Sport : Bayern macht den feinen Unterschied

Bei den Münchnern sieht man Philipp Lahms Einlassungen gelassener als beim DFB. Schließlich genehmigten die Klubchefs das Buch des Kapitäns – und teilen viele seiner Meinungen

Carsten Eberts[München]
Früher war mehr Taktik. Philipp Lahm sieht Trainer Jürgen Klinsmann kritisch – im Nachhinein. Foto: dapd
Früher war mehr Taktik. Philipp Lahm sieht Trainer Jürgen Klinsmann kritisch – im Nachhinein. Foto: dapdFoto: dapd

Im Grunde tat Bayern-Trainer Jupp Heynckes genau das, was man sich in den vergangenen Tagen auch von diversen Fußballgrößen gewünscht hätte. Sein Kapitän Philipp Lahm wird bekanntlich am kommenden Montag sein Erstlingswerk mit dem Titel „Der feine Unterschied“ veröffentlichen, in dem Lahm viel über seine eigene Karriere spricht, sich jedoch auch an früheren Bayern-Übungsleitern abarbeitet. Natürlich wurde auch Heynckes dazu befragt – in jener Runde, in der er eigentlich Auskunft über das Auswärtsspiel in Kaiserslautern geben wollte. Heynckes verkündete knapp: „Ich möchte dazu keine Bewertung vornehmen. Ich habe das Buch nicht gelesen, ich habe keine umfassende Meinung dazu.“

Natürlich, es ist bekannt, dass der FC Bayern ein Problem mit allzu selbstbewussten Spielern hat. Als Lahm sich im Herbst 2009 via Interview an die Öffentlichkeit wandte und sich über die Einkaufspolitik seines Klubs echauffierte, brachte ihm das eine Rüge samt fünfstelliger Geldstrafe ein. Bei Lahms Buch liegen die Dinge etwas anders: Der Kapitän hat ja keine neuen Erkenntnisse verraten. „Weil es überhaupt nicht meine Absicht gewesen ist, Krach zu schlagen“, sagte Lahm dem „Münchner Merkur“. „Die Auszüge, die in den Vorabdrucken rausgezogen wurden, sind verkürzt dargestellt worden.“ Was er insbesondere über seine Ex-Trainer Jürgen Klinsmann („nur Fitness“) und Louis van Gaal („Mängel an seiner Philosophie“) verbreitet, hatte auch die heutige Bayern-Führung um Präsident Uli Hoeneß und Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge erkannt – und sich von beiden Übungsleitern nach vergleichsweise kurzer Zeit wieder getrennt.

Konsequenzen durch den Klub hat Lahm kaum zu befürchten. „Das ist kein Thema in der Mannschaft, ich habe da nichts verspürt“, sagte Heynckes. In einem Nebensatz ließ er außerdem fallen, was bislang verborgen blieb: Die Bayern, so Heynckes, hätten die Anfertigung eines Buchs durch Lahm genehmigt.

Dazu passt auch, dass Lahm auch seitens des Deutschen Fußball-Bundes erst mal außer einer Rüge keine weitergehenden Sanktionen zu befürchten hat. Dort sind einige Textpassagen auf Kritik gestoßen, besonders Teammanager Oliver Bierhoff und Generalsekretär Wolfgang Niersbach äußerten spontan ihr Unverständnis. Viel passieren dürfte allerdings nicht: Beim Länderspiel in der kommenden Woche gegen Österreich soll es zu einer Aussprache mit Bundestrainer Joachim Löw kommen. Das Kapitänsamt wird Lahm jedoch behalten dürfen. Ähnlich dürften nun die Bayern mit ihrem Kapitän verfahren, mit dem sie ansonsten ja hochzufrieden sind.

Unruhe kann der Klub derzeit ohnehin nicht gebrauchen: Am Samstag treten die Bayern zwar mit dem genesenen Mario Gomez, jedoch ohne den verletzten Arjen Robben beim 1. FC Kaiserslautern an. „Der Betzenberg ist ein schwieriges Terrain“, sagte Heynckes: „Das darf uns nichts ausmachen, man darf sich nicht von der Atmosphäre anstecken lassen, sondern muss cool bleiben.“ Und dann wäre da noch die Champions League, in der die Bayern die nominell schwerste Gruppe erwischt haben. Zur Auslosung sagte Lahm: „Wenn wir konzentriert spielen, werden wir unser erstes Ziel erreichen: das Achtelfinale.“ Diese Worte lösten mal keine Irritationen aus.

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