Sport : Bayern macht müde

Während Klose schon gut in Form ist, muss sich sein Sturmpartner Toni fit leiden

Michael Neudecker[Donaueschingen]

Sie sehen müde aus, sagt jemand. Luca Toni lächelt müde, dann antwortet er, und sein Dolmetscher übersetzt, dass es normal sei, dass er müde sei, weil man ja jetzt im Trainingslager sei und dort viel arbeite. Es sei komisch, wenn man nun nicht müde sei, lässt der Italiener verlauten. Interessant ist das deshalb, weil sein Sturmpartner Miroslav Klose, auf die Anstrengung im Trainingslager des FC Bayern in Donaueschingen angesprochen, sagt: „Es geht mir gut, natürlich arbeiten wir, aber wir übertreiben es nicht.“ Körperlich, so scheint es, trennen die beiden prominenten Neuzugänge im Sturm der Bayern derzeit noch Welten.

Allerdings ist das auch in Ordnung so – noch zumindest. Klose hat schon vor dem Trainingsauftakt viel für seine Fitness getan, nach einer zehntägigen Erholungsphase nach der Saison („Ich bin ein bisschen geschwommen, sonst nichts“) hat er begonnen, an seiner konditionellen Grundlage zu arbeiten. Luca Toni dagegen hat seit Ende April kein Spiel mehr bestritten, er hatte eine Verletzung am linken Mittelfußknochen. Der Weltmeister wurde Ende Mai operiert und war noch bis Anfang Juli in der Reha. Nun haben die Bayern zwar einen runderneuerten Toni erhalten – allerdings auch einen, der noch viele Zusatzeinheiten vor sich hat, um fit genug zu sein für die großen Taten, die sie in München von ihm erwarten.

Bis zum Ligastart, so hofft Toni, sollte er vollkommen fit sein. Dafür trainiert er, so viel er kann: In den ersten Tagen war Toni auf dem Platz in Donaueschingen immer wieder dabei zu beobachten, wie er sich erschöpft an den Oberschenkel fasste, allein sein Gesichtsausdruck erzählte dabei viel über seine Gefühle. Miroslav Klose dagegen lief locker über den Platz, die Übungen, bei denen Trainer Ottmar Hitzfeld die drei gleichmäßig verteilten Schwerpunkte Taktik, Technik und Kondition gesetzt hat, wirkten bei Klose wie ein Aufwärmprogramm. Wenn er die Hantelstangen mit den großen 25-Kilogramm-Scheiben stemmt, dann sieht er zwar angestrengt aus, doch er leidet nicht wie Toni.

Luca Toni wäre aber kein Italiener, wenn er Problemen nicht locker begegnen würde. No problema, ihm gehe es gut, sagt er, und er mache große Fortschritte. Molto bene, das sagt Toni besonders gern. Er redet zudem bevorzugt, klar, über das Toreschießen. „Dafür bin ich ja hier“, sagt er. Wie er sich selbst einschätzen würde? „Ich bin vor allem stark in der Luft, und ich helfe auch gerne, Tore zu schießen.“ Miroslav Klose jedenfalls ist von der Zusammenarbeit mit seinem neuen Sturmpartner schon jetzt überzeugt: „Ich glaube, dass wir uns sehr gut ergänzen werden.“ Der Italiener ist da etwas zurückhaltender, er sagt, sie müssten erst beweisen, was sie könnten. Eben dafür haben die Bayern allerdings einiges ausgegeben: Für beide zusammen bislang 23 Millionen, im Erfolgsfall kommen noch ein paar Millionen Nachzahlung hinzu.

Deshalb lesen sie beim FC Bayern ihrem neuen Vorzeigestürmer auch jeden Wunsch von den Lippen ab – Toni hat als einziger Spieler einen eigenen Masseur, den er aus Italien mitgebracht hat, und in dem Raum an der Säbener Straße, wo die Spieler behandelt werden, steht angeblich eine Liege nur für Toni. Der Masseur ist auch in Donaueschingen dabei. Natürlich ist er dabei. Luca Toni hat ihn nie dringender gebraucht als jetzt.

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