Sport : "Bayern und Werder waren nicht zu kaufen"

Erwin Zacharias (52) ist Professor für Wirtsc

Tennis Borussias Boss Erwin Zacharias über die Macht des Geldes, Pfostenschüsse an der Börse und die Champions League

Erwin Zacharias (52) ist Professor für Wirtschaftswissenschaften in Göttingen und seit Januar Vorstandsvorsitzender beim Fußball-Zweitligisten Tennis Borussia. Benedikt Voigt und Sven Goldmann sprachen mit ihm.

Herr Zacharias, Sie kommen aus Bremen. Waren Sie in Ihrer Jugend Werder-Fan?

Natürlich. Werder, der FC Bayern oder Mönchengladbach, das waren meine Vereine.

Warum haben Sie sich denn nicht einen von denen gekauft?

Bayern und Werder waren nicht zu kaufen.

Und Hertha BSC?

Auch nicht. Aber von der Klientel war Hertha ohnehin nicht so interessant.

Dann schon eher Tennis Borussia.

"Kaufen" ist ein Terminus, der mir nicht gefällt. Wir haben einen Partner in Berlin gesucht und über den früheren Präsidenten Jack White Kontakt zu Tennis Borussia bekommen. Ein Verein mit großer Tradition.

Diese Tradition hat der Verein aber sehr schnell sehr bereitwillig Ihrem Geld geopfert. TeBe wird ausschließlich von der Göttinger Gruppe gesteuert. Wie viel Geld haben Sie denn schon in Tennis Borussia investiert?

Ungefähr 30 Millionen Mark. Aber nicht nur in Spieler, sondern auch für Investitionen in Immobilien in zweistelliger Millionenhöhe.

Das ist viel Geld.

Sie müssen die Verhältnismäßigkeit sehen. Unsere Konkurrenz vor Ort in Berlin hat gerade inklusive Folgekosten eine Summe in einen Spieler investiert, der den Jahresetat von Tennis Borussia ausmacht. Fußball ist ein Geschäft, in dem Sie ohne entsprechende Investitionen nichts bewegen können.

Wissen Sie, was Ottmar Hitzfeld gerade unserem Trainer erzählt hat?

Nein.

Der sucht in München Nachfolger für Matthäus und Babbel und bekommt keinen unter 20 Millionen Mark. Und Schalke kauft für 17 Millionen einen Stürmer, der ein paar Mal für Belgien gespielt hat. Da sind unsere Investitionen doch überschaubar. Überhaupt ist Tennis Borussia keine Sponsoren-Angelegenheit, sondern ein Investment.

Was heißt das?

Wir lassen Geld einfließen in den Aufbau einer Erstliga-Mannschaft, um an den ökonomischen Perspektiven des Fußballgeschäfts zu partizipieren. Für uns steht der zukünftige Ertrag im Vordergrund, und dafür muss man erst einmal Mittel einsetzen.

Der gegenwärtige Ertrag ist wohl eher bescheiden. Zum Rückrundenstart am Sonntag gegen Hannover 96 dürften gerade mal 3000 Zuschauer kommen. Zurzeit denken wir über einen Ertrag nur nach - in der Zweiten Liga kann man kein Geld verdienen. Hier sind die Ertragsquellen nicht annähernd so strukturiert wie in der Ersten Liga. Unsere Anlaufinvestitionen sind also von Verlusten begleitet, die wir allerdings zur Steuerminderung einsetzen.

Wann müssen Sie denn spätestens in die Ertragszone kommen?

Wir haben uns bei unserem Antritt einen Zielkorridor von fünf Jahren gesetzt. Wir sind jetzt im vierten Jahr. Wenn wir in dieser Saison aufsteigen, sind wir also im Plan.

Und wenn nicht? Zurzeit stehen Sie auf Platz fünf, das reicht nicht für die Erste Liga.

Bei mir zu Hause haben wir ein Sprichwort: Drei Mal ist Bremer Recht. Ich möchte das aber nicht erleben.

Stattdessen hat sich Tennis Borussia vor einem Jahr selbst in Verbindung mit der Champions League gebracht. Wie lange wird das denn noch dauern?

Wissen Sie, wer in der Bundesliga spielt, muss das Ziel haben, international zu spielen. Wer dieses Ziel nicht hat, der macht etwas falsch.

Als "Kommanditgesellschaft auf Aktien" ist TeBe ein einsames Gewächs in der deutschen Fußball-Landschaft. Wie lange noch?

Sicherlich sind wir anderen Vereinen voraus. Auch Ufa und Kinowelt sind erst nach unserer Entscheidung eingestiegen. Für mich sind alle Vereine der Ersten Bundesliga Wirtschaftsunternehmen - und einer in der Zweiten. Schauen Sie sich die Bilanzen von Bayern und Dortmund an, das sind Größenordnungen: 150 bis 200 Millionen Mark Umsatz. Diese Entwicklung werden auch andere Vereine nehmen. Aber fast alle haben uns gegenüber einen Nachteil.

Welchen?

Sie sind nicht in Berlin. Berlin hat so viele Einwohner wie Hamburg, München und Köln zusammen, das ist das Potenzial.

Tennis Borussia ist in der großen Stadt Berlin eher eine kleine Nummer. Wie wollen Sie denn mit so einem Verein das große Geld machen?

Natürlich mit dem Fernsehen. Passen Sie mal auf, in ein paar Jahren haben wir in Deutschland pay-per-view. Die Zuschauerzahl wird nur eine Rahmenbedingung sein.

Dann können Sie ja ruhig weiter im Mommsenstadion spielen.

Nein, da fehlt die Atmosphäre. Ich freue mich auf das umgebaute Olympiastadion.

Sehen wir dann eine ganz in Lila-Weiß getauchte Fankurve?

Ach, ich halte nicht viel von Merchandising. Damit verdienen nur Dortmund und Bayern München Geld. Alle anderen müssen das reduzieren, um keine Verluste zu machen. Das ist nur noch dazu da, damit die Fans nach dem Spiel mit den Schals winken können.

Als Wirtschaftsprofessor müssen Sie sich doch schwarz darüber ärgern, dass es im Geschäft Fußball die Größe Erfolg gibt, mit der man schlecht planen kann. An der Börse gibt es keine Pfostenschüsse.

Das stimmt, aber grundsätzlich bin ich nicht Ihrer Ansicht. Ich muss nur die Rahmenbedingungen so gestalten, dass die Wahrscheinlichkeit eines nachhaltigen Erfolges kalkulierbar wird.

TeBe bietet für Zweitliga-Verhältnisse nahezu perfekte Rahmenbedingungen. Totzdem läuft das Geschäft noch nicht so richtig.

Wir haben Fehler gemacht.

Welche?

In der Zusammenstellung des Spielerkaders ist einiges schlecht gelaufen, auch in der Affäre um Trainer Hermann Gerland.

Würden Sie den heute immer noch entlassen?

Selbstverständlich. Wenn der wichtigste Angestellte nicht mehr mit dem Herzen bei der Mannschaft ist, sondern mit einem anderen Verein verhandelt, muss ich handeln.

Angeblich wollten Sie sich auch in diesem Winter von Ihrem wichtigsten Angestellten trennen. Sie sollen mit anderen Trainern verhandelt haben.

Das sind Geschichten aus dem Wiener Wald. Ich habe Herrn Schäfer damals zu TeBe geholt und stehe voll hinter seiner Arbeit. Ich habe mit niemandem verhandelt.

Auch nicht mit neuen Spielern? Sie waren doch an dem Kaiserslauterer Wagner dran.

Darüber haben wir mal nachgedacht, aber wir sind zu dem Schluss gekommen, dass wir schon genug 30-Jährige haben.

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