Beachvolleyball : Das Aus bei 49 Grad

Die Beachvolleyballer Klemperer und Koreng verlieren das Grand-Slam-Finale in Berlin - weil Koreng in der Hitze kollabiert.

Frank Bachner
Koreng
Völlig erschöpft: Ein Turnierarzt behandelt Eric Koreng. -Foto: dpa

Das ganze Stadion tobte. 5000 Zuschauer waren aufgesprungen und schrien sich die Seele aus dem Leib. Denn unten, auf dem heißen Sand, spielten David Klemperer und Eric Koreng die Partie ihres Lebens. Die deutschen Beachvolleyballer blockten und schmetterten spektakulär gegen die brasilianischen Weltmeister Marcio Aranjo/Fabio Luiz. Eine Sensation bahnte sich an im Finale des Grand Slams in Berlin. Klemperer/Koreng, die Nummer drei der Weltrangliste, hatten gestern die Weltmeister am Rande eine Niederlage. Doch dann musste der 26-jährige Koreng aufgeben. Er war kollabiert – im dritten Satz, bei 9:9. Den ersten Satz hatten die Deutschen 21:15 gewonnen, den zweiten 16:21 verloren.

Ein paar Minuten, sechs Punkte nur, fehlten zur größten Sensation der diesjährigen Saison. Der größte Erfolg von Klemperer/Koreng war bisher ein fünfter Platz beim World-Tour-Turnier in Stavanger – im Jahr 2005. Wo sie gestern bei 49 Grad, in praller Sonne, die Kraft zu dieser Leistung hernahmen, wussten sie selbst nicht mehr. Schließlich hatten sie schon „im Viertelfinale auf dem Zahnfleisch gespielt“, wie Koreng sagte, und in der Nacht kaum geschlafen, „weil wir so aufgeputscht waren“. Und dann spielten sie auch noch am Sonntagvormittag im Halbfinale gegen Christoph Dieckmann/Julius Brink, die Nummer eins der Deutschen, „auf allerhöchstem Niveau“. Bis dann Brink wegen einer Schulteverletzung aufgeben musste.

Der Deutsche Verband beflügelte sie dann noch: Er beförderte Klemperer/Koreng gestern vor dem Finale zu Nationalspielern. Damit ist ihre Chance gestiegen, sich für die Olympischen Spiele qualifizieren, auch wenn „Berlin doch ein Ausreißer nach oben“ (Koreng) ist. Denn in dieser Saison sammelten die beiden vor allem in der Europaliga Spielpraxis. Seinen bis jetzt größten Erfolg hatte Klemperer 2004 in Stavanger mit Platz zwei auf der World Tour, allerdings noch mit Niklas Rademacher als Partner.

Seit dieser Saison bildet der 27-Jährige mit Koreng „ein sehr harmonisches Paar“. Das ist nicht unbedingt normal, schließlich hatte er Koreng schon mal verlassen. Nach der Saison 2005 war das, da wechselte Klemperer zu dem Block-Spezialisten Kjell Schneider. Der suchte einen Partner und kam wie Klemperer aus Kiel. Koreng dagegen hockte damals noch in Leipzig, da war’s sowieso nicht einfach mit dem Training. „Da habe ich mich verleiten lassen“, sagt Klemperer. Die Verbindung mit Schneider hielt ein Jahr, dann zog der sich aus gesundheitlichen Gründen zurück, und Klemperer rief bei seinem alten Kumpel Koreng an. Bedenken hatte er dabei keine, schließlich „war die Trennung absolut sauber abgelaufen“. Koreng sagte sofort ja. Der 26-Jährige ist inzwischen nach Kiel gezogen.

Christoph Dieckmann wunderte sich nicht sonderlich über die Leistungsstärke von Klemperer/Koreng. „Die haben schon ein paar Mal gezeigt, dass sie gut sind.“ Das ist nicht bloß ein Spruch, Dieckmann meint das durchaus ehrlich. Außerdem ist sein sportlicher Stellenwert nicht wirklich bedroht durch dieses Ergebnis.

Seit 2006 spielen Dieckmann, der erfahrene, 31 Jahre alte Blockspezialist, und Brink, der 25 Jahre alte wendige, sehr gute Abwehrspieler, zusammen. Der eine, Dieckmann, gibt den ruhigen abgeklärten Akteur, der andere, Brink, liefert die Emotionen und hat die große Klappe. „Wir sind das einzige deutsche Team, das auf dem dritten Platz der Weltrangliste überwintert hat. Das wird nie mehr ein anderes deutsches Team schaffen. Schreiben Sie das!“, sagte Brink nach dem Viertelfinale. Andererseits gibt sich Brink demütig genug, um nicht nur arrogant zu wirken. Im vergangenen Jahr hatte er noch erklärt, er betrachte es als „Ehre, dass ich mit Christoph zusammenspielen darf“. Jetzt sagt er: „Ich genieße jeden Tag, den ich neben ihm spiele.“

Aber nicht jeder registriert diese Zeichen von Demut. Zumindest für einen Fan besitzt Brink offenbar einen Popstar-Status. Dieser sprach Brink an, als der verschwitzt, ein benutztes weißes Handtuch um die Schultern, gerade Interviews gab. Brink kniff die Augen zusammen, weil er dachte, er hätte sich verhört. Also fragte er noch mal nach: „Du willst wirklich mein Handtuch? Das ist ein normales Hotelhandtuch, und gebraucht zudem.“ Da antwortete der Fan mit seligem Lächeln: „Das ist mir egal.“

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