Sport : Bayern - Real Madrid: Die Mauer muss fallen

Detlef Dresslein

Ein ganzes Hotel hat Real Madrid schon reserviert. Und zwar in Mailand, dem Ort des Endspiels der Champions League. Vorher steht den Spaniern allerdings noch eine kleine Aufgabe bevor, deren Lösung dann doch so einfach nicht sein wird. "Die Mauer muss fallen", sagte Vicente del Bosque, der gemeinhin eher wortkarge Trainer der Madrider, nach der Ankunft in München, wo heute Abend das Glanzlicht der diesjährigen Münchner Ballsaison ansteht: FC Bayern gegen Real Madrid, mehr als ein Fußballspiel. Mit der angesprochenen Mauer meint del Bosque die zuletzt bestens operierende Abwehr der Münchner.

Bei der Konkurrenz bemüht man sich derweil um Gelassenheit. "Hier ist alles locker", sagt Bayerns Stürmer Giovane Elber, und Kollege Oliver Kahn stellt fest, dass "man nicht so tun kann, als ob. Entweder ist man locker, oder man ist es nicht." Trainer Ottmar Hitzfeld verspürt "einen positiven Druck, ein Kribbeln", aber mit Blick auf sein Mittelfeld müsste es dem tapferen Trainer schon ein wenig mulmig werden. Stefan Effenberg fehlt wegen seiner Gelbsperre, bei Ciriaco Sforza reicht die Kraft nach eigener Einschätzung "nicht für 90 oder 120 Minuten", Thorsten Fink und Michael Tarnat sind verletzt, und so erwarten alle zwischen Hoffen und Bangen die aktuellen medizinischen Bulletins zum Zustand von Mehmet Scholls Sprunggelenk. Fiele auch er aus, bliebe allein der 20 Jahre alte Ergänzungsspieler Owen Hargreaves als kreative Alternative im Mittelfeld. Das Bangen wird bis heute Abend weitergehen, denn Hitzfeld vermutete, "dass wir erst nach dem Warmlaufen über einen Einsatz entscheiden können". Bis dahin sei es "ein Kampf um Stunden".

Bis es endlich losgeht, herrscht zwischen beiden Lagern eine kleinere psychologische Auseinandersetzung. Vicente del Bosque kündigte schon an, "mit kühlem Kopf und guter Organisation", also exakt dem beabsichtigten Schlachtplan der Bayern, spielen zu lassen. Und er lässt sich dabei kaum beeindrucken von der Statistik, die verrät, dass ein spanisches Team noch nie im Olympiastadion gewinnen konnte und Real bei deutschen Klubs in 19 Versuchen überhaupt erst einmal gesiegt hat. Was die Königlichen wenig insgesamt zu stören scheint. "Wir haben einfach die besseren Spieler", sagte Klubchef Florentino Perez, und Spielmacher Luis Figo ist überzeugt, dass "wir alle zusammen die Qualität haben, das Finale zu erreichen." Dabei soll sogar wieder der lange verletzte Stürmer Fernando Morientes mithelfen.

Die Bayern mäkeln derweil am Benehmen der Madrider Spieler herum. Giovane Elber gefiel nicht, wie Luis Figo die reichlich defensive Spielweise der Münchner im Hinspiel kritisierte: "Wenn man einen schlechten Lauf hat, ist es normal, dass man solche Sprüche macht. Aber Figo wird am Mittwoch auch nicht besser spielen als zuletzt." Sogar der sonst eher defensiv argumentierende Trainer Hitzfeld greift Figo an. "Er hat die Gelbe Karte für Effenberg provoziert, das war grob unsportlich. Die Mannschaft hat das, wie auch einige Beleidigungen der spanischen Presse, registriert und nicht vergessen und wird darauf antworten."

Und weil es gerade passt, widmete Reals Raul gar das Hinspielergebnis zum Positiverlebnis um: "Jetzt können wir nicht auf ein bestimmtes Resultat spekulieren, sondern müssen einfach nur gewinnen." Wenn das aber doch schief geht, dann sparen sie sich immerhin die Stornokosten. Wie spanische Zeitungen vermelden, würde dann der FC Bayern ins gebuchte Hotel einziehen. Und das sicherlich nicht ohne ausreichend viel Schadenfreude.

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