. Mitten im Bayern-Sturm hatte Lokvenc (88.) mit einem Konter die Chance, den Spielverlauf auf den Kopf zu stellen. "Wir mussten bis zum Schluss bangen", räumte Hitzfeld ein. Und das sei auch der Grund gewesen, warum er bis zur letzten Minuten gewartet habe, den dritten Stürmer zu bringen. "Doch dann ist Zickler explodiert." Zur Freude seines Trainers, der wieder alles richtig gemacht hat.

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