Sport : Beachvolleyball: Eine WM an den Stränden Österreichs

Felix Meininghaus

Ein wenig gewöhnungsbedürftig klingt das Ganze schon: Beachvolleyball-Weltmeisterschaften in Österreich? Wo, bitte, liegt da zwischen den vielen und hohen Bergen ein Strand, der diesen Namen verdient? Da könnte ja auch die Bob-WM in Miami stattfinden und die Vierschanzentournee an der Copacabana.

Nun, ganz so abstrus ist das mit den Beachvolleyballern in Klagenfurt nicht. Im Gegenteil: Seit geraumer Zeit freuen sich die Sandwühler auf die Tage am Wörthersee. "Organisation, Ambiente und Infrastruktur sind bei uns top", sagt Christoph Seyrl, "deswegen kommen die Spieler so gerne zu uns." Seyrl ist der Sprecher des österreichischen Verbandes, der von heute bis Sonntag rund um den Wörthersee die Weltmeisterschaften ausrichtet.

Mit viel Engagement und noch mehr Geld haben die Veranstalter das Projekt Beach-WM angepackt. 40,8 Millionen Schilling (rund 5,8 Millionen Mark) benötigen sie allein für die Durchführung des Turniers, das Rahmenprogramm mit Partys und Konzerten rund um den Wörthersee dürfte ein ähnliches Budget verschlingen. Solche Beträge sind nur aufzubringen, weil das Land Kärnten, die Stadt Klagenfurt und diverse Sponsoren jede Menge Schillinge zuschießen. Aus gutem Grund, denn für die Touristenregion ist das Strandereignis im Land der Berge längst zum Prestigeobjekt geworden, das in den Tagen der WM und auch in der Zukunft Rendite abwerfen soll.

An Sydney orientiert

Natürlich wird auch in Klagenfurt auf Sand gebaggert, und dennoch weiß Pressechef Seyrl, "dass sich die Leute hier wie die Schneekönige auf die Weltmeisterschaft freuen". Mit Sicherheit werden die österreichischen WM-Macher nicht so lieblos mit ihrer Veranstaltung umgehen wie vor zwei Jahren die Ausrichter in Marseille. In Südfrankreich beklagten die Spieler neben vielen anderen Unzulänglichkeiten den harten Sand und mangelhafte Verpflegung. Da legen sie in Klagenfurt andere Maßstäbe an. Die Österreicher orientieren sich an den Olympischen Spielen im vergangenen Jahr in Sydney, wo Beachvolleyball am Bondi Beach mit bis dahin nie erlebter Hingabe zelebriert wurde. Die Bilder tausender feiernder und johlender Fans gingen um die Welt. Von solchen Dimensionen träumen sie auch in Klagenfurt.

Insgesamt wird rund um den Wörthersee in vier verschiedenen Beachstadien in Klagenfurt, Maria Wörth und Velden aufgeschlagen, die Kapazität des Centre Courts im Strandbad wurde von 6000 auf 10 000 Sitzplätze aufgestockt. Mit bis zu 80 000 Zuschauern rechnen die Veranstalter, "und die werden alle eine tolle Zeit erleben", prophezeit Seyrl. Natürlich sollen sich auch Kärntner Lokalgrößen wie Udo Jürgens oder Niki Lauda beim Treiben der Beachvolleyballer die Ehre geben. Zudem hoffen die Veranstalter, den ehemaligen IOC-Präsidenten Juan Antonio Samaranch begrüßen zu dürfen. Die WM als Prestigeobjekt.

Auf sportlichem Sektor sorgte vor Beginn der Weltmeisterschaft vor allem der eigenwillige Modus für Gesprächsstoff. Die jeweils 48 Teams im Frauen- und Männerwettbewerb spielen erst einmal eine Vorrunde in 16 Dreiergruppen. Die beiden Ersten jeder Gruppe qualifizieren sich für das Hauptfeld, bei dem es wie im Tennis nach dem bei den Spielern ungeliebten single elimination weiter geht. Während es bei den Beachvolleyballern üblicherweise noch eine zweite Chance gibt, bedeutet bei der Weltmeisterschaft nach den Gruppenspielen bereits die erste Niederlage das Ende aller Träume.

Es geht um 500 000 Dollar

Ganz gleich, nach welchen Regularien gespielt wird, beim mit insgesamt 500 000 Dollar dotierten Spektakel - allein die beiden Siegerteams bei den Männern und den Frauen erhalten je 36 000 Dollar Preisgeld - sind die insgesamt sechs deutschen Teams ohnehin nicht ganz vorne zu erwarten. Daran ändert auch der Umstand nichts, dass Jörg Ahmann und Axel Hager in Sydney sensationell die Bronzemedaille gewannen. Deutschlands Topduo hat dieses Ergebnis in dieser Saison noch bestätigt, sogar auf der deutschen Masters-Tour blieben die beiden bislang sieglos. Ahmann hält in Klagenfurt "einen Platz unter den ersten zehn für realistisch".

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