Beachvolleyball-EM : Barfuß im Regen

Zum Abschluss des Damenwettbewerbs gab es Dauerregen und grauen Himmel. Goller/Ludwig gewinnen das Finale der Beachvolleyball-EM in Berlin.

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Spiel im Regen. Laura Ludwig schlägt auf.
Spiel im Regen. Laura Ludwig schlägt auf.Foto: dpa

Berlin - Als Sara Goller den entscheidenden Ball mit einem gefühlvollen Angriffsschlag in den Sand gesetzt hatte, riss ihre Mitspielerin Laura Ludwig die Fäuste hoch und schrie ihren Triumph in den grauen Himmel über Berlin. Dann machte sie sich auf den Weg, um die Partnerin am Netz zur innigen Umarmung zu treffen. Europameister, dieses Gefühl kennen Goller und Ludwig bereits. 2008 durften sie es erstmals auskosten, auch damals in heimischen Gefilden. Was ihnen erstmals auf dem Hamburger Rathausmarkt geglückt ist, durften sie in Berlin abermals erleben. „Das ist schon sehr speziell“, sagt Sara Goller. Noch dazu, wenn es im Finale gegen ein befreundetes Team aus der Heimat geht. Goller und Ludwig gewannen gegen Katrin Holtwick und Ilka Semmler mit 2:0 (25:23, 21:16) und hatten Mühe, die Glücksgefühle in Worte zu fassen: „Deutschland gegen Deutschland“, sagte Sara Goller, „und das in Deutschland, das ist einfach ein ganz besonderes Ereignis.“

Das Finale der Frauen bei der Beachvolleyball-EM in Berlin war ein weitgehend verregnetes Ereignis, was den Spaß im Sand doch ein wenig trübte. Als Laura Ludwig am Samstag morgen aufwachte und aus dem Fenster ihres Hotels den Regen sah, dachte sie: „Oh Gott, und jetzt musst du bei diesem Wetter auch noch raus und Beachvolleyball spielen.“ Sie hat sich aufgerafft, und das hat sich gelohnt. Neben der Goldmedaille wurden Goller/Ludwig für ihren Einsatz mit einem Preisgeld von 20 000 Euro belohnt.

Dieses Finale in der Hauptstadt war etwas Besonderes, denn alle vier Frauen haben einen engen Bezug zu Berlin. Sara Goller und Laura Ludwig starten für Hertha BSC, Katrin Holtwick und Ilka Semmler sind lange für den VC Olympia Berlin durch den Sand gesprungen, bevor sie sich entschieden, für den Seaside Beachclub Essen ans Netz zu gehen. Doch ganz haben die beiden aufstrebenden Athletinnen die Stadt nicht verlassen. Wenn sie nicht gerade auf der World Tour unterwegs sind, trainieren sie teilweise im Westen der Republik, die andere Hälfte ihrer Zeit verbringen sie weiterhin in Berlin.

Für alle, die sich nicht unmittelbar zu einem der beiden Finalteams zugehörig fühlen, war diese deutsche Angelegenheit eine wenig brisante Angelegenheit. Man hatte das Gefühl, es könne bei dieser Konstellation nur Gewinner und keine Verlierer geben. Der Präsident des Deutschen Volleyball-Verbandes, Werner Graf von Moltke, durfte das Treiben von einem überdachten Sitzplatz aus beobachten. Der Mann, der bei den Auftritten deutscher Teams so unnachahmlich mitleiden kann, durfte sich zurücklehnen und das Finale tiefenentspannt erleben. „Dieses Endspiel war der Traum der Athletinnen – und unser Traum war es auch“, sagte Werner von Moltke, „mit Gold und Silber haben wir unsere führende Position in Europa eindrucksvoll untermauert.“ Ein kleines Manko hatte er aber ausgemacht. „Dieses Spiel hätte definitiv mehr Zuschauer verdient gehabt.“ Es kamen nur wenige, was man den Berlinern bei Regen und trübem Himmel nicht allzu sehr verübeln sollte.

Immerhin, die Darbietung der vier Finalistinnen entschädigte für die äußeren Bedingungen. Nach dem hart erkämpften ersten Durchgang, in dem sie zwei Satzbälle abwehren mussten, nutzten Goller/Ludwig den zweiten Satz zu einer Demonstration der Stärke. Für Europas dominierendes Team bedeutete der Triumph auch eine Wiedergutmachung für die Finalniederlage im letzten Jahr. „Das war für uns ganz, ganz bitter“, sagt Sara Goller, „aber diese Scharte haben wir jetzt ausgewetzt.“

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