Sport : Bayers neue Welt

Claus Vetter

erklärt die Einsicht des Leverkusener Fußballers Nowotny In den Achtzigerjahren erlebte die Fußball-Euphorie bei der Bayer AG erste Höhepunkte. Wer erinnert sich etwa noch an Herbert Waas? Nur elf Länderspiele bestritt der Stürmer von Bayer 04 Leverkusen, war aber trotzdem der bestbezahlte Bundesliga-Spieler. Für Titel war dem Chemiekonzern niemand zu teuer. Titel? Die Liste fällt bei Bayer eher bescheiden aus: Uefa-Cup 1988, DFB-Pokal 1993 und dann? Dann kam die Saison 2002/2003. Bayer wurde Zweiter, in der Meisterschaft, im Pokal und in der Champions League. Das dreifache Scheitern war ein teurer Spaß. 200 Millionen Euro hat die Bayer AG in den jüngsten vier Jahren in Bayer 04 investiert und ist nicht mehr gewillt, mehr Geld zu verschwenden. Mit Jens Nowotny hat dies nun auch ein prominenter Spieler verstanden. Bayers verletzter Kapitän hat seine Klage auf Lohnfortzahlung gegen seinen Arbeitgeber zurückgezogen.

Jens Nowotny ist angekommen – in der Welt der Fans, die ihm Geldgier vorwarfen und in einer neuen Welt der Bayer AG. Der ehemalige Manager Reiner Calmund hatte Nowotny angeblich noch mündlich zugesichert, dass im Verletzungsfall Geld fließen werde. Das war Bayer unter Calmund. Der Konzern zahlte, der Manager versprach viel und entschuldigte – ganz rheinische Frohnatur – die teuren Niederlagen und Fehlinvestitionen. In der Zeit nach Calmund wird nicht nur bei Bayer, sondern überall im deutschen Profifußball unterhalb des FC Bayern München gründlicher gerechnet. Elf Länderspiele reichen nicht mehr, um bei Bayer zum bestbezahlten Spieler der Liga zu werden.

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