Bayerns Rensing : Unsanfte Landung

Beim Sieg in Belgrad muss vor allem Bayerns Torwart Michael Rensing unangenehme Erfahrungen machen. Er bekam eineinhalb seltsame Gegentore und harsche Kritik von Bayern-Manager Uli Hoeneß.

Michael Neudecker

München - Vermutlich war Michael Rensing nicht besonders gut gelaunt, als er am Freitagmittag in Belgrad in das Flugzeug stieg, das ihn und seine Kollegen nach München brachte. Es lag schließlich ein anstrengender Abend hinter ihm: Beim 3:2-Sieg durch das Tor von Toni Kroos in der Nachspielzeit bei Roter Stern Belgrad (siehe Seite 8) hatte er zunächst eineinhalb seltsame Gegentore und später noch Kritik von Uli Hoeneß kassiert. Rensing habe sich nicht gut vorbereitet auf das erste Uefa-Cup-Gruppenspiel, sagte der Manager, der Rensing zuletzt schon als Nationaltorwart empfohlen hatte. Den ganzen Tag habe Rensing, dessen Mutter aus Serbien stammt, mit seinen Verwandten herumgesessen: „Wir hatten hier ein Europapokalspiel und keine Familienzusammenführung.“ Im Grunde ging es Rensing wie allen Bayern: Spiele wie dieses in Belgrad holen sie immer wieder mal zurück auf den Boden der Tatsachen.

Schon die Atmosphäre zu Beginn der Partie mag Rensing ein ungutes Gefühl gegeben haben: Zur Begrüßung flogen ihm im Marakana-Stadion Papierrollen entgegen – wie ein wehender weißer Papierteppich aus 45 000 Bändern überzogen sie sekundenlang die Tribünen. Spätestens jetzt wussten die Bayern, dass dieser Abend ebendies werden würde, was Manager Uli Hoeneß später als „Schlacht“ bezeichnete. Zumal auch der Rasen Schlachtgefühle vermittelte: Wie ein aus alten, vermoderten Resten zusammengeflickter Teppich sah er aus. „Auf so einem Rasen ist es schwer zu spielen“, sagte Mark van Bommel hinterher.

Die Bayern brillierten nicht, sie dribbelten nicht, ja: Sie gefielen nicht einmal besonders. Wenngleich das nicht überraschend kam – ohne Leistungsträger wie Ribéry, Toni und Demichelis werden Schlachten wie jene in Belgrad eben umso mühsamer. Die Bayern kämpften immerhin, weshalb Trainer Ottmar Hitzfeld später lobte: „Das war eine absolute Willensleistung.“ Belgrad ging zweimal in Führung, und die Bayern kamen jedes Mal zurück. Beim ersten Gegentor durch Koroman konnte Rensing von Schuld noch frei gesprochen werden – beim zweiten aber, einem bogenförmigen Schuss aus über 30 Metern, sah der Schlussmann nicht gut aus. Er sprang zwar, er flog, doch er erreichte den Ball nicht.

Es war kein wirklich schlechtes Spiel des Kahn-Vertreters, doch sein erster Fehler seit langem fiel eben auf. Hoeneß gab ihm daher den Rat, es wäre gut, „wenn Michael sich wieder mehr auf Fußball konzentriert und nicht so viel ins Sportstudio geht“. Er spielte damit auf Rensings Fernsehauftritt vom vergangenen Wochenende an. Als Karl-Heinz Rummenigge auf das Auswärtsspiel am Sonntag in Dortmund hinwies („Wir müssen besser und engagierter spielen“), da hatte er das im Gegensatz zu Hoeneß zwar nicht persönlich gemeint – irgendwie wurde man dennoch das Gefühl nicht los, dass gerade Michael Rensing von diesem Appell betroffen war. Michael Neudecker

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