Sport : Bayern startet, der HSV wartet

Die Münchner fertigen ihren überforderten Gegner 5:0 ab – die Hamburger bleiben damit weiter ohne Erfolgserlebnis

Carsten Eberts[München]
Mia san viele. Die Bayern bejubeln eines ihrer fünf Tore gegen den HSV. Es durfte fast jeder einmal: Van Buyten, Ribéry, Robben, Gomez und Olic trafen. Foto: dapd
Mia san viele. Die Bayern bejubeln eines ihrer fünf Tore gegen den HSV. Es durfte fast jeder einmal: Van Buyten, Ribéry, Robben,...Foto: dapd

Jupp Heynckes hatte gar keine Lust, sich den Erfolg schlecht reden zu lassen. 5:0 (3:0) hatte sein FC Bayern gegen den Hamburger SV gewonnen, gegen einen bemerkenswert chancenlosen HSV, da waren sich die meisten Beobachter einig. Heynckes jedoch zog eine andere Wertung vor. „Wir können den Sieg nicht nur darauf reduzieren, dass der HSV heute so schlecht war“, sagte Heynckes nach dem Spiel. Er hatte nämlich auch eine offensiv sehr gelungene Vorstellung seiner eigenen Mannschaft gesehen, die sich damit rechtzeitig zum wichtigen Rückspiel in der Champions-League-Qualifikation in Zürich (Dienstag, 20.45 Uhr) von ihrer offenkundigen Behäbigkeit im Angriffsspiel vielleicht schon befreit hat.

Nur einmal zeigte der Hamburger SV an diesem Nachmittag Gegenwehr: Nach sieben Minuten, als Nationalspieler Dennis Aogo den Niederländer Arjen Robben umtrat und Gelb sah. Das war jedoch die einzige bissige Aktion eines HSV-Profis: Fortan wirbelten die Bayern, vor allem die genesene Flügelzange mit Arjen Robben und Franck Ribéry. Folgerichtig dann die frühe Führung: Per Freistoß zwirbelte Robben den Ball auf den Kopf von Daniel van Buyten, der den Ball in der 13. Minute unbedrängt ins Tor setzte. Nur vier Minuten später kam Franck Ribéry an den Ball, der Franzose narrte zunächst Dennis Diekmeier, dann Tomás Rincon, und vollendete mit links zum frühen 2:0.

In der 33. Minute dann das schönste Tor des Tages: Der agile Robben sprintete von rechts in den Strafraum, lief Aogo davon und überlupfte HSV-Keeper Jaroslav Drobny zum 3:0. „Wir haben heute einfach guten Fußball gespielt, jeder wollte den Ball haben“, sagte der zuletzt glücklose Nationalstürmer Mario Gomez. Er selbst vergab einige Gelegenheiten und blieb in der ersten Halbzeit weiter ohne Saisontor – doch auch das sollte sich gegen diesen HSV noch ändern.

Denn die desolat orientierten Hamburger konnten sich auch in der zweiten Halbzeit nicht steigern. Nachdem vor allem Thomas Müller einige gute Chancen ausgelassen hatte, kam Gomez im Strafraum an den Ball und vollendete aus sehr spitzem Winkel zum 4:0 (56.). Für den fünften Treffer des Tages sorgte Ivica Olic, der erstmals nach seiner langen Verletzungszeit wieder für die Bayern traf (80.). „Es war heute unsere Aufgabe, zu überzeugen“, erklärte Kapitän Philipp Lahm, „auch wenn wir sicher noch ein paar Tore mehr hätten schießen können.“ Am kommenden Dienstag in Zürich müssen die Bayern dann erneut überzeugen. „Das Ergebnis von heute bedeutet gar nichts“, sagte Gomez, „wir müssen in Zürich keine Gala abliefern, sondern einfach zu Null spielen.“

Von einem Aufwärtstrend kann beim HSV nach der zweiten Saisonniederlage keine Rede sein – abgesehen davon, dass der Klub in München diesmal einen Gegentreffer weniger kassierte als noch beim schlimmen 0:6 im vergangenen März. Selten hatte sich ein Bundesligist in der Münchner Arena so chancenlos präsentiert. „Bayern war heute zwei Klassen stärker, wir müssen uns an Gegnern messen, die in der Tabelle bei uns sind“, sagte Marcel Jansen. Der Nationalspieler ahnte bereits, was in den nächsten Tagen in Hamburg auf seinen Klub zukommt: „Es wird jetzt überall bei uns knallen.“

Die HSV-Verantwortlichen waren hingegen bemüht, das aufgeregte Umfeld zu beruhigen. „Es war schon erschreckend, wie hilflos wir waren“, sagte Trainer Michael Oenning zwar, „aber die Spieler sind nicht so schlecht, wie wir sie heute gesehen haben.“ Auch Sportdirektor und Chefeinkäufer Frank Arnesen bat um Geduld: „Wir haben viele neue Leute und brauchen Zeit, daraus eine Mannschaft zu machen.“ Der Däne kündigte an: „Wir müssen uns verbessern. Und werden Michael Oenning diese Zeit geben.“

Das klang, am Ende eines schlimmen Fußballtages für den HSV, dann zumindest nach einer vorläufigen Jobgarantie für den Trainer.

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