Bayern München : Nummer vier – übernehmen Sie!

Die Bayern schießen derzeit Tore wie am Fließband. Doch nun sind dem Rekordmeister die Stürmer ausgegangen – Lukas Podolski ist der Gewinner der Krise.

Sebastian Krass[München]
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Da freut sich einer. In nächster Zeit werden Lukas Podolski (links) und Miroslav Klose nicht zusammen auf dem Platz stehen. -...

Auf dem Weg ins Fernsehstudio, erzählt Uli Hoeneß, „habe ich noch mit ihm telefoniert“. Der Manager des FC Bayern klingt ein wenig erleichtert bei seinem Auftritt im Bayerischen Fernsehen am Montagabend. Miroslav Klose gehe es gut, die Operation sei problemlos verlaufen. „Er kriegt wahrscheinlich keinen Gips“, sagt Hoeneß. Deshalb könne der malade Nationalspieler schon diese Woche mit ersten Bewegungsübungen in die Rehabilitation starten. Kurz können solche kleinen Freudennachrichten die Stimmung aufhellen, die großen Sorgen vertreiben sie nicht.

Mindestens fünf bis sechs Wochen wird Klose ausfallen, weil er am Samstag in Bochum in ein Loch trat und sich dabei einen „Riss einer Sehnenführung im rechten Sprunggelenk“ zuzog, so das Ärzte-Bulletin. Der Riss ist nun geflickt. „Jetzt muss man auch Glück haben“, sagt Hoeneß. Er meint das Glück, Klose vielleicht in den letzten Spielen der Saison wieder einsetzen zu können. Zehn Bundesliga-Spieltage haben die Bayern noch für ihre Aufholjagd gegenüber Hertha BSC, die meisten davon werden sie wegen dieser Verletzung erheblich geschwächt angehen müssen. Das gilt natürlich auch für das Viertelfinale der Champions League (7./8. und 14./15. April), das am Freitag ausgelost wird. In diesem Wettbewerb hatte Klose mit sieben Treffern großen Anteil an den überzeugenden Ergebnissen der Bayern. Besonders in den vergangenen Wochen war Klose aufgeblüht, auch in der Liga. Es waren Spiele, in denen er allein die Rolle des Abteilungsleiters Angriff ausfüllte, weil Luca Toni seit fünf Spielen wegen einer hartnäckigen Achillessehnenverletzung fehlt. Auch am Samstag gegen Karlsruhe wird der Italiener fehlen. Hoeneß hofft, dass Toni nach der Länderspielpause in Wolfsburg wieder dabei ist, denn „das wird eine gewisse Vorentscheidung“. Außerdem geht direkt danach die Champions League weiter.

Sportliche Wortakrobaten im Einsatz
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Nun also, da die Saison auf die Zielgerade einbiegt, ist passiert, was Jürgen Klinsmann insgeheim immer befürchtet hatte: dass ihm das Angriffs-Personal ausgeht. „Die Decke ist sehr, sehr dünn“, sagt der Trainer des FC Bayern. „Das ist eine ganz schwierige Konstellation.“ Vom Drei-Mann-Sturm, mit dem die Bayern in die Saison gegangen sind und über den Hoeneß im Sommer gesagt hatte, er „sehe in Europa nichts Besseres“, ist nur noch Lukas Podolski übrig, der Mann, den der Trainer in der Winterpause zum Angreifer Nummer vier hinter Landon Donovan degradiert hatte. Die Bayern können froh sein, dass Podolski in den vergangenen Wochen wenigstens ein paar Ansätze zeigte, sich mit vernünftigen Leistungen aus München verabschieden zu wollen. Klinsmann jedenfalls fühlt sich bestätigt. Er wollte den US-Amerikaner Landon Donovan unbedingt als vierten Mann im Sturm haben, doch Hoeneß und Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge waren nicht überzeugt. „Im Nachhinein“, sagt Klinsmann, „ist es sicher unangenehm für uns, dass wir es nicht geschafft haben, ihn vielleicht doch noch bis zum Saisonende auszuleihen.“

Hoeneß hingegen will von einer Fehlplanung nichts wissen, er hält – leicht trotzig – an seiner Linie fest, der FC Bayern brauche keine vier, sondern nur drei ausgewachsene Stürmer, plus einem hoffnungsvollen Talent. Alles andere schaffe nur noch mehr Unruhe im Kader. Als das hoffnungsvolle Talent gilt nun, in Zeiten der Personalnot, plötzlich wieder der 19-jährige Thomas Müller, der im Sommer bei den Profis mittrainierte und auch ein paar Einsatzminuten im ersten Ligaspiel bekam, danach aber wieder in der zweiten Mannschaft versteckt wurde. Im Heimspiel gegen Lissabon vergangene Woche durfte Müller sich dann erneut auf der großen Bühne zeigen. Es wird nicht sein letzter Einsatz bei den Profis in dieser Saison bleiben.

In der Startelf aber wird der FC Bayern wohl vorerst Podolski als einzigen Stürmer präsentieren. Dahinter, so stellt es sich zumindest Hoeneß vor, könnten sich Franck Ribéry und/oder der bereits abgeschriebene Argentinier José Ernesto Sosa – noch so ein Krisengewinnler – als hängende Spitze versuchen. „Wir können mit der Situation ganz gut umgehen“, lautet Hoeneß’ Devise. „Aber es darf nichts mehr passieren.“

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