Bayern München : Kein Wechsel-Veto für Sagnol

Willy Sagnol will weg - und der FC Bayern hält sich merkwürdig bedeckt. Werden die Münchner den unzufriedenen Franzosen bei einem guten Angebot tatsächlich schon im Winter ziehen lassen?

Klaus Bergmann,Christian Kunz[dpa]
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Wohin führt der Weg von Willy Sagnol? -Foto: ddp

München Der Bundesliga-Spitzenreiter reagierte auf die Wechselabsichten des Vize-Weltmeisters spontan nicht mit einer klaren Absage, sondern will sich unter Umständen mit dem Thema beschäftigen. "Wenn er wirklich mit einem Verein kommt, müssen wir das tun", sagte Manager Uli Hoeneß in der Münchner "Abendzeitung", im "kicker" äußerte er sich ähnlich: "Will er in vier Wochen immer noch weg, müssen wir uns zusammensetzen."

Dazu könnte es durchaus kommen, wenn Trainer Ottmar Hitzfeld den nach seiner langwierigen Knieverletzung auf sein Bundesliga-Comeback drängenden Sagnol weiterhin nicht einsetzen sollte. Er habe zwar "große Wertschätzung" für Sagnol, "der viel für den FC Bayern geleistet hat", sagte Hitzfeld. Aber der Rekordmeister sei in einer Phase, in der er nichts riskieren könne: "Ich kann ihm nicht die Spielpraxis geben. Wir können nicht in der Bundesliga experimentieren, wo wir jetzt um jeden Punkt kämpfen müssen", sagte Hitzfeld. Kapitän Oliver Kahn gab dem Coach recht und rüffelte den Unruhestifter Sagnol für seinen Vorstoß: "So geht es nicht."

Hoeneß bereits unterrichtet

Beim 2:1-Sieg gegen den VfL Wolfsburg gehörte Sagnol am Samstag erstmals nach über sieben Monaten wieder zum Kader, nachdem er Anfang April wegen eines Meniskus- und Knorpelschadens im rechten Knie operiert worden war. Mehr als warmlaufen durfte sich der 30-Jährige aber nicht, der seit Wochen hinten rechts gesetzte Christian Lell spielte 90 Minuten durch. Nach Spielschluss machte Sagnol seine Abwanderungswünsche öffentlich, die er Hoeneß schon vor Wochen mitgeteilt hatte. "Willy war vor einiger Zeit hier bei mir und hat gesagt: 'Wenn ich nicht bald spiele, will ich weg'", berichtete der Manager.

"Zu ernst" nehmen möchte er Sagnols Unzufriedenheit nicht. Schließlich weiß Hoeneß nach sieben gemeinsamen Jahren mit Sagnol um den Wankelmut des Franzosen, dessen Wechsel zu Juventus Turin Anfang 2006 auch schon besiegelt schien, ehe er doch noch in München einen neuen, lukrativen Vierjahresvertrag bis zum 30. Juni 2010 unterschrieb. "Ich kenne doch den Willy. Er ist ein extrem emotionaler Mensch. Gestern will er weg, heute will er bleiben und morgen will er verlängern", hob Hoeneß hervor.

Manchester oder Marseille

Sagnol scheint beleidigt zu sein, weil er sich fit fühlt und als Vize-Kapitän und früherer Leistungsträger einen gewissen Bonus und Status erwartet. Schon vor zwei Wochen hatte er in der französischen Sporttageszeitung "L'Équipe" beklagt, beim FC Bayern "etwas in Vergessenheit geraten" zu sein. Am Wochenende wollte er sich zu den Beweggründen für den im Winter angestrebten Abschied nicht äußern, das werde er aber noch "vor der Winterpause" tun.

Manchester United und Olympique Marseille werden bereits als mögliche neue Vereine genannt. Wenn die Ablöse stimmt, könnte sich der FC Bayern gesprächsbereit zeigen. "Wir haben sowieso zu viele Spieler. Hier bricht nichts zusammen, wenn ein, zwei im Winter gehen", sagte Hoeneß. Damit war bislang in erster Linie Sagnols Landsmann Valerien Ismael gemeint. Die möglichen Sagnol-Millionen könnte der Rekordmeister in die angestrebte Verpflichtung des brasilianischen Innenverteidigers Breno stecken. Und rechts hinten haben die Bayern kein Personalproblem: Neben dem aufgeblühten Lell kann auch Nationalspieler Philipp Lahm wieder rechts spielen. (mit dpa)

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