• BBL-Halbfinale gegen Bayern München: Führt Akeem Vargas Alba Berlin heute ins Finale?

BBL-Halbfinale gegen Bayern München : Führt Akeem Vargas Alba Berlin heute ins Finale?

Akeem Vargas macht Albas Spiel variabler – das könnte der Schlüssel zum dritten Sieg über Bayern sein. Doch über allem steht bei den Berliner Basketballern die mannschaftliche Geschlossenheit.

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Verkehrte Welt. Albas Verteidigungsexperte Akeem Vargas (vorne) wird von Bayern-Scorer Nihad Djedovic gefoult.
Verkehrte Welt. Albas Verteidigungsexperte Akeem Vargas (vorne) wird von Bayern-Scorer Nihad Djedovic gefoult.Foto: dpa/Hilse

Auf dem Feld wirkt Akeem Vargas völlig humorlos. Dann kämpft Alba Berlins Basketballprofi um jeden Zentimeter, steckt ein, teilt aus und arbeitet generell wie besessen. Nach Spielende allerdings, wenn die Konzentration von ihm abgefallen und sein Tunnelblick verschwunden ist, kann der 25-Jährige durchaus locker sein. Nach Albas 101:88-Sieg im dritten Halbfinalspiel gegen Bayern München wurde Vargas gefragt, wie es seinem Kopf gehe, nachdem dieser unangenehme Bekanntschaft mit dem Ellbogen von Bayern-Center John Bryant gemacht hatte. „Mir geht’s gut“, sagte Vargas grinsend. „Aber man muss mal John Bryant fragen, wie es seinem Ellbogen geht.“

Vargas hatte allen Grund dazu, entspannt und selbstbewusst zu sein. Gemeinsam mit seinen Mitspielern hatte er am Sonntag ein exzellentes Spiel abgeliefert, mit einem Sieg am Dienstag in München (20 Uhr, Livestream auf www.telekombasketball.de, Public Viewing in der Arena am Ostbahnhof) können die Berliner die „Best of five“-Serie für sich entscheiden und ins Finale einziehen. „Heute haben wir es geschafft, den Ton selbst vorzugeben. Das müssen wir auch am Dienstag schaffen, dann machen wir den Sack zu“, sagte Vargas. „Wir wussten, dass wir heute mit sehr, sehr viel Selbstvertrauen spielen müssen.“

Für Akeem Vargas war das nicht selbstverständlich. In den ersten beiden Spielen gegen Bayern hatte er sich offensiv sehr schwergetan, im dritten Spiel traf er in der entscheidenden Phase zwei wichtige Dreipunktewürfe und war mit insgesamt zehn Zählern einer von sieben Alba-Profis, die zweistellig punkteten. „Das war eine große Demonstration von Teamgeist, jeder Spieler hat etwas zum Sieg beigetragen“, sagte Trainer Sasa Obradovic, der Vargas und dessen Trainingsfleiß ausdrücklich lobte. „Er hat heute die Würfe getroffen, die er vorher nicht gemacht hat. Ich bin froh, dass wir ihn haben.“

Defensiv ist Vargas ohnehin ein Ausnahmekönner

Besonders in der Offensive machen sich Vargas’ Sonderschichten bemerkbar. Der Shooting Guard trifft hochprozentig aus der Distanz – und ist mittlerweile auch variabler geworden. Am Sonntag bekam er Ende der ersten Halbzeit an der Dreipunktelinie den Ball, nach einer Wurftäuschung zog er an seinem Gegenspieler Bryce Taylor entschlossen vorbei in Richtung Korb – und pfefferte einen No-Look-Pass zu Alex Renfroe, der völlig frei stand und einen Dreier versenkte. Noch vor einem Jahr wäre Vargas eine solche Aktion kaum zuzutrauen gewesen.

Für Alba ist es gegen Bayern von unschätzbarem Wert, wenn Spieler wie Vargas nicht nur defensiv denken, sondern auch im Angriff die Initiative übernehmen. „Wenn wir den Ball teilen und bewegen und mit Entschlossenheit und Mut vorgehen – dann sehen wir gut aus“, sagt Geschäftsführer Marco Baldi. „Das ist das, was wir brauchen: mannschaftliche Geschlossenheit.“ Die Berliner bekamen in dieser Saison immer dann Probleme, wenn nur zwei oder drei Spieler – meist Renfroe, Reggie Redding und Jamel McLean – die Offensivlast schultern mussten. Sind aber auch Spieler wie Vargas beteiligt, ergeben sich Räume, die für keine Verteidigung mehr zu stopfen sind.

Defensiv ist Vargas ohnehin ein Ausnahmekönner. Bayerns Spielmacher Anton Gavel ist inzwischen eine gewisse Frustration anzusehen, wenn immer er den Ball gegen Vargas nach vorne dribbeln muss oder ihm dieser irgendwo anders auf dem Feld auf die Pelle rückt. Kommt Akeem Vargas dann auch noch offensiv ins Spiel, wird die Frustration noch größer. Denn dann stehen Albas Chancen auf den zweiten Finaleinzug in Serie ziemlich gut.

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