Sport : Bayern - Manchester: Die Geschichte wiederholt sich nicht

Detlef Dresslein

Das Wort von Stefan Effenberg zählt noch etwas. "Ich verspreche, wir gewinnen gegen ManU", hatte der Kapitän vom FC Bayern München vor dem Viertelfinal-Rückspiel gegen Manchester United gesagt. Er sollte Recht behalten. 2:1 siegten die Münchner gestern Abend im ausverkauften Olympiastadion. Die Revanche für Barcelona 1999, das in letzter Minute verlorene Finale desselben Wettbewerbs, ist also geglückt. Schon vor zwei Wochen hatten die Bayern in Manchester 1:0 gewonnen.

Zum zwölften Mal in ihrer Vereingeschichte stehen die Münchner damit im Halbfinale des europäischen Landesmeister-Wettbewerbs. Drei Mal haben sie den Pokal bereits gewonnen, zuletzt vor einem Vierteljahrhundert. Im Semifinale treffen die Bayern nun am 1. und 9. Mai auf Titelverteidiger Real Madrid. Zunächst müssen sie in der spanischen Hauptstadt antreten. Real machte ebenfalls gestern Abend im heimischen Bernabeu-Stadion das 2:3 aus dem Hinspiel gegen Galatasaray Istanbul wett. Bereits zur Halbzeit führten sie deutlich 3:0. So blieb es auch bis zum Ende der Begegnung.

Auch der Deutsche Rekordmeister Bayern München machte schon in der ersten Halbzeit im Olympiastadion gegen Manchester so gut wie alles klar. Nach nervösem Beginn führte gleich der erste ernsthafte Angriff der Platzherren zum Torerfolg. Der Franzose Willy Sagnol überspielte das Mittelfeld der Engländer mit einem weiten Pass auf Michael Tarnat. Der Ersatzmann für den gesperrten Weltmeister Bixente Lizarazu passte in den Strafraum, Carsten Jancker verpasste zwar in der Mitte, ebenso Uniteds Abwehrspieler Stam und Brown. Giovane Elber hatte am Ausgang des Fünfmeterraums wenig Mühe, den Ball über die Torlinie zu befördern.

Auch in der Folge machte die Viererkette des neuen Englischen Meisters keinen allzu souveränen Eindruck. Nur drei Minuten nach der frühen Führung wuchtete Jancker den Ball an die Unterkante der Latte. Von dort sprang er ins Feld zurück. Erinnerungen an das Finale von Barcelona wurden wach. Auch da hatten die Bayern gleich in der Anfangsphase das 1:0 erzielt (damals in der sechsten Minute), auch da traf Jancker nur die Latte, der Rest ist bekann. Doch die Leidensgeschichte der Bayern wiederholte sich nicht.

Diesmal ließen sie dem 1:0 noch in der ersten Halbzeit den zweiten Treffer folgen. Eingeleitet wurde das 2:0 von Jens Jeremies mit einem dynamischen Vorstoß über den rechten Flügel. Sein Zuspiel landete über Elber und den eingewechselten Alexander Zickler bei Mehmet Scholl. Gegen dessen platzierten Schuss war Manchesters Torwart Fabien Barthez ohne Chance.

Das zweite Tor beendete die erste Drangperiode der Gäste, ohne dass diese sich allzu viele Chancen erarbeitet hätten. Dies lag auch an der im Vergleich zur 1:3-Niederlage gegen Schalke deutlich verbesserten Abwehr mit Samuel Kuffour, Patrik Andersson und Thomas Linke. Die erste Möglichkeit für Manchester ergab sich bezeichnenderweise nach einem Eckball. Mehmet Scholl rettete in der 26. Minute nach einem Schuss von Andy Cole auf der Torlinie.

Dass sich Manchester jedoch auch von einem 0:2-Rückstand nicht entmutigen lässt, haben sie vor zwei Jahren bewiesen. Damals führte Juventus Turin im Halbfinale im heimischen Stadion ebenfalls mit 2:0 - und verlor 2:3. ManU zog ins Endspiel ein. Gegen Bayern. Der Rest... In der zweiten Hälfte verstärkten die Gäste den Druck, spielten in der Abwehr nur noch mit einer Dreierkette und schafften gleich nach Wiederanpfiff den Anschlusstreffer. Mit einem feinen Pass düpierte Paul Scholes Sagnol und Linke. Ryan Giggs stand im Strafraum völlig frei und lupfte den Ball über Oliver Kahn hinweg ins Tor. Für den Keeper der Bayern war es nach 550 Minuten der erste Gegentreffer in einem Champions-League-Heimspiel.

Die Bayern sahen sich in der Folge immer stärker in die Defensive gedrängt, spekulierten ihrerseits auf einen entscheidenden Konter über den schnellen Alexander Zickler und den eingewechselten Roque Santa Cruz. Die besseren Chancen boten sich jedoch den Gästen. Ryan Giggs scheiterte mit einem Weitschuss an Kahn, Paul Scholes verzog ebenfalls aus der Distanz. Manchesters Trainer Alex Ferguson setzte am Ende alles auf eine Karte, wechselte wie einst im Mai in Barcelona Ole-Gunnar Solskjaer und Teddy Sheringham ein. Jene Spieler also, die ManU mit ihren Toren in letzter Minute zum Titel schossen. Diesmal aber wiederholte sich die Geschichte nicht.

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