Sport : Beachvolleyball: Berlin bittet die Welt zum Strand

Ernst Podeswa

Kleine Änderungen mit großen Folgen. Das glaubten die Beachvolleyballer, als für die neue Saison die Regeln neu fixiert wurden: Das Spielfeld hat jetzt statt 81 Quadratmetern nur noch 64, weil das Quadrat von 9 x 9 auf 8 x 8 Meter verringert wurde. Und wie in der Halle gilt das Rally-Point-System bis 21 (dritter Satz bis 15), bei dem jeder Ballwechsel zu Punkten führt.

"Ich hatte erst Schwierigkeiten damit", sagt der Berliner Andreas Scheuerpflug, der im vergangenen Jahr mit Oliver Oetke Deutscher Meister war und auch bei den Olympischen Spielen in Sydney startete. "Aber übergroße Spieler sind nicht bevorteilt. Der neue Modus kommt eher den technisch sicheren und wendigen Spielern entgegen." Der Hamburger Frank Mackerodt, einst Hallen-Nationalspieler und nun Chef der deutschen Turnier-Mastersserie, meint: "Die Aufregung hat sich gelegt. Die Athletik der Spieler war so groß geworden, dass fast jeder Angriff durchkam. So kamen kaum noch längere Ballwechsel zustande. Die gibt es jetzt wieder." Lange Ballwechsel begeistern die Zuschauer, und damit wäre der Zweck der Sache erreicht.

Zu besichtigen sind die publikumsfreundlichen Neuerungen jetzt auch in Berlin: An diesem Wochenende von Freitag bis Sonntag beim Masters-Turnier mit den besten deutschen Damen und Herren, eine Woche darauf beim Weltturnier der Herren. Der Sand dafür wird gerade neben der S-Bahnstrecke zwischen Jannowitzbrücke und Alexanderplatz aufgeschüttet.

Frank Mackerodt hat ein ungewohntes Entgegenkommen bei den Fernsehanstalten ausgemacht: "Wir hatten ein paar Sport-Ressortleiter beim olympischen Turnier. Das hat uns neue Freunde gebracht." Die konkrete Auswirkung für das anstehende Weltturnier: Der SFB wird insgesamt sechs Stunden davon senden: "Das hatten wir in Deutschland noch nie."

Der Aufschwung beflügelt die Visionäre im Verband. Deren größter ist Präsident Werner von Moltke. Der träumt schon mal von einer Beachvolleyball-Weltmeisterschaft im Jahr 2003 im neuen Schalker Fußballstadion, das immerhin 60 000 Zuschauer fasst. Sein Vizepräsident Götz Moser mag es lieber eine Nummer kleiner: "Wenn wir wirklich die Beachvolleyball-WM bekommen sollten, dann wäre das Hauptstadion am Pariser Platz mein Traum."

Die WM ist allerdings nach Brasilien vergeben worden, und die Organisatoren dort fordern für ein Abtreten des Turniers eine Million Mark, um die Regressforderungen des einheimischen Fernsehens befriedigen zu können. Hinzu kämen, gleichfalls in Millionenhöhe, Kosten für Preisgeld, Organisation, Hotelunterkunft. "Das", sagt Frank Mackerodt, "ist einfach nicht zu machen."

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