Bayern München : Vorne wird’s prekär

Der FC Bayern schaut skeptisch nach Berlin und verliert Stürmer Miroslav Klose, der operiert werden muss.

Richard Leipold
Klose
Miroslav Klose -Foto: dpa

BochumWar das 3:0 in Bochum ein Fortschritt für den FC Bayern München, wie es das Ergebnis vermuten lässt? Vermutlich ja. Endlich wieder ein Auswärtssieg ohne selbstverschuldete Schwierigkeiten. Letztlich störte allerdings die Verletzung Miroslav Kloses das Wohlbefinden. „Eine prekäre Lage“, wie Bayern-Trainer Jürgen Klinsmann sagte. Der Nationalstürmer war, offenbar aufgrund eines Platzfehlers, umgeknickt und nach gut einer halben Stunde gegen Ernesto Sosa ausgetauscht worden, ohne etwas Nennenswertes gegen die unerfahrene Innenverteidigung des VfL Bochum ausgerichtet zu haben. „Es hat nur noch gekracht“, sagte Klose, für den der Argentinier Sosa eingewechselt wurde. „Da ist etwas kaputt. Ich konnte auf dem Fuß gar nicht mehr stehen.“ Die medizinische Untersuchung am Tag danach bestätigte die dunkle Ahnung: Eine Sehnenführung im rechten Sprunggelenk ist gerissen und macht eine Operation notwendig. Klose fällt eine Weile aus, wie lange wird sich erst nach der Operation sagen lassen. Sein Fehlen ist unangenehm für München wie für die Nationalelf.

Der FC Bayern indes lässt sich von seinen Ambitionen nicht abbringen, schon gar nicht operativ. Die Münchner glauben, im Kampf um die deutsche Fußballmeisterschaft wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Neben dem solide herausgespielten Tagessieg feierte der Klub in Bochum die Wiedereröffnung der „Abteilung Attacke“ – und lenkte den Blick nach Berlin. Der Epilog zum Spiel wurde zu einer mehrstimmigen Kampfansage an den aktuellen Tabellenführer.

Ob Jürgen Klinsmann, Uli Hoeneß oder Karl-Heinz Rummenigge: Die Granden der Bayern adelten den Hauptstadtklub als ernst zu nehmenden Bewerber um den Meistertitel. Sie sehen in Hertha einen Herausforderer. Klinsmann kündigte an, mehr Druck auszuüben. „Wir werden nachlegen, nachlegen, nachlegen, es liegt nur an uns.“ Und Rummenigge ergänzte: „Es wird Zeit, dass die Berliner ins Straucheln geraten und den Atem der Bayern spüren.“

Hoeneß interpretiert das zehn Runden umfassende Restprogramm als schwierig für die Berliner, weil sie noch sechs Auswärtsspiele haben, während München sechsmal daheim antreten dürfe. Nach der Angriffslust auf dem Fußballplatz (zuletzt fünfzehn Tore in drei Pflichtspielen) ist auch die bewährte Bayern-Attitüde wieder erwacht. Die psychologische Kriegsführung hat begonnen. Dem Spitzenreiter sind die Münchner am 24. Spieltag noch nicht näher gekommen, wohl aber ihrem eigenen Selbstverständnis nach. Darin kann ein beträchtlicher, für die Konkurrenz beunruhigender Fortschritt liegen – auch wenn es nach Klinsmanns Uhr fünf Minuten vor zwölf ist.

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