Sport : Bayern und Preußen für Deutschland

Nach dem Meistertitel will Turbine Potsdam die Champions League gewinnen

Helen Ruwald[Potsdam]
Schröders Sektdusche. Turbine Potsdams Spielerinnen feiern den Titel mit ihrem Trainer auf besondere Art. Foto: dpa
Schröders Sektdusche. Turbine Potsdams Spielerinnen feiern den Titel mit ihrem Trainer auf besondere Art. Foto: dpaFoto: dpa

Die Post an Uli Hoeneß ist geschrieben, nun wartet Bernd Schröder auf eine Antwort vom Präsidenten des FC Bayern München. Turbine Potsdams Trainer ruft in seinen Zeilen launisch dazu auf, die historische Fehde zwischen Preußen und Bayern zu beenden und in Madrid gemeinsam für Deutschland die Champions League zu gewinnen. „Wir legen vor“, kündigt Schröder nach der erfolgreichen Verteidigung des deutschen Meistertitels durch den 1:0-Sieg gegen Bad Neuenahr an. Am 20. Mai trifft Turbine Potsdam im erstmals ausgetragenen Champions-League-Finale der Frauen auf Olympique Lyon, zwei Tage später werden die Fußballerinnen auf der Tribüne des Bernabeu-Stadions sitzen, wenn der FC Bayern versucht, Inter Mailand niederzuringen.

International muss der Klub noch den letzten Schritt machen, national hat er bereits seine Klasse bewiesen. 2009 errang das Team den Titel am letzten Spieltag in einem dramatischen Dreikampf mit dem FCR Duisburg und dem FC Bayern München – ein einziges Tor gab den Ausschlag zugunsten von Turbine. Diesmal hingegen führen die Brandenburgerinnen die Tabelle vor dem letzten Spieltag mit fünf Punkten Vorsprung auf Duisburg an und sind selbst bei einer Niederlage am Sonntag beim VfL Wolfsburg nicht mehr einzuholen. „Wir haben 2009 mit Glück, Verstand und Gottes Hand gewonnen“, sagt Schröder, „diesmal waren wir die gesamte Saison die überragende Mannschaft.“

18 der bisherigen 21 Spiele gewann Turbine, eine Niederlage setzte es nur vor neun Tagen beim 1. FFC Frankfurt, durch ein Elfmetertor in der 90. Minute. Die Torbilanz: 81:14. All das gelang „mit einem neuen Team“, betont der 67-jährige Schröder, der seit 1971 die Geschicke Turbines leitet, in Anspielung auf die vier Neuverpflichtungen im Sommer. Die deutsche Nationalspielerin Fatmire Bajramaj schoss in ihrer ersten Saison für Potsdam bislang 16 Bundesligatore und ist nach Anja Mittag (17 Treffer) beste Torjägerin ihres Teams. Auch Nadine Keßler (11 Tore), Josephine Henning und Corina Schröder wurden zu den gewünschten Verstärkungen, genauso wie die in der Winterpause geholte Japanerin Yuki Nagasato. Spielführerin Jennifer Zietz lobt den Zusammenhalt der sehr „unterschiedlichen Charaktere“ im jungen Turbine-Team, in dessen Startelf am Sonntag acht Spielerinnen standen, die nicht älter als 22 Jahre waren.

Nicht nur die Jungen waren am Sonntag bis zum erlösenden Tor extrem nervös, auch die 25-jährige Anja Mittag war Meisterin im Auslassen von Großchancen. „Das sind tolle Fußballerinnen, aber auch hochsensible Mädchen. Das kann kippen“, sagt Schröder aus Erfahrung. „Wir machen keine große psychologische Einstellung auf die Spiele. Wir haben keine Tafel, auf der steht: Ich bin stark.“ Und das, daran lässt der Trainer keinen Zweifel, soll sich auch in Zukunft nicht ändern. Auch einen Mentaltrainer wird es mit ihm nicht geben. Man muss den Bayern ja nicht alles nachmachen, trotz neuer Verbundenheit.

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