Sport : Bayern München: Locker gegen das Lästige

Detlef Dresslein

Es ist zugegeben keine ganz frische Weisheit mehr, dass nach dem Spiel auch vor dem Spiel ist. Beim FC Bayern München wurde jenes Sprüchlein in den letzten Tagen noch weiter gedreht. Da war auch vor dem Spiel gleich vor dem Spiel. Soll heißen, auch die Vorbereitung und Abwicklung des sonnabendlichen Kicks gegen den SC Freiburg war vollends auf das Spiel schlechthin, das am Dienstag bei Real Madrid, abgestellt. So wurde natürlich für die Abschlusspressekonferenz sogleich Bixente Lizarazu herbeigezerrt, weil der doch kürzlich im Länderspiel den Portugiesen Luis Figo so fabelhaft beherrscht hatte. Darüber hinaus waren auch am Freitag schon reichlich spanische Schreiber da, und die sollten doch Beunruhigendes aus München nach Iberien übermitteln.

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Tipp-Spiel: Wer wird Deutscher Meister? Natürlich drehten sich auch die Kommentare vor dem Spiel gegen Freiburg überwiegend um das übernächste Sportereignis. "Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich nicht an Real denke", sagte Stefan Effenberg am Donnerstag. "Ich würde das nicht als Testspiel sehen", sagte Carsten Jancker. Der Konjunktiv verrät die wahre Einstellung. Am Spieltag selbst wickelte man die Breisgauer pflichtgemäß und locker ab. Irgendwann nach einer Stunde, genau in der 64. Minute, setzte dann Mehmet Scholl einen Freistoß zauberhaft ins Tor. Mit dem rationellsten aller möglichen Siegergebnisse, einem 1:0, war Freiburg abgehakt. Mehmet Scholl wurde nach seinem Genieblitz alsbald zur Schonung herausgenommen, und Giovane Elber, vor kurzem erst in Berlin am Knie arthroskopiert, durfte sich schon wieder etwas warmschießen. Der Test lief auf vollen Touren.

Und der Testbericht? Irgendwo zwischen gut und befriedigend. Die Abwehr zeigte zwar Schwächen, allen voran der Ritter der traurigen Gestalt, Sammy Kuffour, der wieder mal die Zuschauer kopfschütteln ließ ob seiner Tollpatschigkeit und Carsten Jancker auch noch ein Tor stibitzte, als er im passiven Abseits stehend überflüssigerweise ins Spiel eingriff. Ansonsten spielten die Bayern flott im Angriff, aber nicht zu kraftraubend, und sie bewiesen Spielwitz im Mittelfeld, der in Scholls Freistoßtreffer gipfelte. Und Effenbergs Dummheit, weil er kurz vor Schluss den Ball wegschlug und dafür Gelb sah.

Die Chefetage hatte Verständnis für das gebremste Auftreten, denn Pragmatismus ist notwendig in Tagen, da jede Woche Höhepunkte anstehen. "Es war ja zu befürchten, dass drei Tage vor dem Real-Spiel die Konzentration nicht so da ist", sagte Präsident Franz Beckenbauer, wohingegen Trainer Ottmar Hitzfeld das Wesentliche erläuterte: "Die Champions League ist etwas anderes als die Bundesliga. Real wird anders spielen als der SC Freiburg, und wir werden anders spielen. Das, was heute gereicht hat, wird am Dienstag nicht reichen."

Vielleicht doch, denn wie aus Madrid gemeldet wird, schwächelt der große Gegner. Gegen den Abstiegskandidaten CA Osasuna kam Real nur zu einem 1:1 und glänzte, wie "El Pais" bemerkte, nur durch "protokollarische Anwesenheit". Lediglich Torschütze Raul zeigte, was er kann. Figo dagegen zog sich erst den Unmut Osasunas zu, weil er mit einer Schwalbe einen Elfmeter erpfuschte, dann den Groll Reals, weil er diesen Strafstoß auch noch verschoss. Und das passt zur derzeitigen Form des Portugiesen. Auch Mittelstürmer Guti, der den am Dienstag noch aussetzenden Fernando Morientes vertrat, tat dies nicht wirklich, er ist ein, zwei Klassen schwächer. Gut, gegen Bayern sind die pausierenden Fernando Hierro und Ivan Helguera wieder dabei, aber etwas Hoffnung existiert, entgegen den meisten Expertenmeinungen, bei den Bayern doch. Wenigstens vor dem Spiel.

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