Bayern mit Robben : Starfußball statt Systemfußball

Neuzugang Arjen Robben lässt mit seinen Sprints und Toren die Bayern all ihre Probleme vergessen.

Sebastian Krass[München]
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Neue Kumpel. Arjen Robben (r.) und Franck Ribéry feiern das gelungene Debüt des Holländers.Foto: dpa

Nach gut zehn Minuten bekam der junge Mann sein Recht. Schon mehrmals hatte er vergebens auf sich aufmerksam gemacht. Doch nun war die Pressekonferenz zu Ende. Arjen Robben empfahl sich für den Abend und die nächsten knapp zwei Wochen, die er mit der niederländischen Nationalmannschaft verbringen wird. Fortan gehörte der Abend Robbens Sohn, der nach dem Vater verlangte. Und so rundete sich das ausnehmend positive Bild vom ersten öffentlichen Arbeitstag des 25-Jährigen beim FC Bayern ab: Er ist nicht nur ein toller Fußballer, wie er an diesem Abend bewiesen hatte. Er bringt auch alle Voraussetzungen zum Sympathieträger mit: ein Familienmensch, der zudem geduldig, freundlich und offen der Öffentlichkeit Rede und Antwort steht.

Natürlich sagte Robben auch freundliche Worte über den „familiären“ und „perfekt organisierten“ Verein, für den er nun spielt. Aber so, wie er von seinem Abschied bei Real Madrid erzählte, wurde auch schnell klar, dass das Engagement beim FC Bayern für ihn bestenfalls die 1b-Lösung ist: „Einen Tag haben sie mir gesagt: Sie wollen mich verkaufen. Den nächsten Tag hieß es: Jetzt ist alles anders. Ich habe gesagt: Ich möchte bleiben. Die Situation war sehr schwierig.“ Er habe auch eine sehr gute Vorbereitung mit vielen Einsätzen absolviert, findet Robben. Doch am Ende siegte die Einsicht, möglicherweise auch wegen der bevorstehenden WM. „Es ist schwer, gegen die Politik des Vereins anzuspielen.“ Es komme eben der Punkt, „an dem du weiterziehen musst“.

Nun will er das Beste aus der Situation machen. Und es fing schon einmal ziemlich gut an. Nicht nur, dass der FC Bayern nach drei sieglosen Spielen 3:0 (1:0) gegen den VfL Wolfsburg gewann. Nach dem abgestaubten Führungstreffer durch Mario Gomez und einer ansonsten wenig inspirierten ersten Halbzeit war es Robben, der das Spiel nach seiner Einwechslung in der zweiten Halbzeit zu einem besonderen Abend machte. Wie er vor dem 2:0 den Pass von Franck Ribéry in vollem Lauf mitnahm und dann – leicht abgefälscht – im Tor unterbrachte, war schon schön anzusehen. Beim 3:0 dann leitete Robben selbst tief in der eigenen Hälfte einen Konter ein, spielte den Ball zu Ribéry. Einen Augenblick später war er schon in der gegnerischen Gefahrenzone angekommen, bekam den Ball zurück und erzielte den Endstand.

Natürlich profitierten die Bayern davon, dass Wolfsburg auf der Jagd nach dem Ausgleich wohl oder übel offene Räume anbot. Aber dennoch deutete diese furiose halbe Stunde (Ribéry wurde erst in der 63. Minute eingewechselt) an, dass die Bayern für 24 Millionen Euro Ablöse eine ideale Ergänzung zu Ribéry, der vor zwei Jahren genauso viel gekostet hatte, gefunden haben könnten. Bisher krankte das Spiel der Bayern an der extremen Schlagseite nach links. Und wenn Ribéry einmal nichts gelang, fiel das Spiel der Bayern in sich zusammen. Robben ist nun ein echtes Gegengewicht auf der anderen Seite. Er ist qua seiner bisherigen Karriere (letzte Vereine: FC Chelsea und Real Madrid) eine vergleichbare Autorität. Die Bayern haben nun zwei Spieler, die – an guten Tagen – mit einer Handlungsgeschwindigkeit agieren, die Bundesliganiveau weit übersteigt. Zur Feier des Tages schwang oben auf der Tribüne Manager Uli Hoeneß die Faust. Es war eine Geste an die große weite Welt. Sie sagte: Hab ich es euch mal wieder gezeigt.

Deshalb dürften ihn auch die neuen Wechselgerüchte um Franck Ribéry und Real Madrid reichlich kalt gelassen haben. Der Franzose ließ sich zwar kein eindeutiges Bekenntnis zu Bayern entlocken. Dennoch ist davon auszugehen, dass er vorerst bleibt – auch wegen Robben. Zum einen hat Ribéry nun endlich einen Mitspieler, den er als ebenbürtig begreifen kann. Zum anderen sagt Robben, er habe sich vor der Unterschrift zusichern lassen, dass Ribéry bleibt.

Künftig, so sieht es aus, spielen die Bayern nun doch keinen Systemfußball, sondern Starfußball im 4-3-3-Takt. Die Raute war gegen Wolfsburg schon abgeschafft, als Ribéry und Robben noch gar nicht auf dem Platz waren. Robben hielt später ein engagiertes Plädoyer für die kreative Selbstverwirklichung: „Das Wichtigste ist, dass der Coach uns die Freiheit gibt, uns überall hinzubewegen – solange wir nicht alle auf eine Seite rennen.“ Die drei Mittelfeldspieler dürften künftig vor allem der Absicherung dienen, und für die fünf Stürmer im Kader steht nur eine Planstelle zur Verfügung. Die ist derzeit fest an Mario Gomez vergeben.

Am Sonntag gab Uli Hoeneß bekannt, dass es mit der Verpflichtung Robbens erst einmal getan ist. „Wir werden keinen weiteren Spieler verpflichten“, sagte er. Schon während der Woche hatte er erklärt: „Fachleute wissen, dass wir hinten keinen Bedarf haben.“ In den nächsten Wochen wird sich also zeigen, ob die Fachleute damit recht haben.

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