Sport : Bayern kommt zu spät

Bremens Diego wechselt wohl zu Juventus Turin

Frank Hellmann
274662_0_46d9fb7a.jpg
Ciao! Diego verabschiedet sich wohl aus Bremen. Mit Juventus Turin will er in der Champions League spielen. Foto: dpa

Hamburg - Man darf genüsslich streiten, was vor einem Europapokal-Halbfinale störender ist. Dass Diego Ribas da Cunha am Sonntag quietschfidel mit Kindern im Nobelstadtteil Oberneuland kickte, obwohl es doch so arg im Rücken zwickte. Oder dass Vater Djair Silvério da Cunha so hartnäckig den Wechsel des Sohnes vorantrieb, dass Werders Vereinsführung gar nicht anders konnte, als am Mittwochabend mit einer hochrangigen Delegation von Juventus Turin in Bremen zu verhandeln. Geschäftsführer Jean-Claude Blanc und Sportdirektor Alessio Secco waren gekommen. Ihnen nahe stehende Kreise meldeten den Transfer danach als perfekt – der Bundesligist gestern noch nicht. „Es hat ein Treffen gegeben“, teilte Werder-Boss Klaus Allofs mit, „wir können aber nicht bestätigen, dass es zu einer Einigung gekommen ist.“ Gefeilscht wird indes allein um letzte Details.

Nichts mehr geklärt werden muss – und das ist Bremens Bossen überaus recht – mit dem FC Bayern. Die Münchner buhlen schlicht zu spät um den Brasilianer, der sich mit dem Spitzenverein der Serie A seit Wochen über einen lukrativen Vier-Jahres-Vertrag einig sein soll. Spätestens nach Diegos glanzvollen Auftritten gegen Milan und Udinese forcierte Juve den Transfer, der im direkten Zusammenhang mit dem Karriereende des Strategen Pavel Nedved steht. Der Nachfolger soll eine Ablöse von knapp über 25 Millionen Euro wert sein; Diego soll etwa sechs Millionen verdienen. Aufgrund der günstigen Besteuerung von Profifußballern in Italien dürfte sich sein Nettogehalt damit fast verdoppeln. In Bremen kassierte der 24-Jährige rund 3,5 Millionen jährlich. Eigentlich läuft sein Vertrag noch bis 2011. Aber zum einen will Diego unbedingt wieder mit einem großen Klub in der Champions League spielen. Zum anderen gehört der Verkauf von Stars zum hanseatischen Geschäftsmodell. Klaus Allofs sagt: „Bei Werder muss man immer sehen, was der Markt hergibt.“ Die Lücke, die der filigrane Taktgeber reißt, ist aber größer als das Loch, das derzeit über der im Umbau befindlichen Westkurve des Weserstadions prangt. Zumal nach dem Wechsel von Diego demnächst auch der Weggang von Stürmer Claudio Pizarro publik werden dürfte. Frank Hellmann

0 Kommentare

Neuester Kommentar