Bayern München : Franck Ribéry: Ein Vortänzer will mehr

Franck Ribéry scheint die Bundesliga zu klein zu werden. Der Franzose kokettiert mit Angeboten aus dem Ausland und fordert neue Spieler für den FC Bayern.

Sebastian Krass[München]
Ribery
Franck Ribéry möchte schon dieses Jahr die Champions League gewinnen. -Foto: ddp

Wenn Jürgen Klinsmann über Franck Ribéry redet, klingt das natürlich alles wieder ganz fantastisch, klinsmännisch eben. „Ich finde es faszinierend, mit solchen Spielertypen zu arbeiten“, sagt der Trainer des FC Bayern an diesem Donnerstagmittag also. „Sie wollen überzeugt werden, dass sie mit diesem Verein Großes erreichen können. Ich rede immer wieder mit ihm.“ Wenn aber Ribéry in diesen Tagen über den FC Bayern spricht, dann klingt das so, als habe Klinsmanns Überzeugungsarbeit bisher alles andere als gut gefruchtet.

Keine Gelegenheit lässt der Franzose aus, seine persönliche Medienkampagne am Köcheln zu halten. Die zwei Kerninhalte der Kampagne sind: 1.) aufs Peinlichste jedes dauerhafte Bekenntnis zum Verein zu vermeiden und 2.) unaufhörlich neue, fähigere Mitspieler zu verlangen. „Wir wollen die Champions League gewinnen. Ich denke, dass wir dafür eine bessere Mannschaft, Verstärkungen brauchen“, erklärte Ribéry am Tag nach der 5:1-Pokalsause in Stuttgart mal wieder. Am Donnerstag zitierten ihn zudem französische Medien: Für die Entscheidung über seine Zukunft werde „unser Abschneiden in der Champions League eine bedeutende Rolle spielen. Ich habe sehr große Lust, diesen Wettbewerb zu gewinnen“, stand in „L’Equipe“. Der Nachrichtenagentur AFP steckte Ribéry: „Es ist schwierig zu sagen, was passieren wird.“ Und: „Viele Vereine interessieren sich für mich. Hohe Summen sind in Umlauf gebracht worden. Auch der Verein spürt den Druck und stellt sich Fragen …“

Man muss sich nicht übermäßig bemühen, um gerade diesen letzten Satz als kleinen Affront gegenüber Uli Hoeneß zu interpretieren. Der Manager des FC Bayern hatte schließlich erst jüngst erneut erklärt, keine realistische Ablösesumme dieser Fußballwelt könne ihn verlocken, Ribéry aus seinem bis 2011 laufenden Vertrag zu entlassen. Doch Franck Ribéry hat für klare Aussagen seiner Vorgesetzten offenbar keinen besonders guten Empfang. Zwar beteuert er treuherzig: „Ich sage ja nur meine Meinung.“ Doch Ribéry weiß genau, dass gerade seine Meinungsbekundungen in München und im Rest der Republik überall begierig aufgesaugt werden.

Dass Ribéry qua seiner Leistungen eine Sonderstellung im deutschen Profifußball hat, ist nichts Neues. Doch nun, da am Freitag mit dem Spiel Hamburger SV gegen Bayern München (20.30 Uhr, live in der ARD) die Rückrunde beginnt, ist es vielleicht sogar so, dass seine Position noch exponierter ist. Kein Verein hat im Winter groß eingekauft. Und die vorhandene Konkurrenz hat sich gelichtet: Das Hoffenheimer Torphänomen Ibisevic ist mit einem Kreuzbandriss so plötzlich wieder weg von der Bildfläche, wie es dort aufgetaucht war. Der Bremer Diego ist in dieser Saison hauptsächlich durch private Eskapaden aufgefallen und verspielt gerade seinen Nimbus als einer, der früher oder später zwangsläufig bei einem größeren Verein landet.

Doch Ribéry will mehr sein als der Vortänzer der Bundesliga. Er beteuert zwar immer, er sei „ein einfacher Mann, der Spaß am Fußball haben will“. Doch ganz so einfach ist sein Denken nicht. Ribéry verfolgt aufmerksam, welchen Wert seine Aktie auf internationalem Parkett hat. Und er gibt zu, es habe ihn verletzt, dass er bei der Wahl zu Europas Fußballer des Jahres nur 16. wurde. „Ich muss das schnell vergessen“, sagt Ribéry. „Es bleibt mein Traum, den Goldenen Ball zu gewinnen.“ Er weiß, dass diese Wahl auch deshalb so ausgegangen ist, weil er nur in der Bundesliga spielt und weil er international noch nicht viel erreicht hat. Mit 25 Jahren spielt Ribéry gerade seine erste Champions-League-Saison. Was er vielleicht noch nicht weiß, ist, dass Kindereien wie sein Elfmeterchen gegen Stuttgart Gift für seinen Aktienkurs sind.

Beim FC Bayern nehmen sie Ribérys Sperenzchen bislang hin. Was bleibt dem Klub auch anderes übrig? Er muss Ribéry bei Laune halten, so lange es irgend geht. Doch die Freiheit, die die Bayern ihm jetzt gewähren, wird er sich nicht mehr nehmen lassen – erst recht nicht, wenn er eines vielleicht gar nicht so fernen Tages den Spaß am FC Bayern verloren haben sollte.

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