Bayern München : Mit Heynckes klappt es wieder

Der FC Bayern gewinnt 2:1 gegen Mönchengladbach und hält sich so im Titelrennen. Unter dem neuen Trainer Jupp Heynckes spielen die Münchner mit geduldiger Effektivität.

Sebastian Krass[München]
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Bayern, wie es lacht. Uli Hoeneß (l.) ist wieder glücklich – dank Jupp Heynckes (r.). Foto: ddp

Nach einer halben Stunde war klar: Die Zeit der fliegenden Gliedmaßen ist vorbei beim FC Bayern. Der FC Bayern hatte soeben das 1:0 erzielt, und am Spielfeldrand stand kein Trainer in entrückten Jubelposen, sondern: niemand. Jupp Heynckes nahm das freudige Ereignis im Sitzen auf. Als seine Mannschaft zum zweiten Mal getroffen hatte, erhob der neue Trainer des FC Bayern sich dann doch, aber aus rein pädagogischen Motiven. Philipp Lahm war zur Seitenlinie gekommen, um etwas zu trinken. Und er bekam gleich ein paar taktische Anweisungen mit auf den Weg. Es war ein schönes Symbol dafür, wie der Fußballlehrer Heynckes seinen Interimsjob ausfüllt: mit Konzentration auf das Wesentliche. Und er wurde belohnt für seine Arbeit. Im Spiel eins nach Jürgen Klinsmann gewann der FC Bayern gegen Borussia Mönchengladbach 2:1 (2:1) und wahrte damit seine Chancen auf das momentan ausgegebene Ziel Platz zwei, aber auch auf die deutsche Meisterschaft. „Man hat gesehen, dass die Spieler heute viel Freude hatten“, sagte Heynckes. „Aber wir müssen uns auch noch viele Facetten erarbeiten.“

Wie angekündigt, hatte Gästetrainer Hans Meyer seine Mannschaft sehr defensiv eingestellt. Doch die Bayern ließen sich von diesen Sicherheitsvorkehrungen nicht beeindrucken. Besonders augenfällig war diese Anfangsphase im Kontrast zum Spiel gegen Schalke eine Woche zuvor. Damals waren die Bayern hektisch losgestürzt, was Vereinspräsident Franz Beckenbauer veranlasste, darauf hinzuweisen, dass man Fußball „mit Hirn“ spielen und ein Spiel nicht unbedingt in den ersten 20 Minuten entscheiden müsse. Genau das scheint auch Jupp Heynckes seinen Spielern vermittelt zu haben. Die Bayern nutzten geduldig die ganze Breite des Platzes. Man hatte das Gefühl, dass es nur eine Frage von Minuten war, bis das erste Tor für Bayern fallen würde. Und es trog nicht. Luca Toni kam im Strafraum halbrechts an den Ball, er flankte flach auf die andere Seite. Dort war Bastian Schweinsteiger in Position gelaufen und bugsierte den Ball unter die Latte zum 1:0.

Doch die Freude wurde kurz darauf jäh unterbrochen. Mönchengladbachs Michael Bradley zog einen Freistoß scharf auf das Tor. Bayerns Hans-Jörg Butt ließ den Ball nach vorn abprallen und brachte den nachsetzenden Roel Brouwers zu Fall, Elfmeter. Filip Daems verwandelte sicher zum Ausgleich. „Das war ein Rückschlag, den man verdauen muss. Aber es war toll, wie wir reagiert haben“, sagte Heynckes. Kurz vor der Pause spielte Lukas Podolski einen herrlichen Pass auf Hamit Altintop, der Türke nahm den Ball im Lauf mit und platzierte ihn elegant zum verdienten 2:1 im Netz.

An den Kräfteverhältnissen änderte sich auch in der zweiten Halbzeit nichts, doch es fielen keine Tore mehr. „Es war schade, dass wir das Spiel nicht früher entschieden haben und dass wir nicht mehr für unser Torverhältnis getan haben“, monierte Manager Uli Hoeneß. Trainer Heynckes hat aus dieser zweiten Halbzeit zumindest einige Anregungen mitgenommen, was es in der kommenden Woche zu tun gibt: „Wir müssen im fußballspezifischen und taktischen Bereich arbeiten und den Spielern noch mehr Sicherheit geben.“ Besonderen Wert wird er auf das Flankentraining legen. „Für die Stürmer ist es elementar, dass sie üben, Bälle zu verwerten, und dass sie dadurch Selbstvertrauen gewinnen.“ Es wirkt, als habe Heynckes ein gutes Gespür für die Sorgen und Bedürfnisse seiner Spieler. Vor allem für Stürmer. Er war ja selbst mal einer.

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