Bayern München : Ein guter Tag

Bayern München zieht nach einem 4:1 gegen Schalke wieder an Hannover vorbei. Die Personalie Manuel Neuer war dabei nicht so wichtig wie noch im DFB-Pokal.

Carsten Eberts[München]
Die Ohnmacht des
Die Ohnmacht desFoto: dapd

Eigentlich ging es um Größeres. Hannover 96 hatte im Kampf um den Qualifikationsplatz zur Champions League gepatzt, und der FC Bayern benötigte einen Sieg gegen Schalke 04, um wieder auf Platz drei zu klettern. Doch vor dem Spiel schien die Personalie Manuel Neuer vor allem für einige Fans interessanter. Beim letzten Aufeinandertreffen im DFB-Pokal war der Torhüter der Schalker, der vor einem Wechsel zu den Münchnern steht, von den Bayern-Fans ausgepfiffen worden. Dieses Mal fiel der Empfang für den Nationaltorhüter relativ freundlich aus. Nur einzelne Bayern-Fans packten ihre alten, leicht vergilbten „Koan Neuer“- Schildchen aus, andere hingegen pfiffen die Querulanten aus. Von einer neuen Kampagne, wie sie die Verantwortlichen der Bayern befürchtet hatten, keine Spur.

Zur gemäßigten Stimmung in der Arena trug zweifelsohne bei, dass Neuer an diesem Samstagabend gar nicht in der Lage war, den Bayern den ungefährdeten 4:1(3:1)-Sieg zu verhageln. Die Münchner zeigten in der ersten Halbzeit eine ihrer besten Leistungen der Saison, bis auf Neuer agierte Schalke defensiv desaströs. Die Nachricht von der Blamage des direkten Konkurrenten Hannover 96 gegen Mönchengladbach schien die Bayern von Beginn an zu beflügeln. Gleich den ersten Schuss von Arjen Robben musste Neuer aus kurzer Distanz zum 1:0 passieren lassen. Da machte es auch nichts, dass Schalke im Gegenzug nach einem Fehler von Diego Contento im Fünfmeterraum durch ein Eigentor von Holger Badstuber zum glücklichen Ausgleich kam. Wenige Minuten später staubte Thomas Müller einen missglückten Robben-Freistoß gekonnt zum 2:1 ab.

Im Anschluss verwalteten die Bayern ihre Führung nicht, sondern stürmten weiter. Ein Rechtsschuss des Franzosen Franck Ribéry verfehlte das Tor noch knapp, Müllers Kopfballverlängerung verwertete Angreifer Mario Gomez jedoch sicher zu seinem 24. Saisontreffer. In der zweiten Halbzeit drosselten die Bayern das Tempo dann merklich, lediglich Müller schaffte es noch einmal, Schalkes Defensive zu düpieren – schon stand es 4:1.

Die eigene gute Leistung und der Patzer der Hannoveraner ließen das Münchner Selbstbewusstsein wieder steigen. „Das war ein guter und wichtiger Spieltag für uns“, sagte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge zufrieden. In der Tabelle schoben sich die Bayern um zwei Punkte vor Hannover und haben es fortan selbst in der Hand, die Saison auf dem ersehnten Champions-League-Qualifikationsplatz zu beenden. Torschütze Gomez sagte: „Man hat heute gesehen, dass wir vom Potenzial her weiter nach oben gehören.“ Vermutlich werden sich die Bayern den Platz nicht noch einmal nehmen lassen. Hannovers Trainer Mirko Slomka glaubt „es eher nicht“.

Auch die Laune von Manuel Neuer war gründlich im Keller. „Ich wollte das Spiel gewinnen“, klagte er, „alles andere war für mich egal.“ Die vereinzelten Pfiffe der Bayern-Fans? Kein Kommentar. Auch neue Gespräche mit den Bayern bestätigte er an diesem Abend nicht. Rummenigge verkündete, er wisse selbst nicht, ob es in absehbarer Zeit „zu einem Konsens kommt“. Während Neuer bedient davon stapfte, hielt Bastian Schweinsteiger wenige Meter weiter eine auffällige Laudatio: „Ich kann nur sagen, dass Manuel nicht nur ein sehr guter Torhüter, sondern auch ein sehr guter Typ ist. Er würde sehr gut zu uns passen.“ München stellt sich – allen öffentlichen Dementis zum Trotz – mittlerweile darauf ein, dass der Bayern-Torhüter in der kommenden Saison Manuel Neuer heißen wird.

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