Beachvolleyball : Baggern am Berg

Heute beginnt im Alpenort Gstaad die WM im Beachvolleyball – bei den Deutschen gibt es Streit um die Nominierungen der Teams.

Felix Meininghaus[Gstaad]

Sieben Jahre ist es her, dass sich die Brüder Markus und Christoph Dieckmann entschieden haben, nicht mehr gemeinsam Beachvolleyball zu spielen. Die Trennung des Duos nach der verpassten Qualifikation für die Olympischen Spiele in Sydney 2000 löste seinerzeit in der heimischen Szene ein mittleres Erdbeben aus, galten die Zwillinge bis dahin doch als unzertrennlich. Nun haben die beiden wieder mal gemeinsam auf dem Sandplatz gebaggert, doch von einer Wiedervereinigung mochte niemand sprechen.

Vielmehr hat Markus Dieckmann Julius Brink vertreten, der sich vor Wochenfrist beim Grand Slam in Berlin eine Schulterblessur zugezogen hatte. Seit er aufgrund von chronischen Verletzungsproblemen seine Karriere beendet hat, unterstützt Markus seinen Bruder Christoph und dessen Partner als Trainer. In der Vorbereitung auf die heute beginnende Weltmeisterschaft in Gstaad waren Dieckmanns Einsätze als Sparringspartner hilfreich, damit wenigstens eine Hälfte des Europameisterduos Brink/Dieckmann das volle Programm absolvieren konnte.

Derweil pflegte Abwehrmann Brink die malade Schulter, erst gestern konnte er sie wieder voll belasten. Für den 25-Jährigen war der Ausfall eine „interessante Erfahrung“. Außer leichten Muskelverhärtungen habe er zuvor noch nie ernsthafte Verletzungen gehabt. Rechtzeitig zu Beginn des Saisonhöhepunkts wähnt sich Deutschlands bester Spieler auf Sand trotz des Rückschlags auf dem richtigen Weg: „Wir sind auf alle Fälle gut fürs Halbfinale”, sagt Brink. Während der Abwehrmann in intensivem Kontakt mit den Ärzten stand, wird sich Eric Koreng vorwiegend für die Wetterprognose interessiert haben. Für heute sind in Gstaad Schauer angesagt, danach soll es bis Ende der Woche angenehme Temperaturen geben. Keine Gluthitze von 50 Grad also, wie sie zuletzt auf dem Centre Court vor dem Berliner Hauptbahnhof geherrscht hat. Von den Geschehnissen des Finales, als Koreng im dritten Satz in der Hitze kollabierte und vom Feld getragen werden musste, hat sich der Mann aus Leipzig erholt. Er sagt: „Hoffentlich können wir bei der WM an unsere Leistungen vom Grand Slam anknüpfen.“

Im Schweizer Nobelort sind die Deutschen mit neun Teams vertreten. Lediglich die führenden Beachvolleyball-Nationen Brasilien und USA bringen in Gstaad gleich viele Teams an den Start. Der Deutsche Volleyball-Verband (DVV) ist in den Genuss von gleich zwei Wildcards gekommen, wobei die Vergabe eines Freifahrtscheins für Susanne Lahme und Geeske Banck im Vorfeld der WM für Verdruss sorgte. Die besten Zeiten der 38-jährigen Lahme sind nämlich vorbei. So hätte es Andreas Künkler, Trainer der in der Europarangliste führenden Katrin Holtwick und Ilka Semmler, auch lieber gesehen, wenn statt der vierfachen Olympiateilnehmerin sein junges Duo eine Chance bekommen hätte. „Für das Vorgehen des Verbandes muss man Verständnis haben”, lästerte Künkler, „schließlich sind Banck und Lahme unser Perspektivteam für London 2012.“ Dem Vorwurf, der DVV habe kein Herz für die Jugend, widerspricht Bundestrainer Jörg Ahmann: „Wir hatten gar keine Wahl, als die Wildcard dem in der Weltrangliste am besten platzierten Team zu geben, das nicht qualifiziert war. Das besagen die Statuten des Weltverbandes. Künkler soll sich erst einmal richtig informieren, bevor er so etwas raushaut.”

Fabrizio Rossini, Pressesprecher des Weltverbandes FIVB, bestätigte übrigens die Version von Ahmann. Und so darf mit Lahme die große alte Dame der deutschen Szene wohl zum letzten Mal in ihrer ereignisreichen Karriere auf der großen Beachvolleyball-Bühne aufschlagen. Sie und die anderen Athleten erwartet im Berner Oberland im mit Sand gefüllten Stadion ein spektakuläres Bild: Hinter dem Stadion türmen sich die Alpen. „Was wir hier geboten bekommen, ist wirklich gigantisch“, sagt Julius Brink. Er hat allerdings auch einen Nachteil ausgemacht. „Hier oben ist die Luft dünner.”

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