Bayern München : …und was sagt der Platzwart?

Die Bayern sind sich mal wieder uneins, diesmal in der Bewertung des Sieges gegen Haifa. Dass das Spiel des FC Bayern noch weit davon entfernt ist, rund zu laufen, war nicht zu übersehen.

Thomas Becker[München]
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Geblendet vom Sieg. Bayerns Trainer Louis van Gaal deutete das 1:0 über Haifa weitaus glanzvoller als seine Kritiker. -Foto: dpa

Louis van Gaal muss eine Fähigkeit zur besonderen Wahrnehmung haben. Anders sind folgende Sätze des Niederländers nicht zu erklären: „Ich habe ein sehr gutes Spiel gesehen. Wir haben viele Chancen kreiert und bis zum Schluss die Ordnung behalten. Ich denke, dass das eines der besten Spiele von uns war.“

Van Gaal meinte das 1:0 des FC Bayern im Gruppenspiel der Champions League gegen Maccabi Haifa, das in Wahrheit ein rechtes Gestopsel mit zahllosen Fehlpässen und Missverständnissen war. „Die Mannschaft ist nicht so selbstbewusst aufgetreten, wie es sein sollte“, sagte jedenfalls Manager Uli Hoeneß. Und auch die Spieler waren alles andere als zufrieden. „Man hat gemerkt, dass wir noch verunsichert waren“, sagte Thomas Müller und Kapitän Mark van Bommel fügte hinzu, dass „wir besser spielen wollten, als wir das gemacht haben“. Man hätte auch noch den Platzwart fragen können, er hätte es ähnlich gesehen.

Doch van Gaal ist entschuldigt. Dieser hart erstrittene Sieg gegen Haifa hat ihm vorerst den Job gerettet, und dann sieht man die Dinge schon mal ein bisschen positiver als sie sind. Gerettet ist nämlich außer der Stimmung für die Hauptversammlung am Freitag noch gar nichts, lediglich die Chance auf das Achtelfinale der Champions League. Wollen die Bayern dies erreichen, müssen sie am 8. Dezember bei Juventus Turin gewinnen. Dass die erleichterte Grundstimmung im Klub schnell wieder kippen kann, wissen alle, Klubpräsident Franz Beckenbauer sprach es nochmal aus: „Wenn du am Sonntag in Hannover verlierst, geht der ganze Mist wieder von vorne los.“

Dass das Spiel des FC Bayern noch weit davon entfernt ist, rund zu laufen, war nicht zu übersehen. Einmal mehr war der Torabschluss das größte Manko. Beckenbauer sah darin „eine zusätzliche Schwäche zu dem, was wir sowieso schon haben“. Dabei zählten die Stürmer noch zu den Besseren im Team. Ivica Olic, für den am Ellbogen verletzten Miroslav Klose kurzfristig in die Startelf gerückt, lieferte nach seiner siebenwöchigen Verletzungspause ein unfassbares Pensum, erzielte per Abstauber den Siegtreffer und wurde bei seiner Auswechslung mit heftigem Applaus und Sprechchören bedacht. Sturmpartner Mario Gomez, dem Olic die Hälfte seines Treffers zusprach, blüht gerade wieder auf. Die gefährlichsten Aktionen gingen von ihm aus, nur das Erfolgserlebnis blieb diesmal aus. „Ich bin auf gutem Weg und spüre jetzt das Vertrauen. Ich hatte stets das Gefühl, auf dem Platz bleiben zu dürfen“, sagte Gomez. Er konnte sich seines Gefühls auch sicher sein, weil auf der Bank keine weiteren Stürmer waren. Sein Kontrahent Luca Toni saß weiter oben auf der Tribüne.

Die Kritik des Italieners an Trainer van Gaal in italienischen Medien hatte noch weitere Konsequenzen. „Die Äußerungen sind nicht akzeptabel“, sagte Uli Hoeneß, „er hat eine Gesamtgeldstrafe von 25 000 Euro bekommen, damit ist alles abgegolten. Wenn jetzt wieder etwas kommt, fangen wir wieder von vorne an.“

Dabei rückt das Ende der Zeit von Luca Toni beim FC Bayern immer näher. „Ich mache keine Kompromisse. Jeder Spieler hat seine Chance, aber jeder Spieler muss auch den Anforderungen eines Profis bei FC Bayern gerecht werden. Das muss er erst einmal machen, dann sehen wir weiter“, sagte van Gaal. Und dieses „weiter“ könnte eben die Trennung sein: „Der Spieler hat selbst angegeben, dass er weg will. Okay, dann muss er sich einen anderen Klub suchen, denke ich.“

Der Manager begab sich in die Vermittlerrolle. „Im Moment haben wir keine Transferzeit, die ist im Januar“, sagte Hoeneß. „Auf der anderen Seite ist es so, dass man unter Männern die Möglichkeit hat, sich zu entschuldigen. Das steht noch aus. Wenn das passieren würde, dann gibt es eine Chance. Ich denke, dass wir eine kleine Bindung hinkriegen können.“

Es scheint, als habe nicht nur Bayerns Trainer das Talent zu einer besonderen Wahrnehmung der Dinge.

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