Sport : Bayern München: Die feinfühligen Tage sind vorbei

Detlef Dresslein

Es wird ernst. Das merken die Spieler des FC Bayern München nun schon in den Übungsstunden. Nach dem letzten Training schlich Mehmet Scholl erschöpft vom Platz und sagte: "Das war das härteste Training, seit ich hier in München bin." Und Scholl ist als Dienstältester des aktuellen Kaders bereits neun Jahre beim Großverein von der Säbener Straße angestellt. Vor (wieder mal) zwei entscheidenden Spielen - heute gegen Schalke 04 und am Mittwoch gegen Manchester United - sind die feinfühligen Tage vorerst vorbei. "Wir stehen vor entscheidenden Wochen. Da muss es auch im Training hart zur Sache gehen", sagt Carsten Jancker. Und teils ging es bereits im Training so "zur Sache", dass die Zuschauer mitunter erstaunt bis erschrocken waren.

Derlei Einsatz ist vorbildlich, denn einfacher wird es auch nicht, wenn die beiden Spitzenspiele überstanden sind. Mehmet Scholl kündigt deshalb an, die harte Linie auch im ernsthaften Einsatz umzusetzen: "Wir werden aggressiv im Rahmen des Erlaubten spielen. Hart aber fair." Der dichte Titelkampf dürfte bis zum Ende Nerven und Knochen der Kicker vollständig fordern, dazu würde das Vorrücken ins Halbfinale der Champions League zwei weitere Matches bringen. Deswegen wissen die Bayern, dass sie es mit dem Einsatz nicht übertreiben dürfen. Im Training könnte man die Kollegen verletzten und im Spiel ärgerliche Sperren einhandeln, was in Dortmund eindrucksvoll demonstriert wurde.

So fehlen nach dem Kartenspiel vom Westfalenstadion Bixente Lizarazu (Gelb-Rot), Giovane Elber, Thomas Linke (jeweils mit der fünften Gelben Karte) und vor allem Kapitän und Spiellenker Stefan Effenberg (Rote Karte). "Das wird auf mehrere Schultern verteilt", sagt Trainer Ottmar Hitzfeld. Betroffen sein werden vor allem die Schultern von Mehmet Scholl und Jens Jeremies, der immerhin wieder völlig fit zu sein scheint. "Das Knie ist okay", verspricht der Nationalspieler. Anders ist das bei Thorsten Fink und Ciriaco Sforza, deren Knie so verletzt sind, dass sie bis auf weiteres ausfallen.

Es werden heute wohl mehr Vertragsamateure als Profis auf der Bank sitzen, doch Hitzfeld mag nicht einsehen, warum ihn das beunruhigen sollte: "So lange wir nicht zehn Mann ersetzen müssen, geht es noch." Und auch wenn Mehmet Scholl Schalke stärker einschätzt als den letzten Gegner Borussia Dortmund, so hat doch der mit neun Mann verbissen verteidigte Punkt in Dortmund den Bayern einen mächtigen Schub gegeben, weiß Jeremies: "Da haben wir viel Selbstvertrauen getankt." Die Bayern jedenfalls scheinen gewappnet für diese wichtigsten Wochen des Jahres. Hart aber fair.

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