BBL-Finale gegen FC Bayern München : Alba Berlin muss sich erst einmal sammeln

Nach der Niederlage im ersten Finalspiel um die deutsche Basketball-Meisterschaft versuchen die Spieler von Alba Berlin wieder kühlen Kopf zu bekommen. Kein leichtes Unterfangen - angesichts der Umstände am Sonntag in der Halle des FC Bayern München.

von
München Heat. Albas Reggie Redding (links) hatte mit der Hitze in der Halle zu tun.
München Heat. Albas Reggie Redding (links) hatte mit der Hitze in der Halle zu tun.Foto: dpa

Leon Radosevic hatte den Sprungwurf getroffen, über seinen 2,11 Meter großen Gegenspieler John Bryant hinweg. Alba Berlins Center hätte sich freuen können, er hatte seine Mannschaft kurz vor Schluss gegen den FC Bayern noch einmal herangebracht, noch war das erste Finalspiel um die deutsche Basketballmeisterschaft nicht verloren. Doch anstatt zu jubeln oder seine Mitspieler anzufeuern, diskutierte Radosevic auf dem Weg zurück in die Verteidigung mit den Schiedsrichtern. Hatte Bryant beim Wurf etwa nicht seine Hand berührt? War das etwa kein Foul gewesen? Als er unter dem eigenen Korb angekommen war, schüttelte der Kroate nur ungläubig den Kopf. Das kompromisslose Spiel der Münchner in Kombination mit vielen strittigen Entscheidungen hatte Radosevic und sein Team völlig frustriert, am Ende des Sonntagabends stand ein 88:81 (44:39)-Sieg der Gastgeber.

Albas Trainer Sasa Obradovic hatte an der Seitenlinie fast permanent gewütet, nach dem Spiel war er nicht gut auf die Unparteiischen zu sprechen: „Ich habe noch nie in meinem Leben erlebt, dass ein Team so viele Freiwürfe mehr zugesprochen bekommt als der Gegner.“ 50:22 lautete das Verhältnis am Ende, Albas Sportdirektor Mithat Demirel bezeichnete diese Bilanz als „rekordverdächtig“. Die Schiedsrichter hatten allein an Bayerns bisweilen theatralischem Aufbauspieler Malcolm Delaney zehn Fouls gesehen, viele davon beim Ballvortrag, weit vom Korb entfernt. Albas Geschäftsführer Marco Baldi äußerte den Verdacht, die Schiedsrichter seien auf „den Breakdancer Delaney hereingefallen“. Offiziell beschweren wollen sich die Berliner aber nicht. „Das Spiel kam im Fernsehen, die Schiedsrichter-Beobachter der Liga waren in der Halle, alles war offensichtlich“, sagte Baldi, „wir dürfen nicht von unserer Linie abweichen und müssen uns auf uns selbst konzentrieren.“

Die Bayern bekamen 50 Freiwürfe zugesprochen - "rekordverdächtig"

Bei 34 Grad Hitze in der Halle und vor 6021 Zuschauern war den Berlinern genau diese Konzentration abhanden gekommen. Nicht nur Radosevic und Topscorer Reggie Redding (22 Punkte) wirkten mit sich selbst beschäftigt, das gesamte Team hatte große Probleme, sich an die ungewöhnlichen Umstände des Spiels anzupassen. Sven Schultze streckte Delaney im zweiten Viertel übermotiviert und unbeherrscht zu Boden, was ihm ein Unsportliches Foul einbrachte – und den Bayern neuen Schwung in einem Spiel gab, das Alba zuvor kontrolliert hatte. Obradovic kassierte ein Technisches Foul, als kurz darauf ein eindeutiger Schrittfehler von Bayern-Kapitän Steffen Hamann nicht geahndet wurde. Das Team des Serben leistete sich zu viele unnötige Fouls und fand nach starkem Beginn nie mehr die richtige Mischung aus Aggressivität und Abgeklärtheit. Und als Albas Profis nach 18 Punkten Rückstand doch noch die Chance hatten, das Spiel zu kippen, versagten ihnen an der Freiwurflinie die Nerven.

Bis zum Donnerstag, wenn Alba den FC Bayern zum zweiten Spiel der „Best of five“-Serie empfängt, müssen sich die Berliner erst einmal sammeln. „Am Donnerstag wird es ein anderes Spiel, da wird es auch nicht so heiß sein“, glaubte Mithat Demirel. Das werde allen Beteiligten helfen, nicht den Kopf zu verlieren. „Am besten wäre es, wenn wir am Donnerstag auch 50 Freiwürfe bekommen“, sagte Obradovic mit gequältem Lächeln.

Sein Pendant Svetislav Pesic dozierte bei der Pressekonferenz lieber über die „Wettbewerbsverzerrung“ durch die zwei Tage kürzere Pause seines Teams nach ihrem letzten Halbfinalspiel, was Obradovic dazu verleitete, genervt auf seine Armbanduhr zu schauen. Danach massierte der 45-Jährige mit beiden Händen seine kahle Stirn, als wolle er Pesics Worte, die 50 Freiwürfe, die Führung der Bayern und überhaupt alles aus seinem Hirn kneten.

Autor

2 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben