Sport : Bayern rutscht tiefer in die Krise

Die Münchner unterliegen 0:1 in Aachen und verlieren die Champions-League-Plätze aus den Augen

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Bayern München spielte in der zweiten Halbzeit, als ob die Mannschaft den Spaß am Fußball verloren hätte. Dabei galt es, sich am Tivoli beim Aufsteiger Alemannia Aachen gegen einen 0:1-Rückstand aufzubäumen. Aber auch unter Trainer Ottmar Hitzfeld lieferte der Deutsche Meister – wie schon beim 0:3 in Nürnberg – eine schwache Partie und verlor letztlich verdient durch das Tor von Alexander Klitzpera in der 10. Minute.

Die Titelverteidigung ist in weite Ferne gerückt. Drei Tage vor dem Champions-League-Spiel in Madrid gegen Real ist in der Bundesliga sogar der dritte Platz für die Qualifikation zum wichtigsten Europapokalwettbewerb in der nächsten Saison schwer zu erreichen – jedenfalls nicht in dieser uninspirierten, elanlosen Verfassung. Auch Hitzfeld sprach von einer „enttäuschenden Leistung in der zweiten Halbzeit“. Die letzte Entschlossenheit beim Torabschluss habe gefehlt. „Dennoch bin ich überzeugt“, beteuerte Hitzfeld, „dass wir noch Dritter werden.“ Fünf Punkte beträgt der Rückstand momentan.

Zwei Monate nach dem Pokal-K.o. in Aachen erlitt der FC Bayern die nächste Niederlage beim voller Leidenschaft kämpfenden Aufsteiger. Nach acht Heimspielen ohne Bundesliga-Sieg bot die Alemannia ihren 20 000 Anhängern gegen den Rekordmeister endlich wieder einen Jubeltag. „Das sind drei Extrapunkte“, sagte Aachens Trainer Michael Frontzeck. Seine Mannschaft sei „ans Limit gegangen“.

Die Bayern begannen mit selbstgefälliger Dominanz, bis nach zehn Minuten ein hoher Eckball von Laurentiu Reghecampf zum Rückstand führte. Thomas Stehle drosch den Ball in das Spielergewimmel vor Torwart Oliver Kahn, wo Aachens an diesem Tag überragender Abwehrchef Alexander Klitzpera den Ball unter dem Körper von Martin Demichelis hindurch über die Linie stocherte. In den ersten 45 Minuten hatten die Münchner durch Roy Makaay vier gute Einschusschancen. Dreimal verfehlte der Holländer das Tor, einmal scheiterte er am prächtig parierenden Stephan Straub.

Der Aachener Torhüter schenkte den Bayern aber auch die beste Möglichkeit zum Ausgleich, als er bei einem Rettungsversuch außerhalb des Strafraums über den Ball trat. Es war schon ein Kunststück von Roque Santa Cruz, den Ball nicht an Klitzpera vorbei ins leere Tor zu schieben. Mit der Fußspitze wehrte Klitzpera den Ball gerade noch zur Ecke ab.

Die frühe Führung kam dem Konterspiel der Alemannia entgegen. Der sonst eher unauffällige, künftige Bayern-Stürmer Jan Schlaudraff zwang nach Zuspiel von Vedad Ibisevic mit einem präzisen Direktschuss Richtung Torwinkel Oliver Kahn zu einer Glanzparade. Ibisevic verschusselte eine weitere Konterchance zum 2:0.

Die Bayern spielten zu schleppend und schlampig, um die kompakte Aachener Abwehr auszuhebeln. Lucio drosch immer wieder den Ball hoch nach vorne, eine fast sichere Beute für die Aachener. Willy Sagnol, diesmal ins Mittelfeld vorgeschoben, und Mark van Bommel waren zu behäbig und wurden folgerichtig ebenso wie Santa Cruz als Totalausfall ausgewechselt. Die Münchner entwickelten keinen Druck, keine Power, dafür bekamen sie fünf Gelbe Karten für Frustfouls. Auch der eingewechselte Lukas Podolski passte sich dem Trott an. Die Bayern-Spieler nahmen die Niederlage seltsam gelassen. „Fahren wir eben ohne drei Punkte nach Hause“, sagte Philipp Lahm lakonisch. Bastian Schweinsteiger forderte, „das Spiel nicht schlecht zu reden. Wenn wir unsere frühen Chancen nutzen, läuft das Spiel ganz anders.“

Und Real Madrid? „Ist zwar kein Aufbaugegner“, sagte Lahm, „kommt jetzt aber gerade recht.“

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