Bayern München : Wie bei Klinsmann

Louis van Gaal hält sich für einen „Prozess-Trainer“, der Geduld und Vertrauen benötigt. Doch Zeit haben sie beim FC Bayern nicht. Vor allem nicht Manager Uli Hoeneß.

Thomas Becker[München]
van_Gaal Foto: dpa
Louis van Gaal -Foto: dpa

Eins muss man dem FC Bayern München lassen: Langweilig wird es bei ihm nie. Selbst nach einem lauen 0:0 gegen darbende Stuttgarter wird an der Säbener Straße einiges geboten. Schuld daran ist wie so oft der Manager. Und wer glaubt, dass Uli Hoeneß nach seinem bevorstehenden Wechsel auf den Präsidententhron in München auch nur einen Hauch weniger präsent sein wird, dem sollte ein Blick auf den Hoeneß-Output des Wochenendes genügen: Erst schaut er ein wenig in die Zukunft („Vor Weihnachten stehen wir auf Platz eins“), dann baggert er den mehrfach als unverkäuflich abgestempelten Torhüter Manuel Neuer erneut an, legt daraufhin Teilen der eigenen Belegschaft mal wieder den Vereinswechsel nahe und verklagt schließlich den Lokalrivalen und Stadionpartner TSV 1860 München wegen nicht gezahlter Cateringkosten. Ein ganz normales Uli-Hoeneß-Wochenende eben. Nicht in diese Serie passen jedoch ein paar Sätze, die das nächste Fußballspiel seines Klubs betreffen: „Wir haben große Ziele in der Champions League. Am Dienstag müssen wir gewinnen. Deshalb bin auch ziemlich nervös.“ Selbstbewusstsein à la „Mia san mia“ klingt anders.

Am Dienstagabend entscheidet sich, in welcher Stimmung der FC Bayern die nähere Zukunft bestreiten wird – und in welcher Atmosphäre Hoeneß in drei Wochen bei der Mitgliederversammlung zum Präsidenten gekürt wird. Gelingt ein Sieg gegen den französischen Tabellenführer Girondins Bordeaux, sieht es in der Champions League wieder ganz gut aus. Was wiederum einen Schub für die anstehenden wichtigen Partien in der Bundesliga gäbe: die Heimspiele gegen die Titelkonkurrenten Schalke und Leverkusen.

Der Mann, der für den aktuellen Spielbetrieb beim deutschen Rekordmeister zuständig ist, wirkt beim Frage-und-Antwort-Spiel am Tag vor der Partie ein wenig müde – was aber auch am Procedere liegen könnte: Vor jeder Antwort muss Louis van Gaal auf die Übersetzung des Dolmetschers für die französischen Journalisten warten. Und Louis van Gaal wartet nicht gerne.

Dabei ist er es, der am häufigsten von Geduld spricht. Seine bisherige Bayern- Bilanz ist durchwachsen. Erste Parallelen zum gescheiteren Vorgänger Jürgen Klinsmann wurden längst gezogen. Da kann van Gaal noch so oft betonen, ein „Prozess-Trainer“ zu sein, der Zeit, Geduld und Vertrauen brauche. Vor allem Zeit haben sie beim FC Bayern eher nicht. Dass beim Spiel am Dienstag Zählbares herausspringen muss, ist ihm natürlich bewusst: „Das ist bei Bayern Tradition, in den großen Spielen immer da zu sein. Ein Klub wie Bayern München muss immer gewinnen. Aber das gelingt nicht immer.“ Sein Kapitän sieht das ganz ähnlich. Mark van Bommel beschreibt die permanente Aufgeregtheit um den FC Bayern so: „Wenn wir gewinnen, ist es normal, ein Unentschieden ist eine Katastrophe, und wenn wir verlieren, geht fast die Welt unter.“

Unglücklich ist da, dass dem Bayern-Coach der immer noch an der Patellasehne verletzte Franck Ribéry und die nach Roten Karten gesperrten Daniel van Buyten und Thomas Müller gar nicht und Wirbelwind Arjen Robben nur bedingt zur Verfügung stehen. „Er wird sicher nicht von Anfang an spielen“, sagte van Gaal, „aber das wissen Sie: Wer nicht trainiert, kann nicht spielen.“ Erst am Montagnachmittag stieg der Flügelstürmer wieder ins Mannschaftstraining ein. „Er kann vielleicht 30 oder 35 Minuten spielen“, sagte van Gaal, „Arjen wird also wohl als Joker kommen – und da hat er bislang immer ein Tor gemacht. Das ist auch wichtig.“ Nervöser als sonst sei aber außer Uli Hoeneß niemand, versichert zumindest Mark van Bommel: „Es ist aber immer gut, wenn der Manager nervös ist. Dann weiß man wenigstens, dass es ein wichtiges Spiel ist.“

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