Sport : Beachvolleyball: Donauwalzer auf dem Centre Court

Felix Meininghaus

Es ist doch immer wieder amüsant, wenn im Eifer des Gefechts schöne Stilblüten entstehen: Nach dem Frauenfinale bei der Beachvolleyball-Weltmeisterschaften in Klagenfurt stellte der Conferencier die Brasilianerinnen Adriana Behar und Shelda Bede bei der Pressekonferenz als "fresh bakened World-Champion" vor und erntete dafür herzhaftes Gelächter. Sie haben halt in Österreich Sinn für Humor und Lebensfreude, und sie beherrschen die Tugend, sich selbst nicht zu ernst zu nehmen.

Wer miterlebt hat, wie 10 000 Fans auf dem Centre Court zum Donauwalzer von Johann Strauss die Zeitlupen-Welle zelebrierten, der weiß, dass Beachvolleyball und Österreich eine gute Kombination sind. Einzig der unverhohlen zur Schau gestellte Nationalismus der Gastgeber trübte den positiven Gesamteindruck ein wenig. Wenn die einheimischen Teams auf dem Centre Court antraten, herrschte eine angeheizte Stimmung wie damals 1958 bei der Fußball-WM in Schweden. Zudem wurde das österreichische Topteam Nikolas Berger und Oliver Stamm dreist an Nummer eins gesetzt, obwohl die Olympia-Neunten in dieser Saison so unkonstant gespielt hatten, dass sie aus dem Hauptfeld geflogen waren und sich durch die Qualifikation kämpfen mussten.

Das scherte bei den Ausrichtern indes niemanden. Um ihre Lokalhelden nach vorne zu bringen, waren den Österreichern viele Mittel recht. Und sei es, körperliche Unpässlichkeiten des Gegners dankend anzunehmen. Wie in der Vorrundenpartie gegen die Puerto Ricaner Gil/De Jesus. Die brachten Berger/Stamm in arge Verlegenheit. Doch wenn es um die nationalen Interessen seines besten Beachteams geht, "dann wird der Ösi zum Bösi", wie ein neutraler Beobachter kalauerte. Zum Beispiel in der "Kronenzeitung". "Ein Glück, dass De Jesus im dritten Satz bei einer 7:5-Führung böse umknickte, mit einer Wadenzerrung aufgeben musste", schrieb das Boulebardblatt gehässig. Im Achtelfinale war für Berger/Stamm Endstation, sie unterlagen den US-Amerikanern McCaw/Heidger mit 0:2.

Danach gab es wieder das, weshalb die Besten der Besten in Klagenfurt zusammengekommen waren: Weltklassesport auf Sand. Bei den Frauen gewannen die Titelverteidigerinnen Adriana Behar und Shelda Bede das rein brasilianische Endspiel gegen Sandra Pires und Tatiana Minello mit 2:0. Die Weltranglistenersten pflegen das schöne und immer wiederkehrende Ritual, sich nach Punktgewinnen so zärtlich zu umarmen, wie ein frisch verliebtes Paar auf dem Bahnsteig. Mit dem WM-Gewinn verbuchten Behar/Shelda nicht nur 36 000 Dollar Preisgeld auf ihrem Konto, sondern leisteten auch Bewältigungsarbeit für das Trauma von Sydney. Bei den Olympischen Spielen war das weltweit dominierende Team auf Gold programmiert. Im Finale scheiterten Behar/Shelda jedoch an den Australierinnen Natalie Cook und Kerri-Ann Pottharst, was in der Beach-Nation Brasilien als herbe Enttäuschung gewertet wurde. "Die Erinnerung an Sydney tragen wir immer in unseren Herzen", sagte Adriana Behar nach dem WM-Finale, "aber das Leben geht weiter."

Das wird sich wohl auch der Weltmeister von 1999, José Geraldo Loiola, gedacht haben, als er nach den Olympischen Spielen in Sydney plötzlich solo da stand. Loiolas brasilianischer Landsmann Tande hatte ihn angerufen und gefragt, ob er nicht mit ihm zusammen spielen wolle. Das müsse er erst einmal mit seinem Mitspieler absprechen, antwortete Loiola. Sein Partner Emanuel war da weniger zimperlich und sagte sofort zu. Feindliche Übernahme auf Brasilianisch. Seitdem redet Loiola mit Emanuel kein Wort mehr. Mit seinem neuen Partner Ricardo Santos gewann Loiola das emotionsgeladene Duell gegen Emanuel/Tande und zog ins Finale gegen die Argentinier Baracetti/Conde ein. Die hochdramatische Begegnung verloren Ricardo/Loiola mit 1:2 (23:25, 21:12, 18:20), wobei sie im dritten Satz vier Matchbälle vergaben.

Was bleibt, ist der prestigeträchtige Erfolg gegen die ungeliebten Landsleute. Für Loiola, den düpierten Star mit dem Piratentuch war dieser Sieg "natürlich eine riesige Genugtuung".

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