Sport : Bayern - Manchester: Dass nichts bleibt, wie es war

Detlef Dresslein

Giovane Elber hat Angst. "Diese Angst habe ich schon seit Anfang der Saison", sagt der brasilianische Stürmer mit leiser Stimme. "Die Angst, dass wir am Ende gar nichts gewinnen." Das Leben eines Angestellten beim FC Bayern ist ohne Titel nicht lebenswert, und diese seltsam lauwarme Spielzeit mit ihren ach so vielen Niederlagen geht den Bayern langsam merklich auf die Nerven. Denn kurz zuvor hatte Elber im Hinblick auf das heutige Viertelfinalrückspiel in der Champions League gegen Manchester United noch fröhlich behauptet: "Wir dürfen keine Angst haben. Denn wenn wir Angst haben, dann scheiden wir aus."

So richtig wissen die Bayern wohl derzeit nicht, was sie tun, weder mit den Füßen noch mit dem Mund. Das ist auch in der Vorstandsetage so. Uli Hoeneß mag gerade in künftigen oder vergangenen Zeiten geschwelgt haben, als er verkündete, "dass außer dem FC Bayern keine Mannschaft die Klasse hat, konstant gut zu spielen". Das sagte er dieser Tage mit vollem Ernst. Ansonsten hat man mit der aktuellen Münchner Klasse-Mannschaft abgeschlossen. Erst faltete Uli Hoeneß Samuel Kuffour zusammen, erzählte sodann, dass Spieler über dreißig bis 2002 aussortiert werden. Alles vernünftige Gedanken. Aber vielleicht nicht geeignet, um die aktuelle Mannschaft zu motivieren.

Auch Präsident Franz Beckenbauer sagt jetzt, "dass es spätestens 2002 einen radikalen Schnitt geben wird". Und erstmals dachte der Kaiser laut darüber nach, den FC Bayern an die Börse zu bringen. "Es ist langsam Zeit, den Verein umzuwandeln in eine Kapitalgesellschaft." Auch damit hatte man sich bisher immer sehr zurückgehalten. Doch die derzeitige sportliche Gemengelage führt zum kapitalen Umdenken.

Die Administrative hat also den Kopf voller Zukunft. Wir sehen deshalb in diesen Tagen die Abschiedstournee einer Bayern-Mannschaft, die die letzten Jahre geprägt hat. Vom Sommer an wird der Kader umgekrempelt, und für eher unauffällige Angestellte um die dreißig wie Michael Tarnat, Ciriaco Sforza, Patrik Andersson und Thorsten Fink wird es schwer. Letzteren bezeichnete der Manager des FC Bayern nach einer ordentlichen Leistung jüngst noch als "neuen Rastelli". Und man konnte nicht recht sicher sein, ob das nun ernst gemeint war oder Ausdruck seltsamen Humors.

Fink ist der Protagonist der Entbehrlichen. "Ich bin 33 Jahre alt, habe noch zwei Jahre Vertrag - wieso soll ich mich noch aufregen, weil Neue kommen", sagt er. Denn das Geld kommt so oder so, ob er spielt oder nicht. Das ausführende Personal ist verwirrt, wütend oder lustlos. Wütend ist vor allem Oliver Kahn dieser Tage. Gegen den FC Schalke 04 ließen ihn seine Defensivkollegen ziemlich alleine, weshalb der Torwart eine "ganz andere Einstellung, eine ganz andere Konzentration und eine ganz andere Leidenschaft" fordert. Schließlich müsse man die Aufgabe Manchester United trotz des 1:0-Bonus aus dem Hinspiel, "so angehen, als wenn wir dort mit 0:2 verloren hätten".

Neidvoll blickt Kahn auf die Kollegen aus Britannien als "eine hungrige Mannschaft, für die es überhaupt kein Problem ist, in München aufzulaufen und zu sagen: Hier gewinnen wir."

Vielleicht kommen sie weiter, vielleicht scheiden sie aus. Prognosen über den FC Bayern München sind derzeit nicht möglich. Für Oliver Kahn wäre es wichtig, es nicht zu lange beim 0:0 bewenden zu lassen, denn er weiß, "ein Tor ist schnell geschossen, und dann kommt Verunsicherung auf". Und dann könnte schnell das passieren, wovor der gemeinhin so lebenslustige Giovane Elber Angst hat: "Wenn wir nicht ins Endspiel kommen, ist die Saison verpatzt."

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