Bayern München : Hasans Erben

Das Dreamteam hat sich gefunden. Und, Überraschung: Nicht Ribéry oder Toni, sondern Altintop und Jansen sind die tragenden Säulen des Münchner Ensembles.

Michael Neudecker[München]
Altintop Foto: ddp
Lass dich stützen. Hamit Altintop bietet Miroslav Klose seine Fähigkeiten als Stabilisator an. -Foto: ddp

Uli Hoeneß könnte sagen: Ich habe es doch gleich gewusst, und er hätte ja auch Recht, er hat es wirklich vor Wochen schon gesagt. Dass Hamit Altintop eine große Überraschung werden könnte und vielleicht sogar Stammspieler. Klar, es ist Hoeneß’ Pflicht als Manager, die Spieler gut zu finden, die er für den FC Bayern München kauft – bei Hamit Altintop aber haben viele verständnislos die Augenbrauen hochgezogen, als Hoeneß ihn erst verpflichtet hat und dann auch noch behauptet hat, Altintop, den sie auf Schalke nicht mehr wollten, wäre eine Verstärkung für den FC Bayern.

Und jetzt sagt Trainer Ottmar Hitzfeld vor dem Saisonstart gegen Hansa Rostock: „Es steht ein kleines Fragezeichen hinter Altintop, aber wir hoffen, dass er auflaufen kann.“ Nun wissen sie in München: Sie haben auch Spieler, die keine Stars sind und trotzdem wichtig. Altintop ist also eine Art Hasan Salihamidzic der neuen Bayern – kein klangvoller Name, aber einer der wenigen, die immer spielen.

Das kleine Fragezeichen kommt von einem Schlag auf das Knie, weswegen Altintop am Mittwoch und Donnerstag nicht mit der Mannschaft trainieren konnte. Das wiederum hat die Kollegen vom türkischen Fernsehen enttäuscht, die extra deswegen zum Trainingsgelände an der Säbener Straße gekommen waren. Ihr Nationalspieler hat in den acht Vorbereitungs- und drei Ligapokalspielen sowie im DFB-Pokal immer gespielt und nur bei Podolskis Abschiedsspiel in Köln gefehlt (wie die meisten anderen Stammspieler auch). Er hat dabei stolze 801 von 1110 möglichen Minuten absolviert und auch noch ein wundervolles Tor erzielt, im Ligapokal gegen Bremen, als er den Ball mit links von der Strafraumgrenze aus ins Kreuzeck wuchtete. Hitzfeld sagt, er schätze ihn, weil man ihn überall einsetzen könne und er dann seine Aufgabe zuverlässig erledige.

Marcell Jansen könnte auch so einer werden: Zwar kostete er rund zehn Millionen Euro Ablöse und wäre allein dadurch zur Star-Riege zu zählen – doch Jansen ist im teuren Ensemble eben nur einer von vielen, nur der Blonde auf der linken Seite, der so viel läuft. Wenn man Ottmar Hitzfeld auf Altintop und Jansen anspricht, dann lächelt er, und seine zusammengekniffenen Augen ziehen diese kleinen Fältchen in die Haut, wie immer, wenn er sein Gentleman-Lächeln aufsetzt. „Ich freue mich, wenn ich auch mal über diese Spieler sprechen darf.“ Beide, sagt er, seien eine Verstärkung, „Marcell hatte am Anfang Probleme, aber durch seinen Drang nach vorne und seine Laufbereitschaft ist er eine echte Bereicherung.“

Die Probleme hatte Jansen aus seinem Urlaub mitgebracht, wo er sich bei einer etwas zu stark aufgedrehten Klimaanlage verkühlte und eine Zeitlang gegen eine Grippe kämpfen musste. Inzwischen aber ist der Nationalspieler eine feste Größe als Linksverteidiger. Gegen Burghausen, im DFB-Pokal, da nervte Jansen die Verteidiger ständig mit seinen Dribblings zur Grundlinie und seinen Hereingaben.

Natürlich hat der FC Bayern auch ein paar andere Spieler, die keine internationalen Größen sind, Daniel van Buyten etwa, Jan Schlaudraff, oder Andreas Ottl. Ottl und van Buyten aber sitzen am Samstag, wenn die Bayern gegen Hansa Rostock antreten, auf der Bank, und Schlaudraff würde neben ihnen sitzen, wenn er nicht verletzt wäre. Jansen und Altintop stehen in der Startformation.

Als Marcell Jansen seinen Dienst in München angetreten hat, da hat er gesagt: „Ich will hier Dinge erleben, die ich aus Mönchengladbach nicht kenne: Auswärtssiege zum Beispiel.“ Zunächst einmal stehen die Chancen für einen Heimsieg ziemlich gut.Leitartikel: Seite 1

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