Sport : Bayern München: Dirigent Karajan macht viele Fehler

Detlef Dresslein

Hoffentlich ist Olympique Lyon kein leichter Gegner. Wenn doch, wird es heute für den FC Bayern München beim Start in die Zwischenrunde der Champions League eine ganz harte Angelegenheit. Denn jene Gegner, die gemeinhin gut besetzte Mannschaften aufstellen, werden nach Belieben weggefegt (siehe 6:2 gegen Dortmund), gegen minderbegabte Fußballer aber haben die Meisterkicker aus München so ihre Probleme (siehe Magdeburg, Cottbus, Rostock, Frankfurt). Vielleicht blickt derzeit auch einfach keiner mehr durch, was die eigenen Stärken angeht. Vor dem Spiel gegen Frankfurt sagte ja Giovane Elber, "dass wir auswärts Probleme haben, aber Zuhause stark sind". Prompt unterlag man mit all seiner Heimstärke der bis dato auswärtsschwächsten Mannschaft.

Die Stimmung wechselt täglich. Am Montag verbreitete Ottmar Hitzfeld noch Szenarien von Angst und Panik nach Gegentoren, von einer verunsicherte Mannschaft, einen Tag später gingen Manager Uli Hoeneß und Kahn schon wieder in die Offensive und sagten ohne jedes Zögern: "Wir werden wieder Deutscher Meister". Und dann packte der Manager die Profis verbal: "Dieser Beruf stellt harte Anforderungen. Das süße Leben, das können sie dann in ein paar Jahren nachholen." Kritik aber an der Tatsache, dass Stefan Effenberg trotz sechsmonatiger Spielpause sofort wieder in die Startelf rückte und man mit ihm nur ein Remis holte, aber zweimal verlor, Kritik daran lässt Hoeneß nicht zu: "Um ganz Großes zu leisten, brauchen wir Stefan Effenberg. Deshalb müssen wir warten, bis er soweit ist." Weil Mehmet Scholl wegen einer fiebrigen Angina heute ausfällt, lastet nun sogar noch mehr Druck auf Effenberg.

An ihm und seinem Mittelfeldpartner Jens Jeremies, der ebenfalls nach langer Pause nach seiner Form fahndet, könnte man das Hauptproblem ausmachen. Das sind derzeit neben zu wenig erzielten Toren vor allem die vielen Gegentreffer. Was laut Hoeneß nicht an der Abwehr liegt, sondern am Mittelfeld, "das derzeit nicht in der Lage ist, den Druck von der Abwehr wegzunehmen".

Doch der Manager nimmt wohl etwas leichtfertig der defensiven Abteilung die Verantwortung ab. Denn die Viererkette ließ sich gegen Frankfurt wieder allzu leicht überrumpeln. Was auch daran liegt, dass Ciriaco Sforza, der die Abwehr organisieren soll, wahlweise mitläuft oder verhängnisvolle Fehler begeht. Eine Münchner Boulevardzeitung bezeichnete ihn jüngst als Karajan, weil er so gern im Stehen dirigiere.

Selbst Trainer Ottmar Hitzfeld erwägt gegen Lyon eine Abkehr von der Viererkette. Mit zwei echten Manndeckern, Samuel Kuffour und Thomas Linke, könnte Sforza eine Dreierkette bilden.

Das einzige was bei den Bayern derzeit sicher ist, ist diese latente Unsicherheit. Wenn man doch wenigstens wüsste, wer sich hinter diesen Lyonern verbirgt. Lediglich der brasilianische Stürmer Sonny Anderson ist den Münchnern ein Begriff. "Wir müssen diese Mannschaft einfach schlagen", sagt Oliver Kahn. Was derzeit so einfach eben nicht ist.

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