Sport : Bayern München: Nur Hoeneß rotiert

Manager Uli Hoeneß kämpft nach der so genannten Bratwurst-Affäre um seinen Ruf, Trainer Ottmar Hitzfeld äußert herbe Kritik an seinen Schützlingen - beim schwächelnden Deutschen Fußball-Meister Bayern München kommt es derzeit zu immer neuen Turbulenzen. Während Hitzfeld von seiner Mannschaft mehr Einsatz forderte und zugleich Giovane Elber für seine Äußerungen nach dem 2:3 bei Schalke 04 am Wochenende mahnte und sogar sein Rotationssystem in Frage stellte, schloss Hoeneß auf einer Pressekonferenz in Nürnberg seine mehrfach angedrohte Demission vorerst aus.

"Ein Rücktritt ist für mich derzeit kein Thema. Ich war immer ein Mann, der sich gegen den Strom gestellt hat. Ich lasse mich nicht zurückpfeifen von Leuten, die nicht einmal den Mut haben, ihren Namen zu nennen", sagte der Manager sichtlich erregt - und fügte entschlossen hinzu: "Jetzt gehen Leute daran, meinen Ruf, den ich mir in über 20 Jahren aufgebaut habe, in Misskredit zu bringen. Dagegen werde ich kämpfen." Unterstützung kam er am Donnerstag von Hitzfeld. "Ich habe Angst davor, was derzeit mit Uli Hoeneß geschieht: Dass Feiglinge anonym Druck auf Uli ausüben. Er hat den deutschen Fußball vor einer Katastrophe bewahrt. Man sollte ihm dankbar sein", sagte Hitzfeld nach dem Training.

Am Dienstag hatte die Polizei in der Nürnberger Wurstfabrik von Hoeneß nach einem anonymen Hinweis eine Razzia durchgeführt. Obwohl sich der Vorwurf der Schwarzarbeit als haltlos erwies, hatte Hoeneß danach erneut mit seinem Rücktritt gedroht. Tags darauf ging die "Abteilung Attacke" der Bayern dann aber mit einem verbalen Rundumschlag in die Offensive. In einem Telefon-Gespräch mit dem Präsidenten der Bundesanstalt für Arbeit, Bernhard Jagoda, forderte Hoeneß nach eigenen Angaben Aufklärung. Er sei das "Opfer einer Kampagne", und nur weil er ein Prominenter sei, sei man dem Hinweis nachgegangen. "Sonst wäre doch niemand losmarschiert", schimpfte der Weltmeister von 1974.

Zuvor war bekannt geworden, dass auf Hoeneß im Internet ein "Kopfgeld" in Höhe von 10 000 Mark ausgesetzt worden ist. Auch eine anonyme Autobomben-Drohung gegen Hoeneß, die sich letztlich als Fehlalarm herausstellte, hatte unlängst für Unruhe gesorgt und ein Parkhaus am Münchener Flughafen für zwei Stunden lahmgelegt.

Auch die sportliche Situation bei den Bayern ist weiter voller Brisanz. Angesichts der Probleme bemängelte Hitzfeld in einem "Kicker"-Interview die Einstellung seiner Akteure und deutete eine Abkehr vom Rotationssystem an: "Einige Spieler dachten nach dem guten Start, 80 oder 90 Prozent würden ausreichen." Womöglich hat es sich bald ausrotiert beim Rekordmeister. "Wir werden nur dann gewaltig rotieren, wenn die Leistung stimmt und es der Grad der Ermüdung zulässt", kündigte Hitzfeld an. Durch die bisherige Praxis, bei der jeder Akteur irgendwann zum Einsatz komme, ließe die Einsatzbereitschaft nach. Der Trainer kritisierte zudem Elbers Vorschlag, die Bundesliga womöglich abzuhaken und sich auf die Champions League zu konzentrieren. Elber fühlt sich jedoch missverstanden: "Ich habe nur gesagt: Wenn wir so weiter spielen, können wir die Meisterschaft abhaken. Ich will natürlich Meister werden. Ich hoffe, dass ich Weihnachten als Tabellenerster nach Brasilien fliegen kann." Wenigstens erwiesen sich Befürchtungen um eine erneute schwere Verletzung von Stefan Effenberg als unzutreffend. Der Spielmacher hatte am Mittwoch wegen Rückenschmerzen die Praxis von Mannschaftsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt aufgesucht: Nach einer Kernspin-Tomographie wurden zwar akute Probleme im Lendenwirbel-Bereich diagnostiziert, ein Einsatz im Punktspiel gegen Eintracht Frankfurt am Samstag ist aber nicht gefährdet.

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