Bayern-Kapitän Oliver Kahn : "So etwas habe ich noch nicht erlebt"

Denkwürdige Uefa-Pokal-Nacht bei Getafe: Ein begeisterter Oliver Kahn spricht über den Fußball-Gott, unbequeme Gegner und spanische Beleidigungen. Außerdem vertritt der Bayern-Kapitän eine gewagte These.

Oli Kahn
Banane als Symbol. Oliver Kahn ist Schmähungen gewohnt. -Foto: dpa

Sie betonten immer, dass Sie schon alles erlebt hätten im Fußball. Auch so ein verrücktes Spiel?



"Nee. Ich war ja schon überall, in Manchester, Madrid, Barcelona und wie die Gegner alle hießen in der Champions League. Große Spiele - aber das war noch nie da. Wir werden uns in zehn Jahren nicht über Barcelona und die Niederlage gegen Manchester United im Champions-League-Finale 1999 unterhalten, sondern über Getafe. So etwas habe ich noch nicht erlebt."

Der Fußball-Gott wollte offenbar nicht, dass Sie ihr letztes internationales Spiel in Getafe machen.

"Das Gefühl habe ich auch. Ich konnte meiner Mannschaft wenig helfen. Alles, was aufs Tor kam, war drin. Das einzig Produktive, was ich abgeliefert habe, war mein grandioser Sprint kurz vor Schluss nach vorne. Ich konnte ein bisschen irritieren, und die waren dann mal kurz unkonzentriert, was uns beim 3:3 ein bisschen geholfen hat."

Sie sind nach dem Schlusspfiff in ihrem Tor zusammengesunken.

"Ich war fix und fertig, weil die psychische Belastung an dir zehrt. Dann noch der Sprint nach vorne und der Sprint von links nach rechts, quer über das Feld, durch jubelnde Bayern-Menschen. Das war unglaublich, ein absolutes Highlight."

Das Glück hat man heute schon arg strapaziert.

"Wenn wir vom Titel-Triple reden, sage ich immer: Das hängt von solchen Kleinigkeiten ab, vom Glück im entscheidenden Moment, dass der Torwart da beim 2:3 den Ball fallen lässt. So, wie wir heute gespielt haben, hat man international - das muss man fast so krass sagen - nichts verloren, schon gar nicht in der Champions League. Aber so dürfen wir jetzt nicht reden. Wir müssen jetzt diesen Erfolg mitnehmen. Das gibt so viel Selbstvertrauen, dass wir im Halbfinale auch viel besseren Fußball spielen werden. Und das müssen wir auch."

Was sagen Sie zum Gegner, zum FC Getafe?

"Mir war klar, dass man hier nichts gewinnen kann. Hier hat keine große Mannschaft etwas gerissen. Hier hat Real Madrid nicht gewonnen, hier hat Barcelona, glaube ich, mal 0:4 verloren. Das ist psychologisch schwer. Das ist eine kleine Mannschaft, die tolle Spieler hat, die kämpfen bis zum Umfallen. Du weißt gar nicht, was hier los ist. Wir haben das 1:1 gemacht und dachten, die sind jetzt fertig mit einem Mann weniger. Dann machen die das 2:1 und 3:1. Bevor du dich umschaust, hast du hier verloren."

Was kann jetzt noch kommen, nach diesem unglaublichen Erlebnis?

"Da bin ich auch gespannt. In der Saison kann noch Einiges kommen: Pokalfinale, deutsche Meisterschaft, jetzt Halbfinale im Uefa-Pokal. Mal gucken, was noch drin ist im dramatischen Topf."

Ein Getafe-Spieler soll im Vorfeld gesagt haben, Sie sähen aus wie eine Bulldogge, vor der man Angst haben müsse. Das hat sich dann wohl in den Schlussminuten ausgezahlt, oder?

"Ich weiß nicht, wie spanische Bulldoggen aussehen, vielleicht so wie ich. Bei deutschen Bulldoggen sehe ich keine Ähnlichkeit. Aber das ist so, wenn ich hier nach Spanien komme. Mal sehen, ob ich mich jetzt hier mit Personenschutz aus dem Land bringen lassen muss, weil ich hier schon so viel erlebt habe mit Real Madrid. Hier hat es schon viel böses Blut gegeben. Aber ich möchte kein Öl ins Feuer gießen."

Das Interview führte Klaus Bergmann, dpa

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