Bayern-Spieler vor EM : Vorbereitung als Therapie

Die Spieler vom FC Bayern München wollen sich in der Nationalmannschaft vom Chelsea-Trauma erholen. Dabei sitzt ihnen die Dortmunder Konkurrenz im Nacken und kämpft um die Stammplätze.

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Ich schau dir in die Augen, Großer! Bastian Schweinsteiger, schwer angeschlagene Führungsfigur des FC Bayern, im Dialog mit seinem Klub- und Nationalmannschaftskollegen Manuel Neuer.
Ich schau dir in die Augen, Großer! Bastian Schweinsteiger, schwer angeschlagene Führungsfigur des FC Bayern, im Dialog mit seinem...Foto: dapd

Peter Altmaier hat richtig zugefasst, neulich beim Bundespräsidenten. Höflich, aber auch bestimmt griff der barocke Saarländer zu, als ihm Joachim Gauck die Ernennungsurkunde zum Bundesumweltminister am Dienstag im Schloss Bellevue in die Hand drückte. Wäre ja noch schöner gewesen, wenn Altmaier, bislang Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, vor lauter Glück nichts mehr wahrgenommen hätte um sich herum, wenn er wie paralysiert gewesen wäre. Ganz ähnlich hatte Bastian Schweinsteiger sich am selben Tag dafür entschuldigt, dass er an der ausgestreckten Hand Gaucks nach dem Champions-League-Finale achtlos vorbeigerauscht war. Schweinsteiger hatte den entscheidenden Elfmeter verschossen, er war mit sich und der Welt tief unglücklich. So tief unglücklich, dass er drei Tage brauchte, um sich beim ersten Mann des Staates zu entschuldigen.

Und das kann zugleich eine gute Nachricht für Deutschland sein. Bastian Schweinsteiger ist wieder bei Besinnung und wird sich nun mit aller Kraft auf das konzentrieren können, was ihm und seinen Mitspielern vom FC Bayern in diesem Mai gleich dreimal missglückt war – nämlich einen Titel zu gewinnen. Am Wochenende werden der 27 Jahre alte Mittelfeldchef und seine sieben Nationalmannschaftskollegen in Südfrankreich eintreffen. Die große Frage, die sie begleitet, wird sein: Werden die paralysierten Bayern sich befreien können von der Last der verloren Finals und werden sie die Nationalmannschaft auf ihrem Weg zum EM-Titel voranbringen können?

Die EM-Vorbereitung in Bildern

Rugby, Paddeln, Fußball - Das DFB-Team im Trainingslager
Mit dem Boot ging es rüber ins FahrerlagerWeitere Bilder anzeigen
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24.05.2012 14:48Mit dem Boot ging es rüber ins Fahrerlager

Was noch vor wenigen Wochen undenkbar gewesen ist, geistert dieser Tage durch die luxuriöse Anlage des zum Mannschaftsquartier umfunktionierten Four Seasons Resort Provence. Werden die Herren Lahm, Badstuber, Boateng, Neuer, Kroos, Müller, Gomez und Schweinsteiger rechtzeitig zu jener Form auflaufen können, die oft gewinnbringend war, die die deutsche Mannschaft verlustpunktfrei durch die EM-Qualifikation und zwischendrin zu viel beachteten Siegen über große Fußballnationen wie Brasilien und Holland gebracht und sie so zu einem heißen Anwärter auf den EM-Titel gemacht hat?

Wer ist im deutschen Nationalteam? Das vorläufige EM-Aufgebot:

Das vorläufige deutsche EM-Aufgebot
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07.05.2012 13:00Bundestrainer Joachim Löw hat 27 Spieler nominiert, mit zur EM nimmt er 23. Wer schafft es nach Polen und in die Ukraine, wer muss...

Und nun sind die Bayern nur noch zweite Wahl, national steht Borussia Dortmund über ihnen, wie Karl-Heinz Rummenigge eingestehen musste. Man weiß, wie weh den Bayern ein solches Eingeständnis tut. Und inzwischen weiß man eben auch, wie leicht das manchem Dortmunder den Kopf verdrehen kann. Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke möchte, dass sich die neuen Verhältnisse im deutschen Fußball nun auch bitteschön in der Nationalmannschaft widerspiegeln. „Wenn man Meister und Pokalsieger wird, dann darf man davon ausgehen, dass diese Leistung auch entsprechend bei der Nationalmannschaft gewürdigt wird.“ Joachim Löw sei der beste Trainer, den diese Mannschaft haben könne. „Ich gehe davon aus, dass er in jedem Fall die richtigen Entscheidungen trifft“, hat Watzke gesagt. Was Herr Watzke nicht gesagt hat, ist, dass der Bundestrainer sich noch nie von solchen Zurufen hat leiten lassen, ja dass dieser derlei Einlassungen in etwa so schätzt wie die Frau Bundeskanzlerin den Altmaier-Vorgänger Röttgen.

Und was hätte Watzke gesagt, wenn die Bayern das Champions-League-Finale gewonnen hätten? Aber das ist es ja. Die Bayern sind angeknackst, die Dortmunder lächeln als Sieger. Und natürlich sind die Dortmunder Hummels, Gündogan, Götze, Sven Bender und Schmelzer sehr gute Fußballspieler, deshalb haben sie Andere verdrängt, die zum Beispiel noch vor zwei Jahren im WM-Kader standen. Nur wenn Löw zum 29. Mai seinen vorläufigen EM-Kader eine Endlichkeit verleihen und daher drei Feldspieler sowie einen Torwart streichen muss, könnte es sein, dass das Dortmunder Quintett gesprengt wird. Kaum vorstellbar, dass Löw einen der Bayern aussortieren wird. Die acht Münchner bilden das Rückgrat der Nationalelf, sie bringen es zusammen auf 341 Länderspiele. Die fünf Dortmunder dagegen auf 32.

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