Beachvolleyball : In alten Hosen

Den Beachvolleyballern Koreng und Klemperer rettet die Prämie vom Grand Slam in Berlin die Saison.

Frank Bachner
Koreng
Am Ende der Kräfte. Der Brasilianer Magalhaes trägt den völlig entkräfteten Eric Koreng eigenhändig von Platz. -Foto: dpa

BerlinEric Koreng umklammert mit der linken Hand den Hals einer Sektflasche. Es ist keine besonders teure Marke, aber der Sekt ist ja auch mehr eine symbolische Geste. Wichtiger ist da schon das Preisgeld. 29 500 Euro gibt es für den zweiten Platz beim Grand Slam im Beachvolleyball in Berlin, eine stattliche Prämie für das Team Eric Koreng/David Klemperer, beide wohnhaft in Kiel. Koreng hat seine Schirmmütze tief ins Gesicht gezogen, aber man kann trotzdem gut erkennen, wie mitgenommen er noch ist. Gerade hatte er eine Stunde am Tropf gehangen, weil er im Finale bei 49 Grad kollabiert war. Klemperer/Koreng verloren durch Spielaufgabe. Jetzt sagt Koreng versonnen: „Das Geld ist noch nicht auf unserem Konto, es wird auch nächste Woche nicht eintreffen. Es kommt irgendwann mal.“ Und das, will er damit signalisieren, ist doch eigentlich ziemlich schade.

Sie brauchen es nämlich dringend, das Geld. „Mit den Preisgeldern, die wir bis zu unserem Start in Berlin in dieser Saison verdient haben, können wir uns nur bis Ende Juli finanzieren“, sagt David Klemperer. „Danach hätten wir, ohne Berlin, unsere Olympiavorbereitung abbrechen müssen oder unsere Eltern hätten einspringen müssen.“

Sie sind eben keine Stars in der Beachvolleyballszene, sie stehen nicht unter den Top Ten der Weltrangliste, sie müssen deshalb Flüge und Unterkunft bei den Turnieren selber bezahlen. Der grandiose Auftritt von Berlin hat aus Koreng/Klemperer keine Beach-Größen gemacht, aber Nationalspieler. Und das ist zumindest genau so wichtig wie die Überweisung von 29 500 Dollar. „Der Nationalspieler-Status“, sagt Klemperer, „ist unsere sportliche Lebensversicherung.“ Der deutsche Verband pumpt jetzt Fördergelder ins Duo Koreng/Klemperer. Wochenlang hatte der Verband gezögert, die beiden zum dritten deutschen Nationalteam nach Dieckmann/Brink und Reckerman/Urbatzka zu befördern. Bis Sonntag. „Jetzt ist ein Großteil der Reisekosten finanziert“, sagt Klemperer.

15 000 Euro, rechnet er, muss er allein für Flüge und Hotels im Jahr bezahlen. Zusammen mit seinem Partner muss er aber auch noch Trainer Gerald Maronde finanzieren, auf den haben sie bei den bisherigen Turnieren nicht verzichtet. Bewusst nicht, sagt Klemperer, „wir sind da volles Risiko gefahren. Wir wollten möglichst professionell auftreten.“

Er sitzt in einem Übertragungswagen des RBB, noch in der Hose und mit dem Trikot, das er auf dem Platz getragen hat. Er hatte sich beeilt, weil ihm dieses Radiointerview wichtig war, ein Live-Gespräch mit dem NDR. Das hören sie zu Hause in Kiel, und er muss jede Chance der Selbstdarstellung nutzen. Denn kurz darauf zeigt er auf seine Hose und sagt: „Mit der spiele ich seit zwei Jahren.“ Seit zwei Jahren findet er keinen Ausrüster, der ihm eine neue Hose liefert. Natürlich hätte er sich längst eine neue Hose kaufen können, aber ihm geht es ums Prinzip. Vor einigen Wochen hatte er mal bei einem großen Sportartikelhersteller nachgefragt, ob man denn zusammenkommen könne. Klemperer hebt die Augenbrauen und erklärt: „Die Antwort war nein.“ Im Moment, sagt er, „sind wir komplett sponsorenfrei“. 2006 hatte er noch zwei Sponsoren, aber die sind jetzt abgesprungen.

Eric Koreng spielte im vergangenen Winter noch zusätzlich in der Halle, für den spanischen Verein Arona auf Teneriffa. Er brauchte das Geld, vom Beachvolleyball allein konnte er nicht leben. Immerhin wurde er mit Arona Dritter der ersten spanischen Liga. Dass jetzt bald viel Geld auf sein Konto fließen wird, das kommentiert er fast emotionslos. So müsse es doch eigentlich sein. „Man will ja auch mal ein wenig verdienen. Bis jetzt habe ich mit Beach immer nur Verlust gemacht.“

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