Bayern München : Uefa-Cup ist kein Vermächtnis

Der Bayern-Manager bestellt sein Haus. Uli Hoeneß will noch einmal die Champions League gewinnen.

Helmut Schümann
Hoeness
Bayern im Uefa-Cup. Vorspiel für große Zeiten -Foto: AFP

Es tauchen in diesen vorklinsmannischen Tagen alle möglichen Namen auf, wen denn der neue Coach des FC Bayern München so alles installieren will in seinem gewiss nicht kleinen Stab. Den Namen eigen ist, dass sie hierzulande kaum einer kennt, nicht einmal das Fußballfachpublikum, und dass ihre Träger Amerikaner sind. Man darf also von der kommenden Saison an in München eine Modernisierung erwarten, eine Amerikanisierung, auf jeden Fall eine Abkehr von alten bajuwarischen Prinzipien. Oder doch nicht?

Heute spielt der FC Bayern München im Uefa-Cup-Achtelfinale beim RSC Anderlecht (19 Uhr, live bei Pro 7). Aber ist das so wichtig? Oliver Kahn wird heute geschont, Marcell Jansen auch, Zé Roberto ist krank und Lucio ist verletzt. Eigentlich spielt der FC Bayern sich nur ein für die Klinsmann-Zeit – und für die ganz großen Ziele. „Ich will genau das zum Ende meiner Tätigkeit im operativen Bereich noch wissen: Kann es gelingen, die Champions Legue zu gewinnen, nicht einmal und zufällig, sondern als permanenter Anwärter, ohne in der Führung des Vereins die eigenen Werte zu verleugnen?“, sagt Uli Hoeneß in einem Interview mit der „Zeit“. Ja, der Manager des FC Bayern hat noch Prinzipien.

In diesem Gespräch konnte man einen sehr aufgeräumten Manager erleben, der sich auch mal mit dem nun scheidenden Trainer Ottmar Hitzfeld beim Rotwein austauscht, der sich aber immer noch über den großen Scoup, Jürgen Klinsmann für die Bayern zu engagieren, freut. Andererseits konnte man auch einen Uli Hoeneß erleben, den die Romantik überkam über die Entwicklung des Fußballs. Der Bayern-Macher ist sichtbar hin- und hergerissen zwischen dieser „tollen Multikulti-Gesellschaft“, zu der er den Klub mit den Transfers von Weltstars verwandelt hat und der Angst, sich damit in den Bereich von Shareholdern und renditelüsternen Investoren gebracht zu haben. „Es wird mit mir keinen Erfolg um jeden Preis geben“, sagt Hoeneß. Es ist ihm anzusehen, dass er nicht sicher ist, ob er die Geister, die er rief, im Zaum halten kann. Es wird das letzte große Experiment sein des Fußball-Managers Uli Hoeneß, ein gewaltiger Spagat, bei dem ihm die Bänder reißen dürften, wenn er für den Sieg in der Champions League dann noch auf einen privaten Investor, auf russische Ölmagnaten oder amerikanische Milliardäre angewiesen sein wird. „Sollten die Gremien das Engagement eines Finanzinvestors gegen meine Stimme und meine Überzeugung beschließen, werde ich natürlich einen solchen Beschluss umsetzen. Und am nächsten Tag zurücktreten“, sagt er.

Es ist keine Frage, Uli Hoeneß, der erfolgreichste und innovativste Sportmanager Deutschlands, läutet seine Schlussrunde ein. Bis 2009 wird er seine Aufgaben bestreiten, dann in den Aufsichtsrat wechseln. Wahrscheinlich kommt der Abschied zur rechten Zeit, weil die Fußballwelt sich wandelt, und da, wo sie sich hinwendet, nicht die Welt des Uli Hoeneß ist.

Auf anderem Terrain, auf dem der Hysterie in den Medien, wurde er schon tätig. Künftig soll die Öffentlichkeitsarbeit der Bayern sehr selektiv sein, so wie sie es in den amerikanischen Sportarten und den großen europäischen Fußballklubs seit langem ist. Wer weiß, wie gerne Hoeneß einst mit vertrauten Journalisten beisammen saß, mitunter lud er täglich in sein Büro, und in doch recht offenem Hintergrundgespräch die Belange des Vereins besprach, der weiß, wie schwer ihm diese Abschottung nun fallen muss. „Anders geht es heute nicht mehr“, sagt er, „alles wird interpretiert, oft fehlinterpretiert und steht im Internet, wo dann in Blogs alles behauptet werden kann. Und das steht dann am nächsten Tag als ernste Nachricht in der Zeitung.“

Bei einer Pressekonferenz im Trainingslager in Marbella war in diesem Winter zu besichtigen, was er meinte. Da saß Miroslav Klose auf dem Podium, und als er gefragt wurde, was denn sein Sturmpartner, der Weltmeister Luca Toni noch verbessern müsse, da sagte Klose: „Der muss schneller werden, der ist viel zu langsam, sein Kopfballspiel muss er verbessern, besonders auch die Schusstechnik, und er muss eben auch mal Tore schießen.“ Er sagte dies mit feinem, ironischem und unmissverständlichem Lächeln. Markus Hörwick, der Pressechef des Klubs, ahnte trotzdem Ungemach und klärte auf: „Also Kollegen, es dürfte wohl klar sein, dass das jetzt nicht ernst gemeint war.“ Ein höchst notwendiger Hinweis, der eine oder andere Medienvertreter war schon drauf und dran, die Sensationsmeldung, dass Klose den Weltstar Toni beschimpft, in die Heimat zu funken. „Spaß macht das nicht mehr“, sagt Hoeneß.

Der FC Bayern geht in eine neue Zeit, er wird sich nach innen mehr den Notwendigkeiten beugen, und weniger den Leidenschaften. Notwendigkeiten? „Es wird mit Sicherheit niemals den Uli Hoeneß geben, vor dem die Menschen im Verein Angst haben müssen, der gehasst wird dafür, dass er jedes Jahr vier, fünf rausschmeißt, um fünf Neue zu holen“, sagt Hoeneß. Aber wenn’s doch der Rendite dient? „In ein paar Jahren werde ich den Verein besenrein übergeben. Ganz sicher finanziell, aller Voraussicht nach auch sportlich. Vollkommen erfüllt ist dieses Lebenswerk allerdings erst, wenn ich ihn auch moralisch besenrein übergebe.“

Heute spielt der FC Bayern in Anderlecht, im Hinspiel des Achtelfinales des Uefa-Cups. Es geht ums Weiterkommen, ums Image, es geht um Geld. Um das große Ganze kümmert sich derweil Uli Hoeneß mit seinem Vermächtnis.

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