Bayern München gegen FC Porto : Pep Guardiola ist Bayerns Problemgenie

Ein Aus gegen den FC Porto könnte Pep Guardiolas Status beim FC Bayern irreparabel schädigen. Und der Klub muss sich fragen, wie sehr er sich einem Trainer ausliefern will.

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Bayern Münchens Trainer Pep Guardiola weist mit dem T-Shirt-Aufdruck #JusticiaParaTopo auf den Unfalltod eines argentinischen Journalisten bei der WM hin. Foto: dpa
Bayern Münchens Trainer Pep Guardiola weist mit dem T-Shirt-Aufdruck #JusticiaParaTopo auf den Unfalltod eines argentinischen...Foto: dpa

Die Kleidung des top-top-top-modischen Pep Guardiola gibt in der Regel keine Rätsel auf. Der Trainer des FC Bayern München zieht sich ziemlich stilsicher an und bevorzugt edle Designerklamotten. Aber bei der Pressekonferenz am Montag trat er in einem einfachen schwarzen T-Shirt mit der Aufschrift „#JusticiaParaTopo“ auf. Hinter der Botschaft „Gerechtigkeit für Topo“ steckt der noch immer nicht komplett aufgeklärte Unfalltod eines argentinischen Journalisten bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2014. Warum ausgerechnet dem Katalanen das so wichtig ist, hat er nicht richtig erklären wollen oder können aufgrund seiner Deutsch-Kenntnisse. Mit dem Viertelfinal-Rückspiel in der Champions League gegen den FC Porto an diesem Dienstag (20.45 Uhr/live im ZDF), das steht jedenfalls fest, hat es nichts zu tun.

Es wäre ein bisschen viel, beides als Suche nach Gerechtigkeit miteinander zu verbinden. Selbst wenn es Guardiola sicher nur gerecht fände, wenn sein Team das Halbfinale erreichen würde und nicht der Portugiesische Meister. Die Münchner haben eine fantastische Bundesliga-Hinrunde gespielt, sie sind mit Leichtigkeit durch die Vorrunde der Champions League spaziert und nun, da es in die entscheidende Phase der Saison geht, läuft es nicht mehr so. Wegen der vielen Ausfälle nicht unbedingt selbst verschuldet. Oder vielleicht doch?

Da wären wir bei dem seit Tagen beherrschenden Thema, dem Rückzug von Vereinsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt. Der hat in München ein kleines Erdbeben ausgelöst. Noch ist nicht sicher, ob im Klub selbst auch, oder nur drumherum. Auf jeden Fall hat die Demission von „Mull“, wie der Sportmediziner in der Branche genannt wird, den Blick auf Guardiola verändert.

An den Fähigkeiten des Trainers, eine gute Mannschaft noch besser zu machen, bestehen keine Zweifel. Aber er vereinnahmt den Klub, und damit ist er zum Erfolg verdammt. Wenn es schiefgeht gegen Porto, wird die Diskussion, die es seit Donnerstag rund um den deutschen Rekordmeister gibt, noch eine Spur schärfer ausgetragen. Und dann wird die Kritik an Guardiolas Machtbefugnissen weiter wachsen. Nach außen wirkt der Bayern-Trainer gelassen. „Das Spiel gegen Porto ist das wichtigste Spiel, aber das Spiel gegen Donezk war auch das wichtigste Spiel“, sagt er. Doch die Bewertung der Saison hängt vor allem von dieser Partie ab.

„Jeder von uns weiß, was dieses Spiel für die kommenden Wochen bewirken wird, für die Stimmung“, sagt Thomas Müller. Nicht die Stimmung allein, sondern auch für die Zukunft des Vereins. Die Verantwortlichen werden womöglich ins Grübeln geraten, ob es sinnvoll ist, sich ganz und gar einem Trainer unterzuordnen, der zum zweiten Mal an den eigenen Ansprüchen und denen des FC Bayern gescheitert ist. Guardiolas Job wäre wohl kaum in Gefahr, aber die Zugeständnisse auch in Sachen Kaderplanung zum Beispiel. „Wenn du gewinnst, bist du ein Genie, wenn du verlierst, bekommst du Probleme. Das ist Teil meines Berufs“, weiß Guardiola.

Vor allem Guardiola hatte mit Beginn dieser Saison keinen Zweifel daran gelassen, worauf es ihm in erster Linie ankommt: auf den Gewinn der Champions League. Dort hatte er etwas gutzumachen. Die nationale Hoheit, das zeigte sogar die in den vergangenen Wochen arg dezimierte Münchner Mannschaft, ist dem Team ohnehin nicht zu nehmen. „Ich weiß, dass Deutscher Meister nicht genug ist. Es ist der FC Bayern. Nur das Triple ist genug“, sagt Guardiola vor dem Spiel gegen Porto.

Jetzt mag es egal sein, ob die Münchner im Viertelfinale oder im Halbfinale scheitern, weil den begehrten Henkelpokal am Ende ohnehin ein anderer Klub bekommt. Aber es ist nicht egal, ob der FC Bayern am guten, aber sicher nicht überragenden Portugiesischen Meister FC Porto scheitert, oder wie im Vorjahr an Real Madrid.

Die Münchner gehen in das Rückspiel daheim sogar mit einer etwas schlechteren Ausgangsposition als in der vergangenen Saison im Duell mit den Spaniern. In Madrid hatten sie lediglich mit 0:1 verloren, dieses Mal müssen sie eine 1:3-Niederlage drehen. Guardiola baute deshalb schon einmal vor, falls es nicht klappen sollte. „Diese Spieler werden immer meine Helden bleiben, für den Rest meines Lebens“, sagte er am Montag. Bei Guardiola ist man nie so sicher, ob er tatsächlich meint, was er sagt, oder ob er es nur sagt, weil er Spieler wie den schwächelnden Brasilianer Dante noch dringend braucht. Bei Guardiola wird derzeit eben fast alles hinterfragt. Sogar das T-Shirt, das er trägt.

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