Sport : Bayerns Nationalelf

Mathias Klappenbach sieht den deutschen Fußball vor friedlichen Zeiten

Mathias Klappenbach

Geld wollte der FC Bayern vom Deutschen Fußball-Bund haben, viel Geld. Es sei schließlich die Schuld der Verantwortlichen für die Nationalmannschaft, dass sich Sebastian Deisler wieder verletzt habe, hieß es vor der Weltmeisterschaft 2002. Der gerade wieder genesene Deisler hatte dreimal für die Nationalelf auf dem Platz gestanden, bis er sich schwer am Knie verletzte. Bayern-Manager Uli Hoeneß forderte Lohnfortzahlung durch den bösen „Verursacher“ DFB für seinen teuren Neuzugang, weil dieses Kapital nun für einige Monate brach lag. Es geht oft um Geld, wenn sich die Münchner und der Verband mit verlässslicher Regelmäßigkeit in die Haare kriegen. Die Drohung der Münchner zum Beispiel, seine Spieler nicht mehr für Deutschland spielen zu lassen, sollte der DFB vom gemeinsamen Ausrüster Adidas tatsächlich zum deutlich mehr Geld bietenden Sponsor Nike wechseln, liegt als vorläufiger Höhepunkt erst knapp ein Jahr zurück.

Diese Zeiten könnten nun vorbei sein. Der FC Bayern hat sich mit seiner neuen Arena, der Entlassung eines Trainers wie Felix Magath und den Investitionen in die Mannschaft schon vor einiger Zeit für einen vor allem international ausgerichteten Weg entschieden, der nun mit Jürgen Klinsmann den so lange fehlenden visionären Überbau bekommen soll. Klinsmann dient aber gleichzeitig als Bindeglied für die Verankerung dieses Weges im deutschen Fußball. Denn Klinsmann wird auch in München irgendwie immer ein gefühlter Bundestrainer bleiben. Seine Hauptaufgabe besteht zwar darin, den Klub ebenso unumkehrbar in die Zukunft zu stoßen wie die Nationalelf. Nebenbei kann der beste Kumpel des aktuellen Bundestrainers das Verhältnis zur Nationalmannschaft aber nachhaltig entspannen.

Oft geht es beim Zwist zwischen dem FC Bayern und dem DFB auch darum, wer besser weiß, was gut für den Fußball in Deutschland ist. Es war Uli Hoeneß, der als erster wusste und laut sagte, dass Christoph Daum als nächster Bundestrainer nicht tragbar sei. Dass die Münchner sich lange Zeit als eigentliche deutsche Nationalmannschaft verstanden haben, war an der Vehemenz abzulesen, mit der sie sich für Oliver Kahn im Torwartstreit vor der WM 2006 eingesetzt haben. Als Jürgen Klinsmann die Entscheidung für Jens Lehmann an einem Spieltag bekannt gab und Bayern 0:3 in Bremen verlor, sagte Uli Hoeneß über den Zeitpunkt der Bekanntgabe, dass am Tag danach ja schon „wieder ein Flugzeug nach Kalifornien unterwegs“ sei. Jetzt ist die Nationalmannschaft so nah, wie sich Jürgen Klinsmann und Joachim Löw sind.

Als Klinsmann noch Profi bei den Bayern war, hat er einmal angemerkt, dass viele Spieler lieber für die Nationalelf als für den FC Bayern spielten. Für Bundestrainer Berti Vogts lag das daran, dass seine Mannschaft eine „andere Philosophie“ habe. Diese Begründung dürfte sich für die Spieler ab der kommenden Saison erledigt haben.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben