Bayern München : Gesetzt sind andere

Bastian Schweinsteiger und Lukas Podolski stehen beim FC Bayern vor einer schweren Saison.

Michael Neudecker[München]
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Stütze in harter Zeit. Schweinsteiger und Podolski müssen um ihre Stammplätze bangen. -Foto: ddp

MünchenVielleicht war es ganz gut so, dass Bastian Schweinsteiger am Freitagabend nicht im Münchner Dantestadion war. Zum einen, weil kurz nach dem Schlusspfiff – der FC Bayern besiegte den Achtligisten FT Gern mit 18:0 – Hunderte der insgesamt 10 000 Zuschauer auf den Rasen stürmten, und auch wenn sie nur Autogramme und Fotos wollten: In dem Moment, als die Masse die Spieler verschluckte, war die Verletzungsgefahr plötzlich höher als während des gesamten Spiels zuvor. Bastian Schweinsteiger war aber nun lange genug verletzt.

Zum anderen, weil er dann nicht mit ansehen musste, was Franck Ribéry mit dem Ball so alles anstellte: Ribéry sprintete, trickste, passte, schoss, als sei der Ball ein von ihm ferngesteuertes Gerät. Natürlich war es einfach für einen wie Ribéry, gegen Freizeitfußballer zu glänzen – doch womit Ribéry vor allem beeindruckte, war sein Engagement. Er rannte und attackierte unaufhörlich, als ginge es um die WM-Trophäe. Dabei geht es zurzeit doch nur um einen Platz im Mittelfeld des FC Bayern, und den hat Ribéry, mit 25 Millionen Euro der teuerste Einkauf der Vereinshistorie, natürlich schon sicher. Für Schweinsteiger ist Ribéry eine Art Symbol, dafür, wo er gerade steht in der Rangliste der Münchner Mittelfeldspieler. Franck Ribéry trägt die Sieben, die eigentlich Schweinsteiger wollte und die bis vor kurzem noch Mehmet Scholl innehatte.

Lukas Podolski durfte seine gewünschte Trikotnummer dagegen behalten, immerhin. Dennoch sind seine Aussichten in der kommenden Saison nicht besser als die von Schweinsteiger. Die Bayern haben mit Luca Toni und Miroslav Klose neues, teures Personal eingekauft, hinzu kommt, dass Podolski noch immer verletzt ist. Im April war eine Knorpelabsplitterung im linken Knie festgestellt worden, kurz darauf wurde er operiert; zurzeit trainiert er im Kraftraum, seine Rückkehr in den normalen Trainingsbetrieb wird noch ein paar Wochen dauern. Zwischendurch wollte Bremen Podolski im Tausch gegen Klose, doch die Bayern lehnten ab. „Podolski wird nie freigegeben“, sagte Manager Uli Hoeneß damals, und Podolski hat das vielleicht sogar als Kompliment aufgefasst – in Wahrheit aber macht das seine Situation eher noch schlechter. Klose und Toni sind gesetzt, egal, ob Podolski gesund ist oder nicht.

Bastian Schweinsteiger dagegen ist inzwischen wenigstens wieder auf dem Trainingsplatz an der Säbener Straße zu sehen. Er war nach einem Zeckenbiss lange krank, die Ärzte rätselten und kamen schließlich zu dem Schluss, dass er von einer Borreliose geplagt wurde. Oder besser gesagt: wird. Womöglich ist es nämlich gar nicht so, dass er verletzt war. „Ich fühle mich gut“, sagte Schweinsteiger am Freitagvormittag zwar, „spätestens im DFB-Pokal will ich spielen“, Anfang August also. Das mit der Borreliose sei vorbei, sagte er. Borreliose aber ist eine Infektionskrankheit, bei der Gelenkbeschwerden hervorgerufen werden, die oftmals chronisch werden – und Schweinsteiger war schon vor vier Jahren an Borreliose erkrankt. Nun war er zwar extra zwei Wochen früher aus dem Urlaub zurückgekehrt, um fitter in die Saison gehen zu können als die Konkurrenz. Doch in der ersten Woche brach er einige Male das Training ab, und am Freitagabend gegen Gern fehlte er.

Natürlich bestätigen weder Ottmar Hitzfeld noch Uli Hoeneß die Annahmen, dass Schweinsteiger wie Podolski auch nach ihrer Rückkehr kaum Chancen auf die Startformation haben. Und natürlich sagt Schweinsteiger, wenn er sein Potenzial abrufen könne, werde er selbstverständlich spielen, und, sagt Miroslav Klose, es gäbe keinen Grund, sich um seinen WM-Sturmpartner Podolski Sorgen zu machen. Tatsache aber ist: Es wird eine äußerst schwierige Saison für Schweinsteiger und Podolski.

Bei der WM noch gehörten Podolski und Schweinsteiger zu den Hauptdarstellern, doch dann folgte eine Saison, in der beide nicht gerade groß aufspielen konnten. Nach so einer WM, jaja, das ist normal, sagte Franz Beckenbauer, sagte Ottmar Hitzfeld, sagten alle. Mittlerweile aber ist die Saison nach der WM Vergangenheit.

„Ein Jahr Durchschnitt, okay. Aber Poldis Schonfrist ist vorbei, nun müssen Taten folgen“, sagte kürzlich noch Stürmer Roy Makaay, bevor er nach Rotterdam umzog. Die Schonfrist ist vorbei – für Podolski trifft das ebenso zu wie für Schweinsteiger. Und das macht die Sache nicht gerade einfacher.

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