Bayern-Pleite in Cottbus : Trainer Hitzfeld kündigt harte Welle an

Die Spieler des FC Bayern München müssen sich nach der peinlichen Vorstellung bei Energie Cottbus auf ein raues Arbeitsklima einstellen. Trainer Ottmar Hitzfeld kündigt eine knallharte Auslese an.

Jens Mende[dpa]
Ottmar Hitzfeld
Ottmar Hitzfeld ist sauer. -Foto: dpa

Stunk in Bayern nach der Cottbus-Pleite: Den 59-Jährigen Hitzfeld wurmt besonders die Überheblichkeit seiner Spieler. Torwart Oliver Kahn wird durch diesen arroganten Auftritt gar zum Wortakrobaten.

Am Ende wollten alle Bayern nur noch schnell weg von der Stätte der Blamage - Ottmar Hitzfeld aber wird seine überheblichen Profis die Pleite von Cottbus noch lange spüren lassen. "Ich werde keine Zugeständnisse mehr machen und knallhart nach Leistung aufstellen", kündigte der scheidende Cheftrainer für die letzten Wochen seiner Amtszeit ein überaus raues Arbeitsklima beim Rekord-Champion an.

"Einige Spieler haben wohl gedacht, es läuft von allein und es wird ein Spaziergang zur deutschen Meisterschaft", kritisierte Hitzfeld nach dem sensationellen 2:0 (2:0)-Sieg der Cottbuser Kellerkinder gegen die Münchner Spitzenreiter, der den Bayern-Jägern in der Fußball-Bundesliga wieder Mut macht. Der Vorsprung ist mit der zweiten Liga-Niederlage plötzlich geschmolzen. "Spätestens jetzt wissen wir, dass wir noch nicht deutscher Meister sind", wetterte Hitzfeld, für den der Wohlfühl-Faktor seiner Profis ab sofort nicht mehr zählt. "Es wird keine Geschenke geben."

Hitzfeld suspendiert Demichelis

Schon am Mittwoch im DFB-Pokal gegen Wolfsburg könnten einige der Cottbus-Versager auf der Bank landen. Mit der Suspendierung von Martin Demichelis, der nur noch auf seiner Lieblingsposition in der Innenverteidigung spielen wollte, hat Hitzfeld bereits ein deutliches Zeichen gesetzt. Der Knall in der Lausitz, den Branko Jelic am 24. Spieltag mit seinem Tore-Doppelpack für den FC Energie ausgelöst hatte, war für den 59-jährigen Trainer ein Schuss vor den Bug zu viel. "Es ist schon möglich, dass einige Spieler begonnen haben zu träumen. Anderlecht war schon ein Warnsignal", bemerkte Hitzfeld.

Doch drei Tage nach dem 1:2 der bayrischen B-Mannschaft im Uefa-Cup ließ auch die von Hitzfeld wieder nominierte erste Elf vor 22.743 Zuschauern im erstmals in dieser Saison ausverkauften Stadion der Freundschaft über weite Strecken Biss, Leidenschaft und Motivation vermissen. "Das war nicht das, was Bayern bringen kann", wunderte sich Ervin Skela, der mit einer Super-Vorbereitung des ersten Jelic-Tores den Sieg der kämpferisch klar überlegenen Gastgeber eingeleitet hatte.

Kahn fabuliert über den Buchstaben

Cottbus kämpfe ums Überleben in der Bundesliga, erkannte Bayern-Torwart Oliver Kahn. "Wir haben auch etwas mit ü gehabt - Überheblichkeit", beschwerte er sich nach seinem 550. Bundesligaspiel über die Einstellung seiner Kollegen. Man glaubt es kaum: Der Keeper verhinderte sogar eine noch höhere Hilflos-Pleite. Auch Manager Uli Hoeneß war auf seine Stars alles andere als gut zu sprechen und kündigte klärende Worte in den "eigenen vier Wänden" an: "Die Mannschaft hat die Meisterschaft selbst wieder spannend gemacht mit einer Niederlage, mit der niemand gerechnet hat. Deshalb sind wir ziemlich sauer."

Besonders frustrierend für Hoeneß und alle Bayern: Der erste Cottbuser Sieg im Jahr 2008, mit dem Energie erstmals seit dem 2. Spieltag die Abstiegsränge zumindest für einen Tag wieder verlassen konnte, "ist hochverdient", räumte sogar der Manager ein. Das Team von Trainer Bojan Prasnikar machte auch in Sachen Zielstrebigkeit und Torchancen den großen Bayern etwas vor. Selbst Superstar Franck Ribéry ließ sich anstecken und scheiterte mit einem unberechtigten Elfmeter am großartig haltenden Gerhard Tremmel.

Jelic lässt Bayernspieler als aussehen

Zudem stahl dem laschen Bayern-Paradeangriff Klose/Toni ein Mann die Show, der eigentlich gar nicht spielen sollte und nur dank der Verletzung von Michal Papadopulos in die Startelf gekommen war. Der 30-jährige Serbe Jelic, erst im Winter vom chinesischen Verein Xiamen Lanshi geholt, beendete nach 229 Minuten nicht nur die Energie-Torlosigkeit (18. Minute). Der einstige Torschützenkönig der chinesischen Liga legte auch noch einen zweiten Treffer nach (38.). "Ich denke, ich habe meine Qualität in der Bundesliga gezeigt", sagte der Matchwinner, der sich nun eine Erfolgsserie wünscht. "Wir werden sicher mehr Selbstbewusstsein bekommen. Das ist das Wichtigste", kommentierte Coach Prasnikar die große Überraschung des 24. Spieltages.

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