Bayern München : Vorne 400 PS, aber hinten wackeln die Kotflügel

Trotz des Sieges in Lyon stellt sich die Frage: Ist die Defensive der Bayern gut genug für höhere Aufgaben in der Champions League?

Sebastian Krass
Lahm
Abwehr im Tiefflug. So wie hier Philipp Lahm hatte die Abwehr der Bayern gegen Lyon oftmals Probleme. -Foto: dpa

MünchenDer Wechsel in der 69. Minute sollte ein Signal sein. Jürgen Klinsmann nahm Miroslav Klose, seinen neben Franck Ribéry besten Feldspieler an diesem Abend, vom Platz. Er brachte dafür den defensiven Mittelfeldspieler Andreas Ottl. Gerade hatte Olympique Lyon das 2:3 erzielt, und Klinsmann wollte nun den löchrigen Deich mit einem zusätzlichen Sandsack abdichten. Doch auch weiterhin ergossen sich die Angriffe der Gastgeber auf das Tor des FC Bayern – nur mit viel Glück retteten die Bayern ihren Sieg ins Ziel.

Der Verlauf dieser letzten Vorrundenpartie in der Champions League hatte zumindest Philipp Lahms Freude getrübt. „Heute kann man mit dem Ergebnis leben, mit dem Spiel nicht. Wir haben viel zu viele Chancen zugelassen, in der zweiten Halbzeit alle fünf Minuten. Das war nicht Champions-League-reif“, sagte der Verteidiger. In der Tat: Die Bayern haben sich zwar mit 14 von 18 möglichen Punkten für das Achtelfinale qualifiziert, was Trainer Klinsmann „ein bisschen stolz“ machte und Manager Uli Hoeneß „sensationell“ fand. Doch vor der Auslosung des Achtelfinales am 19. Dezember sind nüchterne Vorsicht oder auch Skepsis durchaus angebracht.

Zwar verdient sich die Offensive der Bayern seit Wochen jede Lobeshymne redlich. In Lyon trafen deren Schlüsselfiguren Franck Ribéry und zweimal Klose. Wenn da nur nicht der andere Teil des Spiels wäre: die Defensive. Klinsmann hat noch kein tragfähiges Konzept etabliert, wie sich beide Teile zu einem großen Ganzen vereinen ließen. Mit ein bisschen mehr Präzision im Abschluss hätte Lyon leicht mehr Tore erzielen können als die beiden durch Sidney Govou und Karim Benzema. Ein Blick auf die Bundesliga untermauert den Eindruck vom Fehler im System: In 16 Spielen haben die Bayern 22 Tore kassiert, in der Vorsaison waren es zum gleichen Zeitpunkt acht. Dabei arbeitet Klinsmann mit fast exakt denselben Spielern wie Vorgänger Ottmar Hitzfeld, der allerdings ein Sicherheitsfanatiker war. Die Bayern wirken im Moment wie ein Auto, das vorne einen 400 PS starken Motor unter der Haube hat. Hinten aber klappert der Kofferraum, da wackeln die Kotflügel. Und bei dem Tempo, das künftig in der Champions League gefordert ist, könnte schnell auch die Hinterachse brechen.

Doch Jürgen Klinsmann gibt sich frei von Zweifeln. Seit Tagen wiederholt er: „Es ist schade, dass jetzt Winterpause ist. Am liebsten würden wir gleich mit der Rückrunde weitermachen.“ In Lyon schob er noch einen neuen Satz hinterher: „Aber einen Spaß wollen wir jetzt noch haben: am Samstag in Stuttgart.“

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