Bayern-Zugang Mario Götze : Einzug in die Fußballer-WG

Mario Götze stellt sich in München beim FC Bayern vor, wo er mit seinem Bruder zusammenwohnen wird. Allerdings wird es noch ein bisschen dauern, ehe der 37-Millionen-Einkauf wieder Fußball spielen kann.

Elisabeth Schlammerl
Zeit zum Zuhören. Bei seiner Vorstellung in München hat Mario Götze gleich Komplimente von seinem neuen Arbeitgeber bekommen. Sportvorstand Matthias Sammer (rechts) nannte ihn „einen der herausragenden Spieler auf dieser Welt“.
Zeit zum Zuhören. Bei seiner Vorstellung in München hat Mario Götze gleich Komplimente von seinem neuen Arbeitgeber bekommen....Foto: dpa

Als Mario Götze zum ersten Mal öffentlich auftritt in München, scheint in ihm noch etwas vom Dortmunder zu stecken, der den FC Bayern gerne ärgert. Auf seinem weißen T-Shirt prangt der Schriftzug seines Ausrüsters, und weil der nicht identisch ist mit dem seines neuen Vereins, wirkt die Wahl des Kleidungsstückes fast provokant. Doch seine Gedanken, das versucht Götze in den folgenden Minuten zu transportieren, kreisen seit einer Woche nur noch um den FC Bayern. Mit der Vergangenheit, betont der 21 Jahre alte Nationalspieler, wolle er sich nicht mehr beschäftigen. „Ich fange etwas Neues an“, sagte er. „Ich bin überzeugt, dass ich mich hier weiterentwickeln kann“, sagt er und erscheint dabei auf einmal ein wenig brav.

Er habe in seiner ersten Woche in München „viele, viele Eindrücke“ gesammelt, berichtet er am Dienstag wie ein Student am Anfang seines ersten Semesters. Bezogen hat er das auch eher auf die Stadt als auf seinen Klub. Im Training darf Götze vorerst nicht mitmachen. Die Muskelverletzung, die er sich noch in Dortmund zugezogen hatte, stellte sich als schwerer heraus als zunächst diagnostiziert. Götze ist deshalb noch mitten in der Reha und darf nur ein bisschen Radfahren. „Aber ich hoffe, dass ich nächste Woche mit dem Laufen beginnen und in vier Wochen mit der Mannschaft trainieren kann.“

Ins Trainingslager, das die Bayern morgen für zehn Tage am Gardasee beziehen, wird Götze dennoch mitreisen. Es sei eine gute Gelegenheit, findet er, „mich ein bisschen einzuleben und die Philosophie des Trainers kennenzulernen.“ Mit Pep Guardiola hatte es schon eine erste Unterredung gegeben, „aber das war eher ein grundsätzliches Gespräch“, sagt Götze. „Er hat mich gefragt, wie es mir geht und ob ich mich gut aufgehoben fühle.“ Bei der Eingewöhnungsphase hilft womöglich, dass ihm zumindest die bayerische Lebensart nicht unbekannt ist. Götze wurde in Memmingen geboren und hat im Allgäu die ersten sechs Lebensjahre verbracht, ehe Dortmund seine Heimat wurde. „Ich bin sicher, dass ich mich hier relativ schnell wohlfühlen werde.“ Mit seinem zwei Jahre älteren Bruder Fabian, der für Unterhaching in der Dritten Liga spielt, bezieht er Ende Juli eine Wohnung in der Innenstadt.

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Zum Einstand in München gibt sich Götze betont defensiv. Vergleiche mit Barcelonas Star Lionel Messi wehrt er geschickt ab. Aufgrund der großen Erfolge und Ziele sowie des neuen Trainers müsse man mit Vergleichen mit Barcelona rechnen. „Dafür ist jeder Spieler gewappnet.“ Vermutlich lassen auch ihn die Erfahrungen der vergangenen Monate etwas zurückhaltend sein. Als sein Wechsel von Dortmund zum FC Bayern Ende April bekannt wurde, hatte es Anfeindungen und einen wütenden Proteststurm der Fans gegeben. Das sei keine einfache Zeit gewesen, gibt er zu, „aber das liegt hinter mir“. Das letzte Scharmützel mit den Dortmunder Fans war einem kleinen Schreibfehler auf Facebook geschuldet. Er hatte in einem Eintrag von seinem zu Ende gehenden Urlaub berichtet. Statt über ein neues Kapitel in seiner Karriere postete er „ein neues Kapital“. Zwar war der Fehler schnell behoben, aber nicht schnell genug, um nicht viele spöttische Kommentare zu erhalten. Ein anderes Problem hat er ebenfalls sofort gelöst. Dortmunds Innenverteidiger Mats Hummels hatte zuletzt in einem Interview Götzes Wechsel nach München kritisiert. „Er hat sich persönlich bei mir entschuldigt“ – und damit sei das erledigt.

Eine Erinnerung an die Vergangenheit bleibt allerdings: Die Ablösesumme von 37 Millionen Euro. „Ich fühle das nicht als Rucksack auf meinem Rücken. Das ist keine Belastung, sondern sehr große Wertschätzung“, sagt Götze. Vereinswechsel gehörten eben zum Profigeschäft. „Das ist der Lauf der Dinge. Der eine kommt, der andere geht.“ Am Ende seines ersten Auftritts für den FC Bayern hat Götze sein Selbstbewusstsein doch noch gefunden.

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