Bayern München : Shaqiri macht den Ribéry

Mittelfeldspieler Xherdan Shaqiri empfiehlt sich beim FC Bayern München für höhere Aufgaben. Der Schweizer wird von Sportvorstand Sammer mit dem Prädikat "Weltklasse" bedacht.

Elisabeth Schlammerl
Nicht zu halten. Shaqiri lässt mal wieder Wolfsburgs Vierinha stehen.
Nicht zu halten. Shaqiri lässt mal wieder Wolfsburgs Vierinha stehen.Foto: AFP

Gerade eben noch war Uli Hoeneß bester Laune. Mit dem rot-weißen Schal um den Hals rühmte er seinen FC Bayern München, der dem Ziel, drei Titel zu gewinnen, am Dienstag mit dem Einzug ins Finale des DFB-Pokals wieder ein kleines Stück näher gekommen ist. Von einer „unglaublichen Stimmung“ sprach der Präsident, vom immensen Selbstvertrauen der Mannschaft. „Das macht total Spaß.“ Aber mit einem Male blickte er fast ein bisschen grimmig in die Runde. Die Frage nach dem Vergleich von Xherdan Shaqiri mit Frank Ribéry gefiel Hoeneß überhaupt nicht, er witterte offenbar Gefahr. Schließlich sieht er es auch als seine Aufgabe, Selbstgefälligkeit in der Mannschaft zu verhindern und reagiert deshalb manchmal wider den Trend. Die Begeisterung über den quirligen Schweizer, beim 6:1-Sieg über den VfL Wolfsburg im Halbfinale auffälligster Münchner, ist ihm offenbar zu groß gewesen. Spitz merkte er an: „Shaqiri ist Shaqiri und Ribéry ist Ribéry. Er muss noch lange warten, bis er ein Ribéry wird.“

Die präsidiale Einordnung war ja nicht ganz falsch, aber an diesem Tag hatte sich der 21-Jährige auf jeden Fall ein Lob verdient. Er vertrat gegen Wolfsburg eigentlich den gesperrten Franck Ribéry, war aber nur selten auf der linken Außenseite zu finden. Shaqiri zog immer wieder in die Mitte, nutzte dort die Räume, die die Niedersachsen gewährten, weil sie sich mehr darum bemühten, Bastian Schweinsteiger im defensiven Mittelfeld aus dem Spiel zu nehmen. Drei der sechs Tore bereitete er vor, eines erzielte er selbst.

„Er hat das taktisch gut ausgenutzt und super interpretiert“, fand der Münchner Sportvorstand Matthias Sammer. Dass er ebenfalls noch Shaqiris Leistung als „Weltklasse“ bezeichnete, dürfte Hoeneß nicht gefallen haben. Vielleicht auch nicht, was Shaqiri selbst zu seinem Auftritt sagte. „Es war ein tolles Spiel von uns, auch von mir,“ fand er. Ein gewisses Selbstbewusstsein ist als Bayern-Profi allerdings nicht nur nützlich, sondern neben der spielerischen Qualität Grundvoraussetzung, um sich in München durchzusetzen.

Und Shaqiri erweckte auch an diesem für ihn so besonderen Abend nicht den Eindruck, am Ziel angekommen zu sein. Shaqiri ist noch kein Stammspieler beim FC Bayern und er nimmt seine Rolle in der zweiten Reihe mit Selbstverständlichkeit an. In seinem ersten Jahr in München gehört er immerhin schon zu den ersten Wechselalternativen, weil er auf fast allen Position in der Offensive spielen kann.

Zumindest national setzte Shaqiri immer wieder Akzente. In sechs der letzten sieben Bundesligaspiele gehört er zur Anfangself. „Man hat gesehen, dass ich im Rhythmus bin. Das hat mir gut getan.“ Er hat deshalb gute Chancen, auch am Samstag in Hannover wieder dabei zu sein. Drei Tage später gegen den FC Barcelona eher nicht, zumindest nicht von Anfang an. In der Champions League schaffte Shaqiri das nur in der fast schon bedeutungslosen Partie gegen Bate Borissow zum Abschluss der Vorrunde.

Der Sprung von der ersten Schweizer Liga auf europäisches Top-Niveau ist noch nicht ganz vollzogen, aber er ist, wie Trainer Jupp Heynckes findet, auf einem guten Weg. „Er hat sich immer mehr etabliert und gefestigt.“ Er habe immer gesagt, Shaqiri werde „ein außergewöhnlicher Spieler“.

Der international erprobte Mario Gomez hingegen scheint seine beste Zeit beim FC Bayern hinter sich zu haben. Trotzdem hat er dem Schweizer am Dienstag die Bezeichnung Mann des Abends streitig gemacht. Der Stürmer war knapp eine Viertelstunde vor dem Ende eingewechselt worden, hatte dann in sechs Minuten drei Tore erzielt – und sich damit für einen Einsatz gegen den FC Barcelona empfohlen. Im Halbfinalhinspiel am kommenden Dienstag darf er noch einmal im Bayern-Trikot auf einen Einsatz auf großer Bühne hoffen, weil Mario Mandzukic gesperrt ist. Für den 27-Jährigen, der am Saisonende womöglich München verlässt, gab es aber keinen Grund, darüber ein Wort zu verlieren. Er verließ am Dienstag die Arena durch den Hinterausgang. „Er hat sich still gefreut“, meinte Trainer Jupp Heynckes. „Das ist ja auch wunderbar.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar