Bayerns Stürmer : Podolskis zu später Frühling

Nach Jürgen Klinsmanns Weggang blüht Lukas Podolski unter dem neuen Bayern-Trainer Jupp Heynckes auf.

Sebastian Krass[München]
FC Bayern Muenchen - Bayer 04 Leverkusen
Zum Abschied durchgesetzt. Lukas Podolski.Foto: ddp

Uli Hoeneß wollte zu dem Thema nichts sagen, außer dass er zu dem Thema viel sagen könnte. „Aber das wäre ein abendfüllendes Programm“, sagte er am späten Dienstagabend. Und nutzte seine Standardausflucht für Fragen mit Bezug zur jüngeren Vergangenheit: dass das ja gleich wieder negativ auf Jürgen Klinsmann bezogen werde. Es ging um die Gründe für die Leistungssteigerung von Lukas Podolski, seit Jupp Heynckes die Geschäfte beim FC Bayern führt. Der Übergangstrainer hingegen erzählt bereitwilliger, was er mit Podolski angestellt habe: „Ich habe ihm gleich am Anfang gesagt: Du spielst gegen Gladbach, Cottbus und das Spiel danach.“ Zudem pries er in den höchsten Tönen die Qualitäten, die in Podolskis linkem Fuß steckten („Wenn ich so einen gehabt hätte, hätte ich statt 220 Bundesligatoren 500 gemacht“). Und folgerichtig machte Heynckes den Angreifer, der im Sommer zurück zum 1. FC Köln wechselt, auch noch zum Freistoß- und Eckenschützen.

Und siehe da: In der Endphase der Saison ist aus einem abgemeldeten und desillusionierten Bankdrücker ein Leistungsträger beim FC Bayern geworden. „Jupp Heynckes hat mir das Vertrauen gegeben und ich denke, ich habe das zurückgegeben“, sagt Podolski. Beim 3:0 gegen Bayer Leverkusen war Podolski an allen Toren beteiligt: Eines schoss er selbst, die zwei anderen von Luca Toni und Franck Ribéry bereitete er vor. Es war der dritte Sieg im dritten Spiel unter Heynckes – und mit Podolski.

Und so kommt unweigerlich die Überlegung auf, ob man mit etwas geschickterer Menschenführung nicht binnen drei Jahren doch mehr aus Podolski hätte herauskitzeln können. „Wenn ich länger hier gewesen wäre, wäre das sicher anders gelaufen“, sagt Heynckes. Nun aber bleibt allen Beteiligten nichts anderes übrig, als das Leistungshoch zur fröhlichen Abschiedssause zu erklären.

Nur mit welchem Ende? Bei aller Freud über Podolski hatten die Bayern auch Anlass, sich zu grämen – nicht zuletzt auch wegen Podolski. „Es hätte sich niemand beschweren können, wenn wir heute 6:0 oder 8:0 gewonnen hätten“, sagte Manager Hoeneß, „es wäre fatal, wenn wir diese Meisterschaft wegen des Torverhältnisses nicht gewinnen würden.“ Damit hatte er im gleichen Atemzug das anlässlich des Klinsmann-Rausschmisses heruntergeschraubte Saisonziel von Platz zwei auf Platz eins zurückkorrigiert.

Allerdings können sich die Bayern noch nicht sicher sein, ob sie überhaupt wieder in der Champions League mitmachen dürfen. Mit Hoffenheim auswärts und Stuttgart zu Hause „haben wir mit das schwerste Restprogramm“, glaubt Hoeneß. Diese Ungewissheit erschwert die Planungen, wie viel Geld man für welche Spieler ausgeben kann. Gehandelt werden derzeit Diego und Mario Gomez. Doch zumindest die Trainerfrage scheint gelöst. Laut dem niederländischen Fernsehsender „NOS“ hat Louis van Gaal am Mittwoch die Freigabe von seinem Verein AZ Alkmaar erhalten und könnte am 1. Juli den Job beim FC Bayern antreten. Alkmaars Sportdirektor Marcel Brands dementierte die Einigung, kündigte aber an, ganz offen mit dem FC Bayern sprechen zu wollen.

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