Sport : Bayern München: Alles oder nichts - für die Bayern ist das kein Problem

Detlef Dresslein

Die ganze Saison müsste so sein. Ein Höhepunkt folgt dem nächsten, binnen weniger Tage wird nun über das Gelingen einer ganzen Spielzeit entschieden. Das ist die Welt des FC Bayern München, da fühlen sie sich wohl und geborgen. Madrid, Leverkusen, Madrid - schwerer könnte es kaum sein in dieser knappen Woche, und deshalb sind die Münchner locker und gelassen wie schon lange nicht mehr. Münchens Trainer Ottmar Hitzfeld hat keine Schwierigkeiten, die Mannschaft zu motivieren, "denn nun ist jedes Spiel ein Entscheidungsspiel".

Und alles läuft derzeit wie von selbst. Schalke ließ möglicherweise entscheidende Punkte in Bochum, das soeben aufgestöberte Defensivsystem verschaffte den Münchnern eine glänzende internationale Perspektive, und der Vereinsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt betätigt sich als Wunderheiler. Jens Jeremies und Giovane Elber machte er in weniger als zwei Wochen wieder so fit, dass sie das Spiel in Madrid entscheidend gestalten konnten. Und als Nächstes kommt Mehmet Scholl an die Reihe, der aus der iberischen Kapitale, dem Estadio Santiago Bernabeu, einen Kapselriss und eine Bänderdehnung mitbrachte und dem nach der Rückkehr sogleich der Fuß eingegipst wurde. Schließlich soll er ja zum Rückspiel wieder fit sein. Das ist in vier Tagen, also kein Problem. "So wie ich unsere medizinische Abteilung kenne, kann ich es mir schon vorstellen, dass er fit wird. Müller-Wohlfahrt wird in seine Trickkiste greifen, also habe ich Hoffnung", sagte Hitzfeld mehr überzeugt als zweifelnd.

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Tipp-Spiel: Wer wird Deutscher Meister? Vielleicht ist er auch deshalb so ruhig, weil er im Catenaccio endlich das Erfolg bringende System entdeckt hat. Auch Bayer 04 Leverkusen wird es erleben, dass die Bayern bereits bei Giovane Elber und Carsten Jancker mit der Abwehrarbeit beginnen. "Es wird kein offener Schlagabtausch", droht Abwehrchef Patrik Andersson, der die neue Lust am Verteidigen recht kommod findet: "Es liegt uns einfach, geschlossen zu stehen und auf unsere Chance zu lauern." Und so ist das Programm der letzten Spiele klar. "Das sind die Mittel, die uns zurzeit zur Verfügung stehen. Diese Spielweise ist Mittel zum Zweck, aber kein Modell für die Zukunft", sagt Trainer Ottmar Hitzfeld und weiß nun: "Mit Catenaccio kann man auch Deutscher Meister werden." Oder fein umrissen mit den Worten von Patrik Andersson: "Es ist mir scheißegal, was die Zeitungen schreiben, wir haben 1:0 gewonnen."

Egal ist den Bayern auch die Situation in Leverkusen. Vor seinem 100. Bundesligaspiel auf der Bayern-Bank spricht Hitzfeld von "einer Schlacht. Leverkusen ist eine Mannschaft, die gern provoziert und eine harte Spielweise hat. Wir müssen dieses Spiel gewinnen, das Ziel Meisterschaft vehement verfolgen. Wir können nicht davon ausgehen, dass Schalke Punkte abgibt." Ottmar Hitzfeld versucht bewusst, den Themenkomplex Berti Vogts zu umkurven. "Wir haben auch einige Trainer, aber wenn man alles gut einteilt, gibt es weniger Probleme." Hitzfelds Ausrede: "Ich beschäftige mich nicht mit der Situation von Berti Vogts. Ich beschäftige mich damit, wie wir so erfolgreich sein können, dass ich nicht in eine ähnliche Situation wie er komme." Und: "Leverkusen steht gewaltig unter Druck." Das scheint sie von den derzeit so unbeschwerten Bayern doch merklich zu unterscheiden.

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